Dienstag, 15. Mai 2018

Der Donzdorfer Kapellenweg - Teil 3: Die Barbarakapelle

© Gabriele von Trauchburg


Teil 3: Die Barbarakapelle 

Es ist nicht das erste Mal, dass man versucht, Licht ins Dunkel um diese Kapelle zu bringen. Denn das größte Problem besteht darin, dass es nur sehr, sehr wenige Unterlagen zur Geschichte dieser Kapelle gibt. Aus dem Wenigen versuche ich nun dennoch eine einigermaßen fundierte Geschichte herauszuarbeiten.   


Die ältere Kapelle

Aus der Literatur ist bekannt, dass in den Jahren 1582 und 1583 der ursprünglich bei der Pfarrkirche St. Martinus gelegene Friedhof an seinen heutigen Standort verlegt wurde. Möglicherweise stand diese Maßnahme im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Donzdorfer Schlosses von 1569 oder der Entstehung des sogenannten Oberdorfes in unmittelbarer Nähe der Kapelle. 

Gleich im Anschluss an die Verlegung wurde dort 1585 die Barbarakapelle gebaut. Sie besaß wahrscheinlich die gleiche Größe wie die heutige Kapelle. Über den Baustil weiß man nichts. Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass die Kapelle - wie auch das herrschaftliche Schloss im Dorfzentrum - bereits deutlich sichtbare Züge des Renaissance-Stils aufwies. 

Auch gibt es keine Unterlagen über die Ausstattung der Kapelle. Aufgrund der Wahl der Heiligen Barbara als Kapellenpatronin darf man vermuten, dass im  Chor ein Altar mit einer Figur oder einer Bildtafel der Heiligen Barbara gestanden hatte. 

 

Wer war der Bauherr der barocken Kapelle?

Bereits um 1700 brach man die baufällig gewordene Barbarakapelle ab. Es dauerte dann fast 40 Jahre, bis man einen Neubau ins Auge fasste. In der Zwischenzeit hatte es eine Reihe von herrschaftlichen Veränderungen in Donzdorf gegeben. Zwischen 1702 und 1704 kam es in unmittelbarer Umgebung von Donzdorf zu kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. Donzdorf war Auf- und Abmarschgebiet und hatte daher große finanzielle Belastungen zu tragen. 

Die wirtschaftliche prekäre Situation hielt weit über den bis 1715 andauernden Krieg an. Der Donzdorfer Obervogt Jehlin versuchte deshalb seit den 1720er Jahren durch die Investition in den Bau einer Schmelzhütte - nicht allzu weit von der Barbarakapelle entfernt - die schwierige Lage zu verbessern, scheiterte jedoch letztendlich.

Hinzu kam, dass der letzte Donzdorfer Herrschaftsinhaber aus der Linie Staufeneck im Jahre 1732 verstarb. Im Namen seiner Erbtöchter veräußerte Graf Paul Nikolaus Reich von Reichenstein 1735 den halben Rechbergschen Anteil der Herrschaft Donzdorf mit Gütern auf dem Scharfenberg und Wißgoldingen an Herzog Carl Alexander von Württemberg. 

Der Ritterkanton Kocher, zu dessen Organisation die Herrschaft Donzdorf gehörte, wandte sämtliche ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel an, um diesen Verkauf zu verhindern. Denn Güter unter der Organisation eines Ritterkantons durften nicht ohne dessen Genehmigung verkauft werden. Er klagte deshalb vor dem Kaiser in Wien und erhielt Recht. Schließlich sah sich der württembergische Herzog 1737 gezwungen, die Herrschaft Donzdorf zum Kaufpreis von 1735 an den Ritterkanton zu übergeben. 

Der Ritterkanton hatte im Zusammenspiel mit dem Vertreter der letzten, noch verbliebenen Rechbergschen Linie, Johann Bero von Rechberg-Weißenstein, die Rückgewinnung von Donzdorf für den Ritterkanton und damit letztendlich für die Familie Rechberg betrieben. Dies bedeutete, dass ab 1737 ein Obervogt des Ritterkantons Kocher die Verwaltung des rechbergischen Teils von Donzdorf erledigte. Diese Erkenntnisse ist wichtig, um die folgenden Vorgänge zu verstehen.   

 

Der Bau der barocken Barbarakapelle

Der Ritterkanton Kocher als Patronatsherr der Donzdorfer Pfarrei St. Martinus begann 1738 mit den Planungen für eine neue Kapelle - also genau ein Jahr nach Abschluss des gewonnenen Prozesses gegen Württemberg. Das Motiv für den Neubau einer seit nahezu 40 Jahren nicht mehr vorhandenen Kapelle liegt nicht direkt auf der Hand.

Schon im Dezember 1739 war der Bau abgeschlossen, teilweise finanziert durch einen Kredit der Kapellenverwaltung Unterweckerstell (vgl. Teil 6.5 - Unterweckerstell, Label Unterweckerstell). Die gesamten Bauarbeiten leitete der damalige Donzdorfer Obervogt des Kanton Kochers, Merz. Dieser wandte sich nach Abschluss der Bauarbeiten an ein nicht namentlich genanntes männliches Mitglied des Hauses Rechberg, um an die finanzielle Zusage für den Kapellenbau zu erinnern. Merz erwähnte dabei, dass noch eine Differenz von 100 Gulden ausgeglichen werden musste. Aus diesem Schreiben geht hervor, dass die gräfliche Familie Rechberg über den Bau der Kapelle bestens informiert war - zudem hatte ein Untertan der Rechbergischen Herrschaft Weißenstein die Arbeiten des Baumeisters übernommen. Die Weihe der neuen Kapelle erfolgte dennoch erst 1748, also zu einem Zeitpunkt, als Donzdorf sich bereits wieder drei Jahre in der Hand der Familie Rechberg-Illereichen-Weißenstein befand.

Der lange Zeitraum zwischen Fertigstellung und Weihe hing möglicherweise auch mit dem Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges von 1740-1748 zusammen. Der bayerische Kurfürst Karl Albrecht hatte die Thronfolge der Habsburgerin Maria Theresia nicht anerkannt und sich zum deutschen Kaiser krönen lassen. Diese Haltung führte zwangsläufig zum Krieg und letztlich zur Niederlage von Karl Albrecht. In seinem Heer hatten die beiden einzigen waffenfähigen Rechberg, Johann Bero von Rechberg-Weißenstein und seine jüngerer Bruder Franz Xaver Leo gekämpft.

Die Barbarakapelle in Donzdorf, 1739 - © GvT

Baumeister war der Weißensteiner Maurermeister Philipp Spengler. Er schuf einen für die damalige Zeit hochmodernen Bau. Statt der alten strengen Sakralarchitektur mit rechteckigem Kapellenraum und angefügtem gerundetem Chor schuf er anstelle des harten, kantigen Übergangs von Kapellenraum und Chor eine sanfte, gerundete Übergangsform. In diesen  Übergängen wurden Nischen für Altäre eingerichtet. 
 

Der Innenraum der Barbarakapelle - © GvT

Die Kapelle ist der Heiligen Barbara geweiht. Sie ist eine der 14 Nothelfer. Man ruft sie insbesondere in den letzten Sekunden des Lebens an. Die Hinwendung zu dieser Heiligen ist für einen Sterbenden dann von größter Bedeutung, wenn für ihn keine andere Möglichkeit mehr auf den Erhalt des Sterbesakraments besteht.  

 

Die Ausstattung der Kapelle 

Das Innere der Barbarakapelle ist heute in schlichter Einfachheit gehalten. Im Chor steht ein triumphierender Auferstehungschristus. Im Kapellenraum kann man gotische, der Ulmer Schule zuzuordnende Heiligenfiguren bewundern. Auf der linken Seite steht eine spätgotische Marienfigur, die ursprünglich Teil einer Kreuzigungsgruppe gewesen war. In der linken ‘Seitenaltar’-Nische befindet sich eine Maria Magdalena, die den Deckel eines Salbgefäßes in einer Hand hält, das Gefäß selbst ist nicht mehr erhalten. Der Maria Magdalena gegenüber befindet sich in der rechten Nische eine Madonna mit Kind aus dem Umfeld des berühmten Ulmer Bildhauers Hans Multscher aus der Zeit um 1470. Zuletzt steht ganz rechts eine Anna Selbdritt - die Großmutter Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Enkel Jesus.
Zwischen den gotischen Figuren sticht eine 1780 eigens eingebaute Mauernische auf der linken Seite ins Auge. Darin fand ein so genannter Schulterwundenheiland seinen Platz. Diese Darstellung der Leiden Christi geht auf eine Vision der Mystikerin Crescentia von Kaufbeuren (1703-1744) zurück, die der Irseer Pater Magnus Remy in bildliche Form umsetzte. Auf dem Umweg über den kurfürstlichen Hof in München gelangte diese Verehrung auch in Rechbergische Herrschaften - 1779 in die Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg, 1780 hier in die Barbarakapelle in Donzdorf und in die Alte Gottesacker-Kapelle von Illereichen.

Der Crescentianischer Kerkerchristus von 1780 - © GvT

 

Das Außergewöhnliche an der Kapelle

So klein die Kapelle auch ist, so besitzt sie unter den barocken Kirchen und Kapellen im Landkreis Göppingen dennoch ein außergewöhnliches Merkmal. Vergleicht man die barocken Kirchengebäude, so findet man die typischen barocken Elemente im Bereich der Ausstattung, d.h. in Form von Stuckaturen, Gemälden oder Bildnissen. Die Architektur der Kirchengebäude folgt der traditionellen Weise mit einem rechteckigen Langhaus und einem gerundeten Chor. Die einzige Ausnahme von diesem Schema, die ich im Landkreis kenne, ist die Donzdorfer Barbarakapelle. 

Von außen betrachtet folgt sie dem traditionellen Architekturschema. Doch im Inneren hält sie eine Überraschung bereit. Am Übergang vom Hauptraum zum Chor finden sich zu beiden Seiten zwei oval ausgeformte Nischen, in denen die Seitenaltäre untergebracht waren. 

Diese ovale Form im Übergang vom Hauptraum zum Chor ist ein architektonisches Element, das in Rom bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeführt worden war. In Süddeutschland ist es vor allem Dominikus Zimmermann, der die Auflösung der traditionellen Raumstrukturen in kirchlichen Gebäuden vorantrieb - so 1728–1733 in der 'schönsten Dorfkirche der Welt' in Steinhausen, 1735–1740 in der Frauenkirche von Günzburg und 1745–1754 in der Wieskirche bei Steingaden. 

 

Die ganz eigene Führung des Lichts im Chorraum - © GvT

Der Weißensteiner Baumeister Philipp Spengler begnügte sich jedoch nicht nur mit der Nachahmung des Zimmermannschen Prinzips der Auflösung der alten Strukturen, sondern er nahm die neue ovale Gestaltungsform zu Hilfe, um somit die Aufmerksamkeit noch stärker auf den Chor zu lenken. Spengler verkleinerte mit Hilfe der ovalen Nischen den Choreingang. Auf diese Weise verschwinden für den Betrachter beinahe die beiden Chorseitenfenster. Hingegen reflektieren die eingezogenen Nischenmauern das Licht der Chorseitenfenster, so dass eine ganz eigene Atmosphäre im Chorraum entsteht.    

