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Dienstag, 13. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 7: Das Benefiziaten-, das Mesner- und das Wirtshaus auf dem Bernhardus

© Gabriele von Trauchburg




Das Benefiziatenhaus von 1734 und seine Bewohner
Damit die Betreuung der Wallfahrer auf dem Bernhardus gesichtert war, wurde 1734 mit dem Bau des Benefiziatenhauses begonnen. Wiederum kamen die Materialien und die verarbeitenden Handwerker aus der Umgebung.
Der erste auf den Bernhardus verordnete Benefiziat (= ein durch eine Pfründe versorgter katholischer Kleriker) war noch nicht mit einer eigenen Ausstattung versehen. Dies bedeutet, dass er zunächst auf die Gaben der Pilger angewiesen war.
Offensichtlich entwickelte sich diese Konstellation mit der Zeit auf negative Weise, so dass sich Franz Xaver Leo von Rechberg-Weißenstein, der Neffe von Graf Gaudenz, dahingehend verpflichtet sah, diese Umstände zu verändern. Er stiftete daher eine eigene Versorgung für den Benefiziaten. Zuerst bestimmte Franz Xaver Leo, dass das Benefiziatenhaus nicht mehr im Eigentum des Hauses Rechberg, sondern dem der Wallfahrtskirche übergeben wurde. Der oder die Benefiziaten erhielten vierteljährlich 50 Gulden aus der herrschaftlichen Kasse von Weißenstein. Zusätzlich erhielten sie Getreide und Holz. Das Geld der Benefiziaten wurde aus Zinsen, die die Herrschaft Weißenstein an unterschiedlichen Stellen festverzinslich angelegt hatte, erwirtschaftet.
Zudem standen dem Benefiziaten die Gelder aus den zu lesenden Messen zu. Diese sollten von Georgi bis Michaelis um 8 und von Michaelis bis Georgi um 9 Uhr gelesen werden, damit die Wallfahrer die Chance zur Teilnahme an der Messe hatten. Zusätzlich waren für die Familie Rechberg wöchentlich 4 Messen zu lesen. Hinzu kamen drei Hauptfeste - St. Bernhardstag, pro Titulari und pro Dedicationis (= für Stifter).

Die Namen der Benefiziaten auf dem Bernhardus sind bekannt. Viele begannen hier ihre Karriere als Geistliche in den Rechbergischen Herrschaften. Ihre Hauptaufgabe, die Betreuung der Pilger, nahm sie stark in Anspruch. Vor allem in den Sommermonaten kamen viele Pilger auf den Berg. Es kam jedoch auch vor, dass die Benefiziaten zur Betreuung der herrschaftlichen Kinder herangezogen wurden. So ist überliefert, dass der Benefiziat Ignazius Schwarz im Spätherbst 1781 mit den Söhnen des Maximilian Emanuel von Rechberg ins französische Metz reisten und sie dort in einem Internat abgaben - und Jahre später wieder abholten. 

Das Mesnerhaus
Im Jahre 1793 wurde das Mesnerhaus auf dem Bernhardus errichtet. Die Pläne zeigen ein zweckmäßiges Haus mit Küche, Stube und Kammern für das Mesnerehepaar samt einem kleinen Stall. Die Mesner bereiteten den Gottesdienst vor und halfen stellenweise in der Liturgie. 
                   
Das Wirtshaus
Zur Versorgung der Wallfahrer entstand bereits 1729 ein Wirtshaus. Es gibt nur wenige Nachrichten darüber. Der Ellwanger Chorherr, Franz Joseph Baron von Reichlin-Meldegg, bat Gaudenz von Rechberg, seiner in Weißenstein lebende Nichte solange die Lizenz für eine Schenke auf dem Bernhardus zu erteilen, bis der Ruppertstetter Bauer ein eigenes Wirthaus bauen würde. Diese Schenke wollte die Nichte des Genannten gemeinsam mit ihrem Mann aus Holz zimmern. Tatsächlich entstand ein geplantes Wirtshaus, doch von Anfang an in Ruppertstetten. Davon existieren keine Pläne. Aus einem erhalten gebliebenen kleines Heft geht hervor, dass dort regelmäßig Wein eingelagert wurde.
Das Wirtshaus wurde im Jahre 1774 aufgegeben und schließlich 1785 verkauft. Zuvor hatte Max Emanuel von Rechberg, den man heute vor allem als Stifter der Nenninger Pietà kennt (Label: Pietà), den Wirt und seine Familie während der Hungersnot von 1770-1773 zu sich nach Donzdorf geholt und ihn dort als Tagelöhner im Donzdorfer Schlossgarten beschäftigt, weil er und seine Familie ansonsten Hungers gestorben wären.