  

Quellen und Literatur

Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 224 Bü 196 und A 164 Bü 28, 6

GRFAD, RA 4471 - Akte zur Barbarakapelle Donzdorf, 1738

Josef Rink, Familien Geschichte der Rechberg - Teil 5, Manuskript 1821

Heribert Hummel, Donzdorf - Die Kirchen der Stadt Donzdorf, Weißenhorn  1995

https://www.augsburger-allgemeine.de/illertissen/Erinnerung-an-die-Leiden-Christi-id24625926.html

 

 

Montag, 14. Mai 2018

Der Donzdorfer Kapellenweg - Teil 1: Wie kommt man zu einem Kapellenweg?

© Gabriele von Trauchburg 

 

Teil 1: Wie kommt man zu einem Kapellenweg?

Vor ein paar Jahren kam dem langjährige 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderates von St. Martinus Donzdorf, Bernhard Baum, bei einer Wanderung in den Salzburger Alpen die Idee, in seiner Heimatstadt ebenfalls einen Kapellenweg zu errichten.

Auf Donzdorfer Gemarkung stehen mehrere Kapellen. Allein südlich der Lauter gibt es die Hürbelsbacher Kapelle, die Barbarakapelle, die Unterweckersteller Kapelle, die Kapelle beim Scharfenhof und die kleine Kapelle beim Donzdorfer Flugplatz. Hinzu kommt noch die Kapelle St. Peter in Grünbach. Unweit davon entfernt liegt die Pietà-Kapelle von Lauterstein-Nenningen.

Als das Vorhaben erste konkrete Formen annahm, hatte gerade der Landkreis Göppingen seine Städte und Gemeinden dazu aufgerufen, eigene touristische Rundwege zu entwickeln. Nun galt es, zunächst die Kirchengemeinde Donzdorf ins Boot zu holen und anschließend auch die Stadtverwaltung Donzdorf. Beide Institutionen nahmen das Projekt mit Begeisterung auf.

Innerhalb kurzer Zeit konnte ein knapp 22 Kilometer langer, durch die schönsten Ecken der Donzdorfer Gemarkung führender Weg gefunden werden. 
© - Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Donzdorf

 Auch ein Logo war schnell entwickelt.


© - Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Donzdorf

Die Wegweiser für den neuen Kapellenweg wurde jetzt im Frühjahr 2018 aufgestellt.


© GvT
Was noch fehlte, war eine grundlegende Erforschung der einzelnen Kapellen. Noch nie hatte sich jemand daran gesetzt, die Geschichte und Kunstgeschichte der einzelnen Gebäude im Detail zu erfassen. Diese Arbeit nahm im gesamten Vorhaben den längsten Zeitraum ein. Doch das Ergebnis kann sich - wie man anhand der folgenden Einzelkapitel leicht erkennen kann - sehen lassen. Aufgrund der neuen Erkenntnisse werden jetzt für jede Kapelle passend zu ihrer Geschichte eine Fürbitte formuliert.

Das Ziel des gesamten Vorhabens ist, die Kapellen wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken, ihre vielfältigen Besonderheiten herauszuheben und ihre Geschichte offenzulegen. Die meisten Kapellen liegen an einer von uns heute als malerisch empfundenen Stelle, doch ihre vielen Besucher der vergangenen Jahrhunderte suchten hier Trost und göttlichen Beistand bei den vielfältigen Krankheiten und Gefahren, denen sie in ihrem Alltag gegenüberstanden. Heute mögen die Sorgen andere als früher sein, doch noch immer können die Kapellen ihren Besuchern als ein Ort der Einkehr und Hilfe bei der Bewältigung des Alltags dienen. 

Ich hoffe nun, dass Sie, liebe Leser, mir auf den neuen Donzdorfer Kapellenweg folgen werden.

Dienstag, 27. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 9: Das Ende der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus, Zusammenfassung 

© Gabriele von Trauchburg

Was fängt man mit einer geschlossenen Kirche an?
Mit der Überführung der Bernhardus-Figur auf den Hohenrechberg begann die Zerstörung der Bernharduskirche. Am 18. Oktober 1806 wurden die ersten Kirchengeräte nach Donzdorf gebracht. Eine heute noch vorhandene Aufstellung besagt, dass eine Monstranz, ein Ziborium mit Deckel und Krone, 3 Kelche mit 3 Patenen und 2 Löffeln, zwei hölzerne schwarze, mächtig versilberte Kruzifixe schließlich noch ‘Kirchenwäsche’ (= Altartücher) nach Donzdorf gebracht worden waren. Einen Tag später erhielt die Kirche von Hohenrechberg ebenfalls in einer Liste zusammengefasste Gegenstände, unter anderem 3 Messbücher, 1 Evangelienbuch, Rosenkränze und große, schwere Kerzen.
Dem Treffelhauser Mesner und Orgelmacher Johann Schweizer war die Aufgabe übertragen worden, den Wert der Orgel auf dem Bernhardus festzulegen. Da das Basso-Octav-Register nicht mehr richtig funktionierte, wurde die Orgel auf den geringen Wert von 22 Gulden veranschlagt. Aufgrund einer herrschaftlichen Weisung wurde die Orgel der Kirche in Ottenbach zugesprochen, wo Maximilian Emanuel von Rechberg ebenfalls Patronatsherr war.

In der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Lauterstein-Weißenstein befinden sich heute zwei große weiße, teilvergoldete Statuten auf dem Hochaltar - der Heilige Maximilian Emanuel und die Heilige Walburga, die Namenspatrone des Herrscherpaares. Die beiden Figuren befanden sich ursprünglich auf dem linken Seitenaltar in der Bernhardus-Kirche und wurden aus der Wallfahrtskirche in die Stadtpfarrkirche gebracht und dort in den Hochaltar eingefügt. Drei kleinere Figuren in der Stadtpfarrkirche - darunter ein Sebastian und ein Antonius von Padua - könnten aufgrund ihres Stils ebenfalls aus der Wallfahrtskirche stammen. 

Der Heilige Maximilian Emanuel, um 1764 - ursprünglich aus der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus - © GvT


Die Heilige Walburga, um 1764 - ursprünglich aus der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus - © GvT



Vorbereitungen zur Versteigerung der Wallfahrtskirche im Oktober 1808 
Zunächst war das weitere Schicksal des Kirchengebäudes unklar gewesen. Erst zwei Jahre nach der Schließung entschloss man sich, die Kirche samt Benefiziatenhaus zum Abriss freizugeben, nachdem sämtliche für den Patronatsherren interessanten Objekte aus der Kirche geholt und auf seine anderen Patronatskirchen verteilt worden waren. 

Für die eigentliche Versteigerung Ende Oktober 1808 wurde eine Aufstellung erarbeitet, in der mögliche Werte nach Interessengruppen untergliedert wurden. So kamen spezielle Lose für Schreiner, Zimmerleute und Maurer zustande. Der Materialwert der Kirche wurde mit 1599 Gulden veranschlagt, der des Benefiziatenhauses mit 680 Gulden. Die Bretter des Kirchenbodens, die Kanzel, der Choraltar, die Nebenaltäre, Bet- und Beichtstühle, die Wandkästen in der Sakristei, zwei innere Kirchentüren und vieles mehr sollten an den Mann gebracht werden. Man hoffte, dass Zimmerleute die Balken, Bretter und Nägel vom Kirchendachboden gebrauchen könnten, und es fanden sich sicherlich Maurer, die für die über 18.400 Dachplatten Verwendung hatten. 


Die Versteigerung
Zur Versteigerung der Wallfahrtskapelle im 25. Oktober 1808 wurden eigene Regeln geschaffen. Unter anderem hieß es in den Anweisung, dass jedem Bieter verdeutlicht werden sollte, dass die betroffenen Gebäude auf dem Bernhardus nicht stehen bleiben, sondern zum Abbrechen und Abräumen versteigert werden sollen. Die Käufer wurden verpflichtet, ihre ersteigerten Werte innerhalb von 8 Tagen abzubauen und wegzubringen. Die Kosten für Abbau und Abtransport wurden ihnen auferlegt. Um eine möglichst große Anzahl an Interessenten auf den Bernhardus zu locken, wurden öffentliche Bekanntmachungen herausgegeben und Ausschreibung an die umliegenden Pfarreien verschickt.

Das Ergebnis der Versteigerung vom 25. Oktober 1808 war folgendes:
  • der mit 125 fl angesetzte Choraltar fand keinen Käufer, 
  • die beiden Nebenaltäre für 125 fl gingen an die Pfarrkirche nach Treffelhausen,
  • die mit 40 fl taxierte Kanzel wurde für 25 fl nach Salach verkauft, 
  • ebenso gingen 20 Betstühle für 21 fl nach Salach (der Salacher Pfarrer erwies sich als hart im Verhandeln und konnte sich überwiegend durchsetzen); 
  • 5 Beichtstühle wurden für 3 fl nach Weiler (i.d.B.) verkauft, 
  • 4 einfache Beichtstühle ergatterte der Obermüller Joseph Hämmerle von Weißenstein, 
  • 2 Stühle aus dem Chor ersteigerte Wolfgang Nägele aus Treffelhausen, 
  • 2 Betstülchen sicherte sich der Salacher Pfarrer Ruf, 
  • 1 Stülchen kaufte Joseph Schmied von Weißenstein und 
  • 2 Wandkästen aus der Sakristei konnte Gabriel Nägele von Weißenstein gebrauchen.
  • Die beiden Glocken mit 701 Pfund Gewicht wurden zunächst in der Hauptversteigerung ausgesetzt, weil sich kein Käufer gefunden hatte. Dann hatte der Nördlinger Jude Nattan sein Interesse bekundet, die Glocken gewogen und pro Pfund 26 Kreuzer geboten. Damit erhielt er den Zuschlag und bezahlte noch im November 1808 die Summe von 303 Gulden und 36 Kreuzern.
Den Abriss von Kirche und Benefiziatenhaus wollte ein Konsortium von 8 Männern übernehmen, die insgesamt 800 fl auf zwei Jahre verteilt dafür zu zahlen bereit waren. Wie weit sie in ihrer Arbeit bereits fortgeschritten waren, lässt sich am letzten Verkauf vom 20. Februar 1809 erkennen. Gabriel Nägele aus Weißenstein erwarb zu diesem Zeitpunkt den 9 Meter hohen, ehemals mit 125 fl angesetzten Choraltar für 15 Gulden. Er musste sich mit dem Ausbau desselben beeilen, weil die Kirche damals schon weitgehend abgebrochen war.

Zieht man Bilanz eine Bilanz von der Versteigerung, so muss man feststellen, dass die versteigerten Gegenstände großenteils weit unter Wert verkauft werden mussten. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand. Die Versteigerung fand in der Zeit nach der Säkularisierung des kirchlichen Gutes und der Mediatisierung der kleinen Adelherrschaften statt. Zum einen herrschte ein großes Überangebot an derartigen Angeboten auf dem Markt und die Napoleonischen Kriege taten das Ihre zum Verfall der Preise. Zum andern bevorzugte man in der Zwischenzeit einen modernen Stil - den Klassizismus. Damit galten die angebotenen Stücke als veraltet und minderwertig.