Quellen und Literatur 
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskapelle auf dem Bernhardus




               

Dienstag, 6. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 6: Die Kirchweih und die Ausstattung der Wallfahrtskirche

© Gabriele von Trauchburg




Die Kirchweih am 21. Juni 1733 (dieses Jahr vor 285 Jahren) 
Am 21. Juni 1733 erfolgte die Weihe der neu errichteten Kirche. Zu Beginn der Bauarbeiten hatte der Stifter den Handwerkern den Arbeitsauftrag erteilt, diese Kirche auf das prächtigste auszuzieren. Anhand eines Berichts über die Weihefeierlichkeiten kann man bis heute sich Details über Aussehen der Kirche bildlich vorstellen.
 
Wenige Tage vor der Weihe war der Bischof von Uthina (= Titularbistum, zurückgehend auf eine Stadt südlich von Tunis) und Weihbischof von Konstanz, Johann Franz Anton Reichsfreiherr von Sirgenstein, nach Weißenstein gekommen. Graf Gaudenz hatte ihm einen 6spännigen Wagen entgegengeschickt, ließ sämtliche Glocken läuten und die sechs in Weißenstein vorhandenen Geschütze Salut donnern. Den ankommenden Bischof empfing der damalige Weißensteiner Pfarrer Steinmeyer mit einem kleinen lateinischen Gebet.
Der Weihbischof war im Hause Rechberg kein Unbekannter, hatte er doch schon die ganze Zeit das Projekt ‘Wallfahrt auf dem Bernhardus’ mit seinen Zustimmungen und Lizenzen begleitet.

Aus dem Augenzeugenbericht zur Weihe der neuen Wallfahrtskirche 
Am 21. Juni 1733 begab sich der Weihbischof zusammen mit sämtlichen anwesenden Klerikern, der Herrschaft - Graf Gaudenz und seine Ehefrau Gräfin Maria Adelheid - und ihren Gästen vom Weißensteiner Schloss zu der eineinhalb Stunden entfernten neuen Kirche. In der alten, noch vorhandenen Kapelle zogen die Geistlichen ihre zeremoniellen Gewänder an. Anschließend formierte sich die Prozession vor dem Hauptportal der neuen Kirche und trotzte dabei dem Regenwetter.
Das Hauptportal war - wie die alte Kapellentür - in grüner Farbe gestrichen. Im Bogen über der Tür war eine Inschrift in Gold, Silber und weiteren Farben angebracht. Unter der Schrift befand sich ein Bildnis des Heiligen Bernhard, umgeben von vielen Gebrechlichen und hilfesuchenden Menschen. Die grüne Kirchentür wurde begleitet von vier Säulen, über denen sich das Wappen der Stifter befand - das Rechberg- und Törring-Seefeld-Wappen. Eine weitere Inschrift fand man am Eingang zur Sakristei im Glockenturm.

Die gesamte Prozession betrat zügig unter Trompetenfanfaren die neue Kirche. Beim Einzug in die Kirche wurde das Kreuz vorangetragen, dann folgten zwei Akolythe mit brennenden Kerzen, dann zwei Choralisten und schließlich der gesamte Klerus und zum Schluss 6 auf spanische Art gekleidete Knaben mit Fackeln. 4 Priester trugen auf einem nach allen Regeln der Kunst verzierten ‘serculo’ das Gnadenbild des Bernhard  (= Translation des Gnadenbildes)

Überlegungen zum Augenzeugenbericht 
An dieser Stelle will ich die Schilderungen zur Weihe der Kirche kurz unterbrechen. Der Bericht des Augenzeugen ist von Bedeutung, weil hier die Überführung (Translation) der Bernhardsfigur aus der alten Kapelle in die neue Kirche beschrieben wird. Damit ist eine bis heute in der Kunstwissenschaft herrschende Frage - ob für die Kirche eine neue Bernhard-Figur geschaffen wurde - eindeutig geklärt. Die in der ehemaligen Wallfahrtskirche aufgestellte Figur war zuvor bereits in der alten Kapelle gestanden und war als Gnadenbild in die neue Wallfahrtskapelle überführt worden. Bis heute ist diese kleine wundertätige Figur erhalten geblieben und befindet sich jetzt in der Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg.
Heiliger Bernhard, vor 1690 - © GvT