Welche Erkenntnisse ergeben sich nun zur barocken Wallfahrt auf den Bernhardus?
1. Die barocke Bernharduswallfahrt kam dem Bedürfnis der Menschen im 18. Jahrhundert besonders bei medizinischen Problemen entgegen. Sie pilgerten auf den Bernhardus, um dort für allgemeinen Beistand und insbesondere bei ihren Gebrechen zu bitten und zu erhalten.
2. Mit dem Bau der Wallfahrtskirche wurde der stetig steigenden Anzahl der Pilger ein Raum gegeben, der ihren Bedürfnissen Rechnung trug. 
3. Die Kirche wurde im damals höchst modernen Stil des Barocks errichtet. Ihr Architekt, ihr Baumeister und die beteiltigten Kunsthandwerker gehörten zur Elite ihrer Zunft in jener Zeit.
4. Aus heutiger, kunsthistorischer Sicht ist der Verlust der Kirche ein Jammer. Die Wallfahrtskirche reihte sich in eine bedeutende Gruppe von barocken Kirchenbauten mit der Degginger Wallfahrtskirche Ave Maria und der Weißensteiner Stadtkirche ein. Gemeinsam begründeten sie eine kunsthistorische Einheit, die nicht von der Region, sondern von Bayern geprägt ist.
5. Das Ende der barocken Wallfahrt war nicht - wie man in den meisten bisherigen Darstellungen lesen kann - durch die Philosophie der Aufklärung hervorgerufen worden, sondern durch den drohenden Bankrott der Rechbergischen Herrschaften in den Napoleonischen Kriegen und der Not des unterversorgten Pfarrers in der Hohenrechberger Pfarrei.
Die bisherigen Deutungen beruhen auf falschen Annahmen. Dem bedeutenden Pfarrer Joseph Rink wird in diesem Zusammenhang Unrecht getan, ebenso dem scheinbar willenlosen Maximilian Emanuel von Rechberg. Stattdessen waren beide Männer hochgebildet. Maximilian Emanuel war Jurist, der das Kirchenrecht sehr gut kannte. Außerdem waren beide Männer Verfechter der katholischen Aufklärung und nicht - wie immer wieder unterstellt wird - der radikalen Aufklärung eines D’Alembert oder eines Holbach. Rechberg und Rink mussten Probleme lösen, die denen der heutigen katholischen Kirche in Deutschland in fataler Weise ähneln.
6. Heute finden sich nur noch wenig Überreste der barocken Wallfahrtskirche. Allen voran steht die alte Bernhardus-Figur bis heute auf dem rechten Seitenaltar in der Kirche auf dem Hohenrechberg. Dort findet sie jedoch nicht dieselbe Beachtung wie die ‘Schöne Maria’ im Hauptaltar. Bei der Beschreibung der Wallfahrt zum Hohenrechberg im Heimatbuch von 2004 wurde diejenige zum Bernhardus völlig ignoriert, nicht einmal ein Bild von der Figur wurde abgedruckt - das hat er definitiv nicht verdient. 
Die beiden lebensgroßen Statuen im Weißensteiner Hauptaltar wurden oben bereits näher betrachtet.
Die nach Salach verkauften Stücke sind wohl spätestens mit dem Neubau der katholischen Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts vernichtet worden. Die Treffelhauser Nebenaltäre wurde spätestens beim Dorfbrand im 19. Jahrhundert ein Raub der Flammen.
Der wohl markanteste Überrest der barocken Wallfahrt befindet sich heute auf zahlreichen Hinweisschildern - das Logo der Glaubenswege ist dem Aufriss der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus nachempfunden. Auf diese Weise ist die Existenz der barocken Wallfahrt präsenter denn je, obwohl kaum jemandem die Grundlage dieses Logos bewusst ist..

Logo, Ausschnitt aus dem Titelblatt des Wanderführers 'Glaubenswege'


Quellen und Literatur
GRFAD - einschlägige Archivalien zur Bernhardus-Wallfahrt
Gabriele von Trauchburg, Lauterstein - Kirchenführer, Lauterstein 2015
Glaubenswege. Wege für den Geist, die Seele; zum Wandern und Genießen - Wanderführer, Schwäbisch Gmünd 2016 (www.glaubenswege.de)

Donnerstag, 22. März 2018


Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 8: Die Bernhardus-Wallfahrt als Retterin einer Pfarrei

© Gabriele von Trauchburg



Um das letzte Kapitel der barocken Wallfahrt auf den Bernhardus zu verstehen, müssen wir jetzt einen Sprung auf den rund 10 Kilometer Luftlinie entfernten Hohenrechberg machen.

Am 6. April 1798 berichtete der Hohenrechbergische Obervogt Schabel voller Empörung von  einem eigenmächtigen Handeln des dortigen Pfarrers Grupp, der eine Sammlung für die Verschönerung der Altäre in der Kirche auf dem Hohenrechberg veranstaltet hatte. Der Obervogt kritisierte diese Aktion vor allem deshalb, weil die Untertanen von Hohenrechberg durch die lange angedauerte Kriegserleidnisse (= französische Revolutionskriege) und andere Unfälle tiefest (finanziell) erschöpft und von schweren Schulden (durch die Betragsforderungen der Kriegsparteien) gedruckt sind ... und kümmerlich ihren nothdürftigen LebensUnterhalt gewinnen können.


Die Maßnahme des Pfarrers hatte jedoch einen ernsten Hintergrund, der in die Gründungszeit der Pfarrei zurückreicht. Mitte der 1760er Jahre hatten sich die Bewohner von Rechberg mit der Bitte, in einer eigenen Pfarrei zusammengefasst zu werden, an das Bistum Konstanz gewandt. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörten sie nach wie vor zur Pfarrei Waldstetten. Der Waldstetter Patronatsherr, die Fürstpropstei Ellwangen, lehnte die Forderungen der Rechberger rundweg ab.
Dennoch leitete das Bistum Konstanz ein Prüfungsverfahren ein, in dem die Argumente beider Seiten zu Papier gebracht wurden. Vor allem beklagten die Bewohner Rechbergs, dass sie den beschwerlichen, sehr steilen Weg nach Waldstetten im Winter kaum bewältigen konnten - Taufen für Rechberger Säuglinge konnten nur im Sommer vollzogen werden.
Im ersten Entscheid vom 16. Juni 1767 sprach sich Konstanz für die Gründung einer eigenen Pfarrei aus. Ellwangen lehnte jedoch weiterhin ab und brachte den Fall vor das Erzbistum Mainz. Am 12. Oktober 1771 schließlich fällte Erzbischof Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1707-1774) seine Entscheidung zugunsten der Gläubigen von Rechberg.
Die anschließenden Verhandlungen um die Versorgung der künftigen Pfarrer auf dem Hohenrechberg konnten im November 1772 zwischen dem Bistum Konstanz und Maximilian Emanuel von Rechberg abgeschlossen werden. Der Gründungsvertrag der neuen Pfarrei auf dem Hohenrechberg wurde am 7. April 1773 vom Konstanzer Bischof ratifiziert. Der Stiftungsvertrag enthielt eine Klausel, die in jedem Fall die Sicherung des Einkommens für den Pfarrer gewährleistete. Für den schlimmsten Fall verpflichtete sich das Haus Rechberg als Patronatsherr, Einkommenseinbußen des Stelleninhabers auszugleichen.
Die Notwendigkeit, aber auch die Problematik dieser Klausel trat bereits kaum drei Jahrzehnte später in der Napoleonischen Zeit offen zutage. Wie die Bevölkerung in seinen Herrschaften besaß Maximilian Emanuel von Rechberg in dieser von ständigem Krieg und von zahllosen Truppendurchmärschen geprägten Zeit keine Einnahmen mehr aus seiner gleichnamigen Herrschaft - diese Gelder wurden wechselweise von den Kriegsparteien Frankreich und Österreich eingezogen und für ihre Kriegsführung verwendet.
Nur sein Einkommen als bayerischer Hofbeamter schützte Maximilian Emanuel von Rechberg vor dem Bankrott. Aus diesem Grunde hatte Rechberg wohl seinen Pfarrer angehalten, die Wallfahrt zu fördern. Doch scheinen die eingeleiteten Maßnahme nicht die gewünschte Wirkung hervorgebracht zu haben.

Neue Ideen brauchte die Pfarrorganisation
Die allgemeine politische Entwicklung mit ihren besonderen Auswirkungen auf die Pfarrei Rechberg zwang den Herrschaftsinhaber, über eine neue Möglichkeit der Finanzierung der von ihm gestifteten Pfarrei nachzudenken. Der findige Jurist Maximilian Emanuel von Rechberg sah die einzige Möglichkeit, der Pfarrei zusätzlich Geldmittel zu beschaffen, in der Suche nach unabhängig von den Einnahmen seiner Herrschaften bestehenden Einnahmen.
Daher stellte Maximilian Emanuel von Rechberg seit dem Jahre 1802 Überlegungen zur Übertragung des Gründungskapitals für das Benefiziums der Wallfahrt zum Heiligen Bernhard nach Hohenrechberg an. Mit diesem Benefizium war keine Pfarrei verbunden; die Seelsorge bezog sich allein auf die Pilger, die - wenn man sie zum Hohenrechberg umleitete - dort ebenfalls betreut wurden und dadurch gleichzeitig auch noch die Pfarrei Hohenrechberg unterstützen konnten.
Aus diesen Überlegungen heraus wandte sich Maximilian Emanuel von Rechberg im Mai 1806 an den Konstanzer Bischof. In seinem Schreiben bat er diesen, die arme Pfarrei Hohenrechberg dadurch unter die Arme zu greifen, dass er den Stiftungsfond der Bernhardus-Wallfahrt auf den Hohenrechberg übertragen würde. Seinen Schritt begründete Maximilian Emanuel geschickt damit, dass angeblich immer wieder der Vorwurf laut geworden war, dass der Andachtsort auf dem Spitzkopf zu weit von der Zivilisation entfernt sei und sich deshalb dort so manche Unsichtlichkeit zutrage. Ähnliche Vorwürfe finden sich ab den 1780er Jahren bei anderen entlegenen Wallfahrtsorten zuhauf, als man unter dem Einfluß der Aufklärungsphilosophie diese Einwände nutzte und innerhalb der katholischen Kirche gegen die teils ausufernden Formen der Volksreligiosität vorging, zahlreiche Wallfahrten einstellte und kleine Kapellen abriss.
Auf den ersten Blick mutet hier eine ähnliche Entwicklung auch für die Wallfahrt zum Heiligen Bernhard auf dem Bernhardus-Berg an. Die Verlegung geschah jedoch ausschließlich aufgrund wirtschaftlicher Voraussetzungen - doch wie heute auch: man muss die richtige Begründung liefern, um das zu erhalten, was man bekommen möchte.  

Proteste gegen die Aufhebung der Wallfahrt auf dem Bernhardus
Die Anstrengungen zur Verlegung der Wallfahrt blieben in der Region rund um den Bernhardus nicht unbemerkt. Mehrere Briefe an die Herrschaft enthielten scharfen Protest gegen das geplante Vorhaben. Doch sie konnten die Entwicklung letztendlich nicht aufhalten.

Die Verlegung der Wallfahrt vom Bernhardus nach Hohenrechberg 
Maximilian Emanuel von Rechberg erhielt die erforderliche Genehmigung zur Verlegung der Wallfahrt und konnte im Oktober 1806 die geplanten Veränderungen zugunsten der Pfarrei Hohenrechberg vollziehen lassen. Dem Hohenrechberger Pfarrer wurde damals aufgetragen, möglichst bei diesem Vorgang auf dem Bernhardus anwesend sein und sich eventuell einfindenden Menschen den Zweck dieser Übertragung erklären. In der Hohenrechberger Pfarrkirche sollte dann mit dem Einverständnis des Pfarrers die Statue des Heiligen auf einem Seitenaltar aufgestellt werden, und dieser dann künftig als St. Bernhardsaltar bezeichnet werden.

Gedenktafel von 1906. Sie erinnert an die Translation der Bernhardus-Wallfahrt vom Bernhardus nach Hohenrechberg - auf dem Bild zu sehen: die nach alten Plänen stilisierte barocke Wallfahrtskirche - © GvT

Der gesamte Vorgang wurde von einem bischöflichen Beauftragten überwacht. Anfang Oktober  (direkt nach dem 6. Oktober) nahm dieser die kleine wundertätige Statue des Heiligen Bernhard an sich und brachte sie anschließend in die Pfarrkirche nach Hohenrechberg. Dann kehrte er wieder auf den Bernhardus zurück und verschloss zusammen mit einem rechbergischen Beamten die Wallfahrtskapelle. Der bis dahin bei der Wallfahrt tätige Benifiziat sollte nach dem Willen des Maximilian Emanuel von Rechberg eine Pension und eine Wohnung in Weißenstein erhalten.



Das hier geschilderte Vorgehen zeigt, dass Rechberg zu demselben Mittel griff, die auch das Deutsche Reich in den Jahren 1802 und 1803 angewandte: Man hatte damals die Besitzungen der Kirche zugunsten des Staates eingezogen und die kirchlichen Würdenträger mit Pensionen abgefunden. Dieses Verfahren hatte nun auch Maximilian Emanuel von Rechberg angewandt - der große Unterschied dabei ist allerdings folgender: Während die Machthaber innerhalb des Deutschen Reiches das Kirchenvermögen und die Herrschaft über die kirchlichen Güter für sich selbst in Anspruch nahmen, übergab Maximilian Emanuel von Rechberg das Vermögen der Bernhardus-Wallfahrt wieder an die Kirche - hier: an die Pfarrei Hohenrechberg, um endgültig die in den 1790er Jahren aufgetretene Lücke in der Finanzierung dieser Pfarrei zu schließen.

Quellen und Literatur
GRFAD - einschlägige Quellen zur Wallfahrt auf dem Bernhardus
Gabriele von Trauchburg - Lauterstein. Der Kirchenführer, Lauterstein 2015
Gabriele von Trauchburg - Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg, Kirchenführer, Rechberg 2016  

Dienstag, 13. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 7: Das Benefiziaten-, das Mesner- und das Wirtshaus auf dem Bernhardus

© Gabriele von Trauchburg




Das Benefiziatenhaus von 1734 und seine Bewohner
Damit die Betreuung der Wallfahrer auf dem Bernhardus gesichtert war, wurde 1734 mit dem Bau des Benefiziatenhauses begonnen. Wiederum kamen die Materialien und die verarbeitenden Handwerker aus der Umgebung.
Der erste auf den Bernhardus verordnete Benefiziat (= ein durch eine Pfründe versorgter katholischer Kleriker) war noch nicht mit einer eigenen Ausstattung versehen. Dies bedeutet, dass er zunächst auf die Gaben der Pilger angewiesen war.
Offensichtlich entwickelte sich diese Konstellation mit der Zeit auf negative Weise, so dass sich Franz Xaver Leo von Rechberg-Weißenstein, der Neffe von Graf Gaudenz, dahingehend verpflichtet sah, diese Umstände zu verändern. Er stiftete daher eine eigene Versorgung für den Benefiziaten. Zuerst bestimmte Franz Xaver Leo, dass das Benefiziatenhaus nicht mehr im Eigentum des Hauses Rechberg, sondern dem der Wallfahrtskirche übergeben wurde. Der oder die Benefiziaten erhielten vierteljährlich 50 Gulden aus der herrschaftlichen Kasse von Weißenstein. Zusätzlich erhielten sie Getreide und Holz. Das Geld der Benefiziaten wurde aus Zinsen, die die Herrschaft Weißenstein an unterschiedlichen Stellen festverzinslich angelegt hatte, erwirtschaftet.
Zudem standen dem Benefiziaten die Gelder aus den zu lesenden Messen zu. Diese sollten von Georgi bis Michaelis um 8 und von Michaelis bis Georgi um 9 Uhr gelesen werden, damit die Wallfahrer die Chance zur Teilnahme an der Messe hatten. Zusätzlich waren für die Familie Rechberg wöchentlich 4 Messen zu lesen. Hinzu kamen drei Hauptfeste - St. Bernhardstag, pro Titulari und pro Dedicationis (= für Stifter).

Die Namen der Benefiziaten auf dem Bernhardus sind bekannt. Viele begannen hier ihre Karriere als Geistliche in den Rechbergischen Herrschaften. Ihre Hauptaufgabe, die Betreuung der Pilger, nahm sie stark in Anspruch. Vor allem in den Sommermonaten kamen viele Pilger auf den Berg. Es kam jedoch auch vor, dass die Benefiziaten zur Betreuung der herrschaftlichen Kinder herangezogen wurden. So ist überliefert, dass der Benefiziat Ignazius Schwarz im Spätherbst 1781 mit den Söhnen des Maximilian Emanuel von Rechberg ins französische Metz reisten und sie dort in einem Internat abgaben - und Jahre später wieder abholten. 

Das Mesnerhaus
Im Jahre 1793 wurde das Mesnerhaus auf dem Bernhardus errichtet. Die Pläne zeigen ein zweckmäßiges Haus mit Küche, Stube und Kammern für das Mesnerehepaar samt einem kleinen Stall. Die Mesner bereiteten den Gottesdienst vor und halfen stellenweise in der Liturgie. 
                   
Das Wirtshaus
Zur Versorgung der Wallfahrer entstand bereits 1729 ein Wirtshaus. Es gibt nur wenige Nachrichten darüber. Der Ellwanger Chorherr, Franz Joseph Baron von Reichlin-Meldegg, bat Gaudenz von Rechberg, seiner in Weißenstein lebende Nichte solange die Lizenz für eine Schenke auf dem Bernhardus zu erteilen, bis der Ruppertstetter Bauer ein eigenes Wirthaus bauen würde. Diese Schenke wollte die Nichte des Genannten gemeinsam mit ihrem Mann aus Holz zimmern. Tatsächlich entstand ein geplantes Wirtshaus, doch von Anfang an in Ruppertstetten. Davon existieren keine Pläne. Aus einem erhalten gebliebenen kleines Heft geht hervor, dass dort regelmäßig Wein eingelagert wurde.
Das Wirtshaus wurde im Jahre 1774 aufgegeben und schließlich 1785 verkauft. Zuvor hatte Max Emanuel von Rechberg, den man heute vor allem als Stifter der Nenninger Pietà kennt (Label: Pietà), den Wirt und seine Familie während der Hungersnot von 1770-1773 zu sich nach Donzdorf geholt und ihn dort als Tagelöhner im Donzdorfer Schlossgarten beschäftigt, weil er und seine Familie ansonsten Hungers gestorben wären.

Quellen und Literatur 
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskapelle auf dem Bernhardus




               

Dienstag, 6. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 6: Die Kirchweih und die Ausstattung der Wallfahrtskirche

© Gabriele von Trauchburg




Die Kirchweih am 21. Juni 1733 (dieses Jahr vor 285 Jahren) 
Am 21. Juni 1733 erfolgte die Weihe der neu errichteten Kirche. Zu Beginn der Bauarbeiten hatte der Stifter den Handwerkern den Arbeitsauftrag erteilt, diese Kirche auf das prächtigste auszuzieren. Anhand eines Berichts über die Weihefeierlichkeiten kann man bis heute sich Details über Aussehen der Kirche bildlich vorstellen.
 
Wenige Tage vor der Weihe war der Bischof von Uthina (= Titularbistum, zurückgehend auf eine Stadt südlich von Tunis) und Weihbischof von Konstanz, Johann Franz Anton Reichsfreiherr von Sirgenstein, nach Weißenstein gekommen. Graf Gaudenz hatte ihm einen 6spännigen Wagen entgegengeschickt, ließ sämtliche Glocken läuten und die sechs in Weißenstein vorhandenen Geschütze Salut donnern. Den ankommenden Bischof empfing der damalige Weißensteiner Pfarrer Steinmeyer mit einem kleinen lateinischen Gebet.
Der Weihbischof war im Hause Rechberg kein Unbekannter, hatte er doch schon die ganze Zeit das Projekt ‘Wallfahrt auf dem Bernhardus’ mit seinen Zustimmungen und Lizenzen begleitet.

Aus dem Augenzeugenbericht zur Weihe der neuen Wallfahrtskirche 
Am 21. Juni 1733 begab sich der Weihbischof zusammen mit sämtlichen anwesenden Klerikern, der Herrschaft - Graf Gaudenz und seine Ehefrau Gräfin Maria Adelheid - und ihren Gästen vom Weißensteiner Schloss zu der eineinhalb Stunden entfernten neuen Kirche. In der alten, noch vorhandenen Kapelle zogen die Geistlichen ihre zeremoniellen Gewänder an. Anschließend formierte sich die Prozession vor dem Hauptportal der neuen Kirche und trotzte dabei dem Regenwetter.
Das Hauptportal war - wie die alte Kapellentür - in grüner Farbe gestrichen. Im Bogen über der Tür war eine Inschrift in Gold, Silber und weiteren Farben angebracht. Unter der Schrift befand sich ein Bildnis des Heiligen Bernhard, umgeben von vielen Gebrechlichen und hilfesuchenden Menschen. Die grüne Kirchentür wurde begleitet von vier Säulen, über denen sich das Wappen der Stifter befand - das Rechberg- und Törring-Seefeld-Wappen. Eine weitere Inschrift fand man am Eingang zur Sakristei im Glockenturm.

Die gesamte Prozession betrat zügig unter Trompetenfanfaren die neue Kirche. Beim Einzug in die Kirche wurde das Kreuz vorangetragen, dann folgten zwei Akolythe mit brennenden Kerzen, dann zwei Choralisten und schließlich der gesamte Klerus und zum Schluss 6 auf spanische Art gekleidete Knaben mit Fackeln. 4 Priester trugen auf einem nach allen Regeln der Kunst verzierten ‘serculo’ das Gnadenbild des Bernhard  (= Translation des Gnadenbildes)

Überlegungen zum Augenzeugenbericht 
An dieser Stelle will ich die Schilderungen zur Weihe der Kirche kurz unterbrechen. Der Bericht des Augenzeugen ist von Bedeutung, weil hier die Überführung (Translation) der Bernhardsfigur aus der alten Kapelle in die neue Kirche beschrieben wird. Damit ist eine bis heute in der Kunstwissenschaft herrschende Frage - ob für die Kirche eine neue Bernhard-Figur geschaffen wurde - eindeutig geklärt. Die in der ehemaligen Wallfahrtskirche aufgestellte Figur war zuvor bereits in der alten Kapelle gestanden und war als Gnadenbild in die neue Wallfahrtskapelle überführt worden. Bis heute ist diese kleine wundertätige Figur erhalten geblieben und befindet sich jetzt in der Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg.
Heiliger Bernhard, vor 1690 - © GvT

Noch mehr Einzelheiten aus dem Augenzeugenbericht zur Weihe 
Außer dem Stifterpaar Graf Gaudenz und seiner Frau Gräfin Adelheid waren zahlreiche Gäste gekommen: Gräfin Maria Anna Fugger von Kirchheim geb. von Stein, die Herren Cajetan und Aloys Fugger von Kirchheim, Baron Bero von Rechberg-Osterberg - der Neffe und designierte Erbe von Graf Gaudenz, die aus der Nachbarschaft stammende Gräfin von Adelmann zu Hohenstatt samt ihren Kindern und dann Baron Reichlin zu Maisenburg aus dem Großen Lautertal mit Tochter und Sohn. Die adeligen Herrschaften wurden von den Beamten und Bediensteten begleitet. Nach den Ehrengästen drängte sich eine große Menge andächtigen Volks in die Kirche.
Während der Weihefeierlichkeiten assistierten dem Bischof die Geistlichen aus der Umgebung, so der Weißensteiner Pfarrer, sein Frühmesser, die Pfarrer von Ickingen, Bettringen, Weiler (i.d.B.), Treffelhausen, Winzingen und schließlich der Benefiziat vom Bernhardus und der Kaplan des Bischofs. Der Hochaltar wurde geweiht, nachdem das Gnadenbild seinen neuen Standort gefunden hatte. Wieder erklangen die Geschütze, begleitet wurden sie von Trompeten.
Soweit der Bericht des Augenzeugen. 

Weitere Ausstattung der Kirche
Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt ihrer Weihe noch nicht vollständig ausgestattet. Im Laufe der Zeit wurde die Innenausstattung der Bernharduskirche stetig ergänzt. Ein Inventar aus dem Jahre 1774 gibt hierzu einigen Aufschluss. So gab es eine große Monstranz sowie eine kleine silberne Monstranz mit einem Partikel des Heiligen Bernhard. Des weiteren war ein Ciborium (= Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien) vorhanden. Dazu gab es mehrere Kelche - darunter einen, der ein Geschenk des Prälaten von Kaisheim (altes Kloster nördlich von Donauwörth) gewesen war; einen anderen hatte der Prälat des Klosters Schönthal geschenkt. Außerdem gab es noch zwei von der ‘Heiligenfabrik’ angeschaffte Kelche.
Mit dem Geschenk des Kaisheimer Prälaten, Roger Friesl, hatte es eine besondere Bewandnis. Nach seiner überstandenen Krankheit war Prälat Friesl am 17. April zu seiner versprochene Wallfahrt gekommen. An seinem Ziel gab er ein reichliches Opfer - wohl jenen im Inventar von 1774 erwähnten Kelch.   
Es gab außerdem noch 5 Kruzifixe im Kirchenschatz. Eines war schwarz und mit Silber beschlagen, ein zweites war aus Messing hergestellt, zwei bestanden aus Holz, und das letzte war teilweise vergoldet. Dazu kamen 30 versilberte Leuchter. Die Ausstattung wurde zudem durch mehreren Messbüchern ergänzt. Des weiteren gab es einen Prozessionshimmel, Weihkessel, eine Kirchweihfahne und kleine Ausstattungsgegenstände, wie beispielsweise Blumenvasen. Ebenfalls zur Ausstattung gehörten mehrere Messgewänder und Zubehör, Altartücher und Auflagen.

Pilger und ihre Votivgaben
Die Nachrichten von den Wundern auf dem Bernhardus am Ende der 1720er Jahre hatten sich in rasender Geschwindigkeit verbreitet. Seither strömten immer mehr Pilger zur Kapelle, insbesondere zu den seit Dezember 1728 genehmigten Messen. Dann begannen umliegende Pfarreien, Prozessionen auf den Bernhardus zu unternehmen. Die jährliche Zahl der benötigten kleinen Hostien lag bei einigen Tausend. Besonders im Jahre 1774 kamen nach der überstanden mehrjährigen Hungersnot haufenweise Pilger auf den Berg.
In dem eben in jenem Jahr 1774 angelegten Inventar zur Wallfahrtkirche sind zahlreiche silberne Votivgaben vermerkt: eine Votivtafel, die nicht weiter beschrieben ist, sodann 6 Herzen, 5 Füße, 1 Kopfstück, 1 ganze Person, 4 Augen, 1 St. Johanneszunge und noch einiges mehr. Ebenfalls bei den Votivgaben ist die mit Gold und Silber verzierte Statue des General Gaudenz erwähnt.

Die Bernhardus-Bruderschaft 
Bei der Bernhardus-Kirche hatte sich auch eine Bruderschaft etabliert. Sie warb mit Bruderschaftszeichen, Bruderschaftsbildern und Bruderschaftszetteln für sich. Sie zelebrierte ihre Gemeinschaft an 4 Festtagen im Jahr - St. Johannes, St. Jakob, St. Bartholomä und St. Matthäus. Oftmals sahen Bruderschaften einen ihrer Hauptzwecke darin, sich auch um die wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen zu kümmern. Mit den Einnahmen aus der Bruderschaftskasse gewährten die Mitglieder Bedürftigen kleine Kredite zu einem festgelegten Prozentsatz. Auf diese Weise trugen Bruderschaften dazu bei, notwendige Investitionen zu ermöglichen oder kurze Durststrecken zu überbrücken. Als Kreditnehmer wurden sowohl Männer als auch Frauen berücksichtigt. 

Quellen und Literatur
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus, insbesondere der Bericht über die Weihe der neuen Wallfahrtkirche auf dem Bernhardus



Samstag, 3. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 5: Die Grundsteinlegung und die Bauarbeiten

© Gabriele von Trauchburg


Die Grundsteinlegung

Am 6. Mai 1730 wurde die Grundsteinlegung für die neue Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus vorgenommen. Diesem Ereignis wohnten der Bauherr Gaudenz v. Rechberg und seine Gemahlin Frau Maria Adelheim Gräfin von Rechberg, geb. Törring-Seefeld bei. Auch der Kurbayerische Baumeister Gunetzrhainer sowie der Kurbayerische Geometer Franz Anton Bauer waren zu diesem Fest auf den Bernhardus gereist.
In den Grundstein wurde eine Kapsel mit Reliquien, Schatzgeld und ein Bauplan der neuen Kirche eingemauert. Im Verlauf des Festes wurde ein Hochamt gefeiert, anschließend feuerten Geschütze Salut.
Als Beleg für diese Feierlichkeiten wurde ein Bericht angefertigt, den die anwesenden wichtigen Gäste unterzeichneten: es waren dies der Geislinger Dekan Johann Christoph Eichert, die Pfarrer Wilhelm Isidor von Stein (Weißenstein), Johann Jakob Vogelhund (Böhmenkirch), Johann Baptist Egon Ostertag (Treffelhausen), Joseph Anton Schmid (Reichenbach u. Rechberg) und Johann Baptist Seizer (Donzdorf); außerdem finden sich die Unterschriften von  Frühmessern, Kaplänen und weißensteinischen Beamten.

Die Grundsteinlegung blieb nicht das einzige Fest. Jeder sichtbare Baufortschritt, beispielsweise das Richtfest, sowie der Bernhardus-Tag wurden gebührend gefeiert, wie die erhaltenen Spesenrechnungen belegen.

Der Innenausbau der Kirche und die dort beschäftigten Handwerker

Der Innenausbau der Kirche begann im Frühjahr 1731. Sämtliche Einzelheiten des Baus und seiner Ausstattung lassen sich anhand der der schriftlichen Angebote samt den überlieferten Rechnungen erfassen.

Der Meister des Hochaltares: Nicht mehr eindeutig feststellbar ist, wer den Entwurf für den Altar anfertigte. Die Namen der ausführenden Handwerker sind hingegen überliefert. Die Schreinerarbeiten erledigte Johann Georg Schopp aus der Fuggerherrschaft Kirchberg/Iller. Für die Anfertigung des Altares veranschlagte Schopp einen Zeitraum von insgesamt 18 Wochen, in denen er und seine beiden Gesellen dieses Werk vollbringen wollten. Im Jahre 1732 erhielt er seine Bezahlung in Höhe von 170 Gulden.

Entwurf für den Hochaltar in der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus - © GvT

Man war mit seiner Arbeit offensichtlich zufrieden, denn er erhielt zusätzlich den Auftrag zur Anfertigung der beiden Nebenaltäre. Für diese wurden Schopp und seine Mitarbeiter mit weiteren 200 Gulden belohnt.

Die farbliche Fassung: Den Auftrag zur farblichen Ausgestaltung des Hochaltares erhielt der Altar durch Johann Jakob Kummer aus Eybach. Und damit begegnet uns wieder ein bereits bekannter Künstler, denn Kummer war bereits an der Dekoration der Weißensteiner Kirche beteiligt gewesen.
Seinen Kostenvoranschlag für den Choraltar stellte er im April 1731 vor. Die darin geschilderten Posten samt einer Entwurfszeichnung vom Altar lassen Rückschlüsse auf dessen Aussehen zu. Der Altar war aus Holz hergestellt. Dieses Holz wurde nun derartig farbig gefasst, dass es wie der schönste Marmor aussah und glänzte. Zusätzlich war er noch reichlich mit Gold verziert. - Und wieder erinnern wir uns an die Weißensteiner Kirche. Für die Arbeitszeit veranschlagte Meister Kummer insgesamt 12 Wochen, in denen er und seine beiden Gesellen ihre Arbeit erfolgreich abschließen wollten.
Zusätzlich übernahm Kummer die Vergoldung des Knopfes auf dem Turm. Außerdem gestaltete er den Tabernakel und die Nebenaltäre und die Antipendien. Jakob Kummer erhielt allein für die farbliche Fassung des Altares die beachtliche Summe von 266 Gulden.

Zur Innenausstattung wurde außerdem ein Degginger Bildhauer seit 1731 herangezogen. Erst in der Rechnung des folgenden Jahres erfährt man seinen Namen. Es handelte sich dabei um Jakob Schweizer, der für seine nicht näher aufgeschlüsselten Arbeiten insgesamt 36 Gulden erhielt. Jakob Schweizer ist derjenige Bildhauer, der ein paar Jahre später den Weißensteiner Altar anfertigte.

Die Kirchenstühle und den hölzernen Kirchenboden stellte der Schreiner Adam Schmölz her. Weitere Angaben zu ihm sind bisher nicht aufzufinden.

Am Ende hatte der Bau der neuen Kirche auf dem St. Bernhard die beachtliche Summe von 7836 Gulden verschlungen.


Quellen und Literatur

GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus
Gabriele von Trauchburg, Lauterstein - Kirchenführer, Lauterstein 2015

Donnerstag, 1. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 4: Der Architekt der Wallfahrtskirche und sein Baumeister


© Gabriele von Trauchburg





In Teil 3 dieser Reihe habe ich bereits darauf hingewiesen, dass der Initiator und Bauherr, Graf Gaudenz von Rechberg, zu seinen Lebzeiten ein in München hoch angesehener Mann gewesen war, der zur Elite am kurfürstlichen Hofe zählte. Von einer derartigen Persönlichkeit wurde erwartet, dass sie entsprechend ihrem hochrangigen gesellschaftlichen Status einen anerkannten Künstler mit Arbeiten beauftragten. Und Graf Gaudenz hatte diesen in Johann Baptist Gunetzrhainer gefunden.

Der Münchner Baumeister Johann Baptist Gunetzrhaimer

Der Name Gunetzrhainer ist in unserer Region völlig unbekannt - in Oberbayern hingegen beginnen die Augen von Kunstexperten zu leuchten, wenn sie ihn hören. Aus diesem Grunde möchte ich ihn hier kurz vorstellen.
Der 1692 geborene Johann Baptist Gunetzrhainer war Sohn des Münchner Stadtmaurermeisters Martin Gunetzrhainer und älterer Bruder des Baumeisters Ignaz Anton Gunetzrhainer. Seine Ausbildung schloss er 1709 am Jesuitengymnasium in München ab. Unter dem Star-Architekten seiner Zeit, Joseph Effner, war Johann Baptist Gunetzrhainer zunächst als „Bauingenieur“ tätig, insbesondere in den Schlössern Forstenried und Nymphenburg, außerdem arbeitete er an der kurfürstlichen Schwaige Schleißheim mit. Anschließend war er unter anderem in Augsburg, Mering, München, Deggendorf, Schärding, Tegernsee, Achleiten, am Kollegiatsstift Mattighofen - eben dem Ort im heutigen österreichischen Innviertel, den Gaudenz von Rechberg im Dienste der bayerischen Kurfürsten verwaltete, dann in Landshut, Regensburg, Waakirchen und Ruhpolding tätig. 1745 wurde Johann Baptist Gunetzrhainer zum Nachfolger Joseph Effners zum 1. Oberhofbaumeister in München ernannt.
Das baugestalterische Werk von Johann Baptist Gunetzrhainer wurde insbesondere von Giovanni Antonio Viscardi, dem seinerzeit führenden Architekten u.a. von Altötting, beeinflusst. Die Gunetzrhainer, allen voran Johann Baptist, prägten eine eigene bayerische Note in der europäischen Barockbaukunst, gekennzeichnet durch eine gewisse Leichtigkeit und Verspieltheit, was sie vom schweren Stil der italienischen und französischen Baumeister unterscheidet.
Aus dieser kurzen Lebensbeschreibung lässt sich etwas ganz deutlich ablesen. In der Forschung ist die Tatsache, dass Johann Baptist Gunetzrhainer die Pläne für die Kapelle auf dem Bernhardus entwarf, vollkommen unbekannt. Im Lautersteiner Kirchenführer von 1992 wurde zwar auf diese Fakten hingewiesen, aber die allgemeine Forschung hat diesen Hinweis bisher nicht weiter zur Kenntnis genommen.

Aufriss der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus, um 1730 - © GvT

Die Unterlagen im Gräflich Rechbergschen Familienarchiv belegen eindeutig, dass sich der Münchner Toparchitekt seiner Zeit mehrfach auf dem Bernhardusberg aufhielt, um sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Gunetzrhainer erhielt für den gelieferten Entwurf am 11. Oktober 1729 eine Entlohnung von 60 Gulden.  

Der Baumeister Christian Wiedemann

Der Baumeister, der die Planungen von Gunetzrhainer ausführen sollte, ist für die Weißensteiner inzwischen kein Unbekannter mehr. Es handelte sich um den in Elchingen wohnenden Christian Wiedemann, der die Weißensteiner Kirche barockisierte und die Degginger Wallfahrtskirche Ave Maria erbaute. Wiedemann gehörte also erneut in das Team der ausführenden Handwerker und Kunsthandwerker. Von 1729 bis 1733 ist er auf dem Bernhardus beschäftigt - eine ebenfalls bisher unbekannte Tatsache. Auf seine Anregung hin wurde ein fähiger Münchner Architekt - Johann Baptist Gunetzrhainer - gesucht, der v.a. die klimatischen Bedingungen beim Bau berücksichtigen sollte.
Wiedemann ließ sich seine Arbeit mit 300 Gulden entlohnen. Er war nicht allein auf den Berg gekommen. Auch sein Sohn war in die Arbeiten mit integriert. An 59 Tagen wohnten sie beim Gastwirt auf dem Bernhardus.

Am Baubeginn 

Am 17. Dezember 1729 waren alle Fragen zum Bauplatz gelöst. Baumeister Wiedemann war zusammen mit Weißensteiner Beamten auf den Bernhardus gekommen, um vor Ort Lösungen zu erarbeiten. Zunächst bestimmte man einen Bauplatz, der vor den schlimmsten Unwettern geschützt war. Dann wurden die Proportionen und die Form des künftigen Bauwerkes ausgehend vom vorliegenden Riss festgelegt. 
Die Baustelle wurde systematisch eingerichtet. Zunächst wurde das Gelände ausgesteckt: Die Kirche sollte eine Länge von 96 Pariser Schuh, eine lichte Höhe von 36 Pariser Schuh und eine Turmhöhe von 85 Pariser Schuh bekommen. Der gewöhnliche Schuh besitzt seine Länge zwischen 28 und 32 Zentimeter, der Pariser Schuh betrug 32,48394 Zentimeter. Diese Angabe erlaubt es, die Maße umzurechnen. Somit kommt man auf folgende Ausmaße der geplanten Wallfahrtskirche: Länge - 31 Meter, leider keine ersten Angaben zur Breite, Höhe - 10 Meter und Turmhöhe - 27,6 Meter.  
Anschließend wurden eine Hülbe gegraben, Lehm ab- und ein Kalkofen zuerst ausgegraben und dann errichtet. Das zum Bau notwendige Baumaterial wurde ab 1729 aus der näheren Umgebung auf den Bernhardusberg gebracht. Sämtliche umliegenden Bauern wurden in diese Arbeiten mit einbezogen und dafür entlohnt.
  • Die Steine wurden in Weißenstein und Treffelhausen gebrochen und dann zur Baustelle gebracht. Dort verarbeitete sie der Gmünder Steinmetz Johannes Fux. 
  • Der benötigte Sand kam von der Bargauer Steige. 
  • Die Latten und Bretter lieferte ein Mann namens Hilsenbeck aus Steinenbühl (b. Adelmannsfelden). 
  • Die Ziegel kamen aus Bartholomä, Großeislingen, Staufeneck und Unterwaldstetten. 
  • Wasser und Kalk wurden mit Karren zur Baustelle gebracht. 



Quellen und Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_Gunetzrhainer
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/s-z/Wiedemann_Christian.html - allerdings ohne Nennung seiner Tätigkeit bei Ave Maria (Deggingen) und der Stadtpfarrkirche Weißenstein.
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus


Mittwoch, 28. Februar 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus - Teil 3: Aufbau und Organisation einer Wallfahrt 


© Gabriele von Trauchburg


Man fragt sich unwillkürlich, weshalb der damalige Inhaber der Herrschaft Weißenstein, Graf Gaudenz von Rechberg, sich so sehr für die am Bernhardus geschehenen Wunder interessierte, dass er die Bereitschaft und das Engagement für die Errichtung einer Wallfahrt entwickelte. 

Die Herrschaft Weißenstein und die Anfänge der Wallfahrt

Machen wir jetzt einen Zeitsprung in das Jahr 1720. Der Spanische Erbfolgekrieg war seit fünf Jahren beendet. Die Bayern hatten zwar keine nennenswerten territoriale Verluste erlitten, doch die lange Kriegsführung hatte ihre wirtschaftlichen Spuren hinterlassen.
Warum erwähne ich Bayern - ganz einfach: die Mitglieder der Familie Rechberg gehörten als Hofbeamte in den höchsten Rängen zur Elite am Münchner Hof. Und hier tritt besonders Graf Gaudenz von Rechberg-Weißenstein (1664-1735) hervor. Gemäß den Familiengesetzen hatte er als Senior der Familie 1719 die rechbergischen Herrschaften Weißenstein und Kellmünz geerbt.
Graf Gaudenz von Rechberg-Weißenstein (1664-1735) war ein beeindruckender Herrschaftsinhaber gewesen. Am Ende seines Lebens konnte er auf eine steile Karriere zurückblicken. Er hatte seine Laufbahn als kurkölnischer und bayerischer Kammerherr begonnen, wurde dann in Bayern Geheimer Rath, Obersthofmarschall, Hofkriegsratspräsident (= Verteidigungsminister), General-Feldmarschall-Leutenant (= höchster ausführender Militärbefehlshaber), Kommandant sämtlicher kurbayerischen Truppen, Kommandant der Hauptstadt München und Pfleger (= Verwaltungschef) der Hofmarken Weilheim, Mattighofen und Wöhrt (b. Erding).
Verheiratet war er mit der 4 Jahre jüngeren Gräfin Maria Adelheid Ludovica (1668-1748). Sie stammte aus der hochadeligen, einflussreichen und begüterten Familie der Grafen von Toerring-Seefeld. Sie war die Tante der beiden wichtigsten bayerischen Minister in der Zeit des Kurfürsten Maximilian Emanuel. Das Paar hatte 9 Kinder.

Das Interesse des Grafen Gaudenz von Rechberg an den Wundern 

Sie haben gerade eben gelesen, welch beachtliche berufliche Karriere Graf Gaudenz am bayerischen Hof in München machen konnte. Auf die meisten seiner Zeitgenossen musste er wie ein beneidenswerter Mann wirken.
Und dennoch hatte ihn das Schicksal schwer getroffen. Er war der Vater von 9 Kindern. Sieben von ihnen starben im Zeitraum zwischen 1692 und 1708 jeweils im Alter zwischen 2 Monaten und 10 Jahren. Sein ältester Sohn starb 1715 vermutlich an einer Typhus- oder Cholerainfektion während seiner Kavalierstour in Paris. Seine jüngste Tochter starb 1721 im Alter von 21 Jahren im Kindbett. Alle Todesfälle hatten eines gemeinsam: Die  Kunst der Ärzte war damals noch nicht soweit entwickelt, dass sie hätte helfen können. Hilfe aus dem Glauben war die einzige Hoffnung - und der Heilige Bernhard bot nun genau diese Hilfe in der eigenen Herrschaft.

Wie organisiert man eine Wallfahrt - die Infrastruktur, der Einzugsbereich

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich Graf Gaudenz nach dem Bekanntwerden der Wundertätigkeit an der Kapelle auf dem Spitzkopf an das Bistum Konstanz mit der Bitte um die Genehmigung für das Abhalten von Gottesdiensten bei der Kapelle wandte.
Das Jahre 1727 gilt als der Beginn der Bernhardus-Wallfahrt. Die Genehmigung für Gottesdienste wurde am 24. Juli 1728 erteilt. Ab diesem Zeitpunkt konnten nun mit Zustimmung des Konstanzer Weihbischofs Sirgenstein Heilige Messen in der Kapelle an einem tragbaren Altar gefeiert werden. Doch damit gab sich der Herrschaftsinhaber noch nicht zufrieden. Graf Gaudenz konnte beobachten, wie immer mehr Menschen auf den Bernhardus zu den Gottesdiensten kamen - sogar im Winter!! - und von immer neuen Wundern berichtet wurde. So beschloss der Graf, eine Wallfahrtskirche auf dem Spitzkopf zu errichten. Doch dafür mussten zuerst mehrere Voraussetzungen gegeben sein. 

1. Die notwendigen Nachweise für die Wundertätigkeit
Die Diözese Konstanz verlangte schriftliche und bestätigte Nachweise für die auf dem Spitzkopf geschehenen Wunder. Diese waren mehreren Personen aus der katholischen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd widerfahren. Diese sollten nun im Zuge des Genehmigungsverfahrens befragt und die schriftlichen Ergebnisse nach Konstanz übermittelt werden.
Von vier Personen sind die Wunder im Detail überliefert. Ein junger Mann aus Schwäbisch Gmünd litt an einer schmerzhaften Entzündung in seinen stark angeschwollenen Genitalien. Bewusst pilgerte er auf den Bernhardus, um zu beten. Als dabei seine Schmerzen unerträglich geworden waren, konnte er nicht mehr widerstehen und kratzte sich an der Entzündung. Die Haut platzte auf, der Eiter floss ab und die Hautlappen konnten später Ärzten entfernt werden. Alle Zeitgenossen führten die Heilung der Entzündung auf die Hilfe des Heiligen Bernhard zurück. 
Ein weiterer Geheilter war ein Soldat, der zuvor in Ungarn gekämpft hatte. Die Verletzung, die er sich zugezogen hatte, stammte allerdings nicht aus einem heldenhaften Kampf, sondern er hat sie sich beim Stehlen von Kirschen zugezogen. Er war auf einen Baum geklettert, hatte einen besonders ertragreichen Ast mit dem Säbel abgeschlagen und beim Herunterklettern fiel dieser Mann vom Baum. Doch hatte er sich bei dieser Aktion nicht etwa einen Knochenbruch zugezogen, nein - er verlor seine Stimme. Er war fortan nicht mehr in der Lage zu sprechen. Er wurde aus dem Dienst entlassen und nach Hause geschickt. Über seine in der Region lebende Schwester hörte der Soldat von den Wundern auf dem Bernhardus, pilgerte hierher, betete und war fortan wieder in der Lage zu sprechen.
Der wohl prominenteste Geheilte war der Prälat des Klosters Kaisheim. Er musste starke Schmerzen in seinem Bein ertragen und stand Todesängste aus. In seiner Not gelobte er eine Wallfahrt zum Bernhardus für den Fall seiner Genesung. Und es ging dem Prälaten schlagartig besser. Die Schmerzen verschwanden fast vollständig. Als man sein krankes Bein mit einem Bildnis, das zuvor mit der Bernhardus-Figur in Berührung gekommen war, berührte, verschwanden die Schmerzen vollständig. Anfang April 1729 löste der Prälat sein Gelübde ein, kam auf den Bernhardus und machte eine großzügige Spende im Umfang von rund 250 Gulden.
Die genannten Fälle genügten zunächst jedoch noch nicht für die Begründung einer Wallfahrt. Aus diesem Grunde sollten weitere geheilte Personen befragt werden. Sie wohnten ebenfalls in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Man wandte sich an den Magistrat der Stadt, doch der machte dem Vorhaben zunächst einen Strich durch die Rechnung. Seine Mitglieder wollten die Angelegenheit einfach aussitzen, gehörte man doch nicht zur Diözese Konstanz (Bernhardusberg), sondern zu Augsburg.
Als am Ende des Jahre 1729 noch immer keine schriftlich fixierten Nachweise vorlagen, wandte sich Graf Gaudenz zu Beginn des Jahres 1730 an den Augsburger Generalvikar Freiherr von Vöhlin mit der Bitte um Amtshilfe . Dieser beauftragte eigens einen Geistlichen, der die Befragung vornahm und bis Mitte Januar 1730 abschloss. Nun lag der bischöflichen Genehmigung nichts mehr im Wege.

2. Der Fundations- oder Stiftungsbrief
Der Stiftungsbrief für die Wallfahrt auf dem Bernhardus ist in lateinischer Sprache verfasst. Darin sind Graf Gaudenz und seine Frau Adelheid als Stifter der Wallfahrt auf den Bernhardus genannt.
Sie begnügten sich nicht nur, als Stifter genannt zu werden, sondern finanzierten zum überwiegenden Teil das neue Kirchengebäude sowie einen Benefiziaten, der dort den Pilgern zur Verfügung stand.  

3. Die Finanzierung des Kirchenbaus 
Die Wunder vom Bernhardus hatten sich schnell in der Region herumgesprochen. Dehalb strömten die Menschen von allen Seiten auf den Berg, in der Hoffnung auf ein Wunder auch für sich. Sie opferten hohe Summen, die allesamt für den Kirchbau verwendet werden sollten - und die Einnahmen flossen in beachtlicher Höhe.
In den Jahren 1729 bis 1733 kamen insgesamt ca. 1500 Gulden an Spenden zusammen. Den Rest - ca. 6500 Gulden übernahmen Graf Gaudenz und Gräfin Maria Adelheid aus eigenen Mitteln.


Quellen und Literatur 

GRFAD - einschlägige Archivalien zur Wallfahrt auf den Bernhardus

 

Dienstag, 27. Februar 2018

Geschichte(n) der Stadt Donzdorf

© Dr. Gabriele von Trauchburg



Teil 4: Älteste Hinweise auf das Christentum in Donzdorf - Die Stiftung einer  Kirche und das Patronatsrecht 


Der Beschützer der Kirche - der Patronatsherr

Je stärker die Christianisierung nach der Machtübernahme durch die Franken im 6. Jahrhundert voranschritt, desto größer wurde die Notwendigkeit einer Organisation in Form einer Pfarrei mit eigener Kirche. Doch wer sollte und konnte einen derartigen Vorgang organisieren?
Archäologische und schriftliche Quellen geben Einblick in diese Materie. Die Organisatoren gehörten der Führungsschicht an. So kam ein Adeliger und seine Familie für diese Aufgabe ebenso in Frage, wie ein Abt oder ein Bischof.

Stiftung einer Kirche

Beabsichtigte ein Adeliger eine Kirche zu stiften, so oblag ihm auch die Baupflicht. Er wählte einen angemessenen Baugrund aus seinem persönlichen Eigentum aus und stellte dieses Gelände zur Verfügung. Mit seinen eigenen finanziellen Mitteln sorgte er für einen angemessenen Kirchenbau - oftmals zuerst aus Holz, später aus Stein - und dessen weiteren Unterhalt. Vielfach ließ sich eine Gründerfamilie in der Folgezeit in ihrer eigenen Kirche begraben.
Weil derartige Stiftungen aus persönlichem Eigentum erfolgten, befanden sich in der Frühzeit der Christianisierung viele Kirchen im persönlichen Eigentum von Adeligen - es entstand das sogenannte Eigenkirchenwesen.  
Der Stifter und seine Familie besaßen aufgrund ihrer Stiftung das Recht, einen Geistlichen in sein Amt einzusetzen und ihn auch wieder davon zu entbinden. Deshalb war es Aufgabe des Kirchenstifters, dass er die Versorgung seines Geistlichen absicherte. Im Gegenzug war es Aufgabe des Geistlichen, den Stifter und seine Familie in sein regelmäßiges Gebet einzuschließen sowie die Seelsorge für die Menschen vor Ort zu übernehmen.
Damit eine Pfarrei lebensfähig war, schenkten Stifter Güter an ihre Kirche, aus deren Erträge der Pfarrer seinen Unterhalt bestreiten konnte. Die einfachen Menschen entrichteten dafür den sogenannten Zehnt.

Der Schutz von Kirchen, Pfarreien und Geistlichen bei den Alamannen

Die Kirche als Institution unterstand von Anfang an dem besonderen Schutz von König und Herzögen. Diese Beobachtung trifft auch im Stammesherzogtum der Alamannen zu. Hier galten die Regelungen des Stammesgesetzes, der Lex Alamannorum.
Dieses ging ursprünglich aus dem zu Beginn des 7. Jahrhunderts entstandenen Pactus Alamannorum hervor. In dieser älteren Gesetzessammlung gibt es noch keine Regelungen zu möglichen Verbrechen an Kircheneigentum oder an der Geistlichkeit. Diese erscheinen erst in der wohl um 720 schriftlich fixierten Lex Alamannorum. Die die Kirche betreffenden Bestimmungen stehen an prominenter Stelle - nämlich gleich zu Beginn des Stammesgesetzes. Sie umfassen rund ein Drittel aller Gesetze und beschäftigen sich mit dem Status der Kirche und ihrem Schutz. Da sämtliche Vorschriften durch den Konsens zwischen dem schwäbischen Herzog Lantfried und dem Adel in seinem Herzogtum entstanden sind, darf man davon ausgehen, dass diese Gesetze allgemein gültig waren. Dies würde bedeuten, dass zu Beginn des 8. Jahrhundert das Christentum bereits weit verbreitet war.  

Archäologische Spuren in der Donzdorfer Kirche St. Martinus

Die gerade zusammengestellten allgemein gültigen Erkenntnisse über die Entwicklung der Kirche und des Patronatsrechts sollen nun anhand von Donzdorf überprüft werden.
Die Lage der Donzdorfer Kirche St. Martinus ist beeindruckend. Der Kirchenbau liegt am Rande einer Geländezunge, die ursprünglich von zwei Seiten her vom Simonsbach umflossen wurde. Auf diese Weise besaß die Donzdorfer Kirche auch aus militärischer Sicht eine bedeutende Position im Lautertal. Gemeinsam mit der üblichen Kirchhofmauer, die in Teilen noch heute existiert, bestand hier eine sogenannte Wehrkirchenanlage, die den Bewohnern des Dorfes sowie ihrem Vieh Schutz bot.

Ausschnitt aus dem Donzdorfer Katasterplan, um 1850 - der hellblau markierte Simonsbach umfließt den Kirchberg von Südosten her, formt ein markantes Knie beim Pfarrhaus und fließt weiter Richtung Südwest bis zur Mündung in die Lauter. © GvT
 
Postkarte von St. Martinus, Donzdorf, um 1900 - links das Pfarrhaus, im Vordergrund die Brücke über den Simonsbach, im Hintergrund die Treppe hinauf zum Kirchberg, rechts und links der Treppe sind Teile der alten Wehrmaueranlage erkennbar. © GvT



Die erste Donzdorfer Kirche wurde aus Holz errichtet. Diese Erkenntnis gewann man beim Einbau einer neuen Fußbodenheizung im Jahre 1987. Damals wurde im Langhaus beim Südportal in die Tiefe gegraben. Dabei eröffneten sich die zahlreichen archäologischen Schichten der Kirche.

Die unterschiedlichen archäologischen Schichten unter dem Fußboden der Donzdorfer Kirche St. Martinus - © GvT

Am Fuß der einzelnen Schichten stieß man auf eine kohlschwarze Schicht aus der Zeit des 8. Jahrhunderts. Diese markiert einen sogenannten Brandhorizont und führte zu der Erkenntnis, dass hier ursprünglich eine Holzkirche gestanden hatte. Nachdem diese erste Kirche einem Feuer zum Opfer gefallen war, wurde der zweite Bau bereits aus Stein gefertigt.   

Die Donzdorfer Patronatsherren im Laufe der Zeit

Die Namen der ersten Donzdorfer Patronatsherren wird man wohl nie erfahren. Die ersten konkreten Hinweise auf die Inhaber des Patronatsrechts findet man erst im 14. Jahrhundert. Im Jahre 1379 kauften die Herren von Rechberg den Grafen von Helfenstein die Herrschaft Scharfenberg samt Donzdorf und Unterweckerstell ab. Abgesehen von einem kurzen, 10jährigen Intervall (1735-1745) behielten die Rechberg bis 1806 sowohl die Dorfherrschaft wie auch das Patronatsrecht in ihrer Hand.
Danach verblieb den Grafen von Rechberg nur noch das Patronatsrecht, das jedoch im Laufe der letzten 200 Jahre eine ganze Reihe von Veränderungen, die jetzt hier nicht erörtert werden, erfuhr.  
Gerade die Tatsache, dass sowohl das Dorf- wie auch das Patronatsrecht über Jahrhunderte hinweg immer in ein- und derselben Hand verblieben, lässt die Vermutung aufkommen, dass dieser Zustand auch schon 1379 in dieser Konstellation bestanden hatte. Das würde bedeuten, dass unmittelbar vor den Herren von Rechberg bereits die Grafen von Helfenstein sowohl Dorfherrschaft und Patronatsrecht über die Herrschaft Scharfenberg innegehabt hatten.
Die Helfensteiner Grafen ihrerseits waren Erben der Grafen von Dillingen, die auf einer Länge zwischen Aalen und Ulm den Albtrauf beherrschten und in Weißenstein und Hürbelsbach definitiv als Herrschaftsträger nachgewiesen sind.

Quellen und Literatur

- Claus-Dieter Schott, Lex Alamannorum. Text - Übersetzung - Kommentar zum Faksimile aus das Wandelgarius-Handschrift Codex Sangallensis 731, Augsburg 1993
- Pankraz Fried u. Wolf-Dieter Sick (Hrsg.), Die historische Landschaft zwischen Lech und Vogesen. Forschungen und Fragen zur gesamtalemannischen Geschichte, Augsburg 1988
- Immo Eberl, Wolfgang Hartung u. Joachim Jahn (Hrsg.), Früh- und hochmittelalterlicher Adel in Schwaben und Bayern, Sigmaringendorf 1988

Mittwoch, 7. Februar 2018

Geschichte(n) der Stadt Donzdorf

© Dr. Gabriele von Trauchburg



Teil 3: Älteste Hinweise auf das Christentum in Donzdorf - Das Kirchenpatrozinium


Es sind nicht immer nur die schriftlichen Überlieferungen, die Erkenntnisse über die frühe, mittelalterliche Geschichte liefern. Gerade in diesem Zeitraum sind ganz andere Möglichkeiten gefragt. Mal sehen, was sie zutage fördern:

Das Patrozinium einer Kirche

Im Frühmittelalter, also in der Zeit, als unsere Region christianisiert wurde, stifteten viele Adelige eine Kirche und sorgten für ihren Unterhalt. Deshalb besaßen sie auch das Recht, den Kirchenpatron auszuwählen. Zu bestimmten Zeiten gab es besonders bevorzugte Heilige. Diese Beobachtung hilft dabei, so manche Kirchenstiftung historisch einzuordnen. Dies gilt beispielsweise für den heiligen Martin von Tours.

Der Heilige Martin von Tours  

Der Heilige Martin stammt aus Ungarn, wo er wohl um 316 n. Chr. als Sohn eines politischen Amtsträgers, eines Tribuns, im heutigen Szombathely in Ungarn geboren wurde. Seine Erziehung erhielt er in der Heimatstadt des Vaters, im etwa 30 Kilometer südlich von Mailand gelegenen Pavia. Im Alter von 15 Jahren schickte ihn sein Vater zu einer Reiterkompanie nach Gallien. Im französischen Poitiers taufte ihn der dortige Bischof Hilarius drei Jahre später.
Das Wunder, das den heiligen Martin so berühmt machte, geschah vor dem Jahr 356 am Stadttor von Amiens. Der Reiterhauptmann teilte seinen großen Mantel in zwei Teile und überließ eine Hälfte einem Bettler.
Als im Jahre 356 ein neuer Feldzug gegen die Germanen von Worms ausgehend geplant wurde, verließ der Heilige Martin das Militär und kehrte statt dessen zum Bischof von Poitiers zurück. Dieser schickte ihn zunächst als Missionar nach Ungarn, wo er sich jedoch nicht gegen den dort verbreiteten Arianismus durchsetzen konnte. Der heilige Martin kehrte deshalb nach Poitiers zurück.
371/72 wurde Martin auf Drängen des Volkes zum Bischof von Tours gewählt. In dieser Funktion erwies er sich als gerechter und treusorgender Kirchenmann. Er gründete das unweit von Tours gelegene Kloster Marmoutier, das sich zu einem bedeutenden religiösen Zentrum entwickelte. In seinem Bistum gründete er zudem zahlreiche Pfarreien und organisierte den Pfarreiklerus. Aufgrund seiner asketischen Lebensweise beeindruckte er zahlreiche Zeitgenossen, die ihrerseits seine Lebensweise übernahmen und religiöse Zentren gründeten. Der Heilige Martin starb wohl am 8. November 397 im heutigen Candes-Saint-Martin bei Tours in Frankreich.

St. Martin gibt dem Bettler seinen halben Mantel, Ausschnitt aus dem Deckengemälde von Joseph Wannenmacher in St. Martin Donzdorf - © GvT

* 316/317 (oder um 336) in Sabaria,
316/317 (oder um 336) in Sabaria, heute Szombathely in Ungarn
† 8. November 397 (?) in Candes, heute Candes-Saint-Martin bei Tours in Frankreich










Martin war der Sohn eines heidnischen römischen Tribuns. Er wurde in Pavia, der Heimatstadt des Vaters, christlich erzogen und im Alter von zehn Jahren in die Gruppe der Katechumenen - der Taufbewerber - aufgenommen. Mit 15 Jahren musste er auf Wunsch des Vaters in den Soldatendienst bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien eintreten. Im Alter von 18 Jahren wurde er von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers, getauft. 356 schied er nahe Worms vor einem neuen Feldzug gegen die Germanen aus dem Militär aus, weil Christsein und Militärdienst sich nicht vereinbaren lassen. Zuvor geschah nach der Legende, was Martin weltberühmt machte: Martin begegnete am Stadttor von Amiens als Soldat hoch zu Ross einem frierenden Bettler, ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels 1; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler geprüft hatte.

Der Heilige Martin als Staatsheiliger der Franken

Ausgehend von seiner Wirkungsstätte in Tours entwickelte sich eine große Verehrung von Bischof Martin. Im 6. Jahrhundert gab es bereits Martins-Kirchen in Rom und Italien. Der Martins-Kult wurde besonders von Benediktinern gefördert und verbreitet.
Zwei Könige taten das ihre, um die Verehrung des Heiligen Martin in ihren Herrschaftsgebieten  voranzubringen. Der Suebenkönig Chararich (550–559) trat zum Katholizismus über und ließ eine Martins-Kirche in Braga im heutigen Portugal errichten.
Der Frankenkönig Chlodwig I. (466-511) konvertierte nach der Schlacht gegen die Alamannen bei Zülpich 496 zum Christentum und erklärte den Heiligen Martin zum Schutzpatron über die fränkischen Könige und ihrer Herrschaft. Dieser Vorgang beinhaltete auch die Missionierung der heidnischen Bevölkerung in ihrem Herrschaftsbereich und die Grundlage für die Entwicklung hin zu einem christlichen Königreich der Franken.
Diese Politik wurde auch Chlodwigs Nachfolgern weiter verfolgt. Unter dem Karolinger Pippin dem Mittleren (635-714) wurde die Verehrung des Heiligen Martin weiter nach Friesland und in den rechtsrheinischen Raum getragen.

Alamannen kommen unter die Vorherrschaft der Franken zwischen 496 und 537

Bei den beiden Schlachten von Zülpich 496 und 506 wurde die Expansionspolitik der Alamannen in nördlicher Richtung von den Franken gestoppt, die ihrerseits damit begonnen hatten, unter der Führung der Merowinger und später der Karolinger ihr eigenes Königreich aufzubauen, das sich bis zum 9. Jahrhundert über weite Teile von West-, Mittel- und Südeuropa ausdehnte.
Die Niederlage der Alamannen bei der Schlacht von Zülpich im Jahre 496/97 bedeutete das Ende der alamannischen Autonomie. Um Schutz flehend wandten sie sich an den Ostgotenkönig Theoderich d. Gr. und wurden in großen Teilen in das ostgotische-italische Rätien auf- und gegen die Franken in Schutz genommen.
Diese alamannisch-italische Verbindung wurde 537 durch die byzantinischen Angriffe in Süditalien zerstört. Damit Ostgotenkönig Witigis sich militärisch gegen die byzantinischen Einfälle wehren konnte, sicherte er zunächst seine nördliche Grenze durch Verhandlungen mit den Franken ab. Als Gegenleistung für die Neutralität der Franken in diesem Konflikt überließ König Witigis dem Enkel von Chlodwig I., König Theudebert I., unter anderem Churrätien und das Protektorat über die Alamannen und andere benachbarte Stämme.
Das alamannische Gebiet umfasste damals neben Churrätien das gesamte Schweizer Alpenvorland bis zum Verlauf der Aare. Weiter verlief die Grenze nach der Aaremündung den Rhein hinab bis zum Rheinknie bei Basel, weiter zum Vogesenhauptkamm und an diesem entlang, dann durch die Rheinebene hindurch in Richtung des heutigen Heilbronn bis hinüber zum nördlichen Riesrand, von dort zur Donau und dann den Lech hinauf. Aufgrund des ostgotisch-fränkischen Vertrags von 537 kam das alamannische Gebiet bereits in der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts kampflos unter fränkischer Herrschaft. 

Die Bedeutung des Heiligen Martin von Tours für die Geschichtsschreibung


Der Wechsel aus dem Schutz der Ostgoten unter die Herrschaft der Franken hatte für die Alamannen weitreichende Folgen. Sie verloren ihre Souveränität, denn die Franken begannen damit, die neuen Gebiete in ihrem Sinne durchzuorganisieren.
Der bekannteste und bis heute offensichtlichste Weg der Franken, ihre neu gewonnenen Gebiete herrschaftlich zu durchdringen, war die Gründung einer Vielzahl von neuen Dörfern. Sie alle endeten auf die Silbe -heim. Diese Orte wurden nicht selten zu fränkischen Verwaltungszentren ausgebaut. Auch für den Landkreis Göppingen lässt sich diese fränkische Neuroganisation bis heute beobachten. Im Landkreis finden sich die beiden Orte Holz-heim und Türk-heim und in näherer Umgebung des Landkreises Kirchheim/Teck, Weilheim/Teck, Westerheim, Steinheim und Heidenheim.
Zusätzlich siedelten die Franken Angehörige anderer Völker des Frankenreichs im alamannischen Gebiet an, was sich bis heute in Ortsnamen wie beispielsweise Türkheim, Sachsenheim oder Frankenthal niederschlägt. Die ersten Bewohner von Geislingen-Türkheim stammten allerdings nicht aus der Türkei - die gab es damals noch gar nicht -, sondern aus Thüringen. Doch genügten diese wenigen Orte wirklich, um die Beherrschung eines neuen Gebietes zu sichern?
Es gab da noch eine weitere Methode zur Herrschaftssicherung. Man siedelte fränkische Familien im neuen Herrschaftsgebiet an. Das bekannteste, aber nicht einzige Beispiel für dieses Vorgehen sind die Welfen. Man darf deshalb durchaus die Vermutung äußern, dass auf dem in der Archäologie bekannten Herrschaftssitz auf dem Donzdorfer Waldenbühl eine Familie gesessen hatte, die Verbindungen zu den Franken besaß oder zumindest von diesen geduldet wurde.   
Und dann war da noch der Staatsheilige Martin von Tours. Mit dem Wechsel zum Christentum hatten sich die Frankenkönig verpflichtet, die Verbreitung des Christentums voranzutreiben. Als Zeichen ihrer Macht sorgten sie dabei für die Einführung des Christentums unter ihrem Kirchenpatron. Martins-Patrozinien gibt es im Landkreis Göppingen bis heute in Lauterstein-Nenningen, Donzdorf und Geislingen-Altenstadt, ursprünglich gab es noch ein St. Martin-Patrozinium bei der Göppinger Oberhofenkirche. Interessant ist dabei, dass alle vier Orte von strategisch wichtiger Bedeutung sind. 
Fasst man die hier gewonnenen Ergebnisse zusammen, so zeigt sich deutlich, dass sich die Übernahme der Herrschaft durch die Franken anhand von zwei Kriterien deutlich nachweisen lassen, zum einen anhand der beiden Ortsneugründungen, vor allem aber durch die vier Martins-Patrozinien in den bereits bestehenden alamannischen Orten Göppingen, Geislingen-Altenstadt, Nenningen und Donzdorf.
Mindestens in diesem Orten des Landkreises Göppingen wurde also nach 537 das Christentum eingeführt. Und diese Erkenntnis wird noch weiter durch die Donzdorfer Gürtelzungen mit Kreuzzeichen von der Mitte oder dem Ende des 7. Jahrhunderts gestützt (s. Geschichte(n) der Stadt Donzdorf - Teil 2). 

Quellen und Literatur

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_von_Tours.htm
Pankraz Fried u. Wolf-Dieter Sick (Hrsg.), Die historische Landschaft zwischen Lech und Vogesen. Forschungen und Fragen zur gesamtalemannischen Geschichte, Augsburg 1988





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