Noch mehr Einzelheiten aus dem Augenzeugenbericht zur Weihe 
Außer dem Stifterpaar Graf Gaudenz und seiner Frau Gräfin Adelheid waren zahlreiche Gäste gekommen: Gräfin Maria Anna Fugger von Kirchheim geb. von Stein, die Herren Cajetan und Aloys Fugger von Kirchheim, Baron Bero von Rechberg-Osterberg - der Neffe und designierte Erbe von Graf Gaudenz, die aus der Nachbarschaft stammende Gräfin von Adelmann zu Hohenstatt samt ihren Kindern und dann Baron Reichlin zu Maisenburg aus dem Großen Lautertal mit Tochter und Sohn. Die adeligen Herrschaften wurden von den Beamten und Bediensteten begleitet. Nach den Ehrengästen drängte sich eine große Menge andächtigen Volks in die Kirche.
Während der Weihefeierlichkeiten assistierten dem Bischof die Geistlichen aus der Umgebung, so der Weißensteiner Pfarrer, sein Frühmesser, die Pfarrer von Ickingen, Bettringen, Weiler (i.d.B.), Treffelhausen, Winzingen und schließlich der Benefiziat vom Bernhardus und der Kaplan des Bischofs. Der Hochaltar wurde geweiht, nachdem das Gnadenbild seinen neuen Standort gefunden hatte. Wieder erklangen die Geschütze, begleitet wurden sie von Trompeten.
Soweit der Bericht des Augenzeugen. 

Weitere Ausstattung der Kirche
Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt ihrer Weihe noch nicht vollständig ausgestattet. Im Laufe der Zeit wurde die Innenausstattung der Bernharduskirche stetig ergänzt. Ein Inventar aus dem Jahre 1774 gibt hierzu einigen Aufschluss. So gab es eine große Monstranz sowie eine kleine silberne Monstranz mit einem Partikel des Heiligen Bernhard. Des weiteren war ein Ciborium (= Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien) vorhanden. Dazu gab es mehrere Kelche - darunter einen, der ein Geschenk des Prälaten von Kaisheim (altes Kloster nördlich von Donauwörth) gewesen war; einen anderen hatte der Prälat des Klosters Schönthal geschenkt. Außerdem gab es noch zwei von der ‘Heiligenfabrik’ angeschaffte Kelche.
Mit dem Geschenk des Kaisheimer Prälaten, Roger Friesl, hatte es eine besondere Bewandnis. Nach seiner überstandenen Krankheit war Prälat Friesl am 17. April zu seiner versprochene Wallfahrt gekommen. An seinem Ziel gab er ein reichliches Opfer - wohl jenen im Inventar von 1774 erwähnten Kelch.   
Es gab außerdem noch 5 Kruzifixe im Kirchenschatz. Eines war schwarz und mit Silber beschlagen, ein zweites war aus Messing hergestellt, zwei bestanden aus Holz, und das letzte war teilweise vergoldet. Dazu kamen 30 versilberte Leuchter. Die Ausstattung wurde zudem durch mehreren Messbüchern ergänzt. Des weiteren gab es einen Prozessionshimmel, Weihkessel, eine Kirchweihfahne und kleine Ausstattungsgegenstände, wie beispielsweise Blumenvasen. Ebenfalls zur Ausstattung gehörten mehrere Messgewänder und Zubehör, Altartücher und Auflagen.

Pilger und ihre Votivgaben
Die Nachrichten von den Wundern auf dem Bernhardus am Ende der 1720er Jahre hatten sich in rasender Geschwindigkeit verbreitet. Seither strömten immer mehr Pilger zur Kapelle, insbesondere zu den seit Dezember 1728 genehmigten Messen. Dann begannen umliegende Pfarreien, Prozessionen auf den Bernhardus zu unternehmen. Die jährliche Zahl der benötigten kleinen Hostien lag bei einigen Tausend. Besonders im Jahre 1774 kamen nach der überstanden mehrjährigen Hungersnot haufenweise Pilger auf den Berg.
In dem eben in jenem Jahr 1774 angelegten Inventar zur Wallfahrtkirche sind zahlreiche silberne Votivgaben vermerkt: eine Votivtafel, die nicht weiter beschrieben ist, sodann 6 Herzen, 5 Füße, 1 Kopfstück, 1 ganze Person, 4 Augen, 1 St. Johanneszunge und noch einiges mehr. Ebenfalls bei den Votivgaben ist die mit Gold und Silber verzierte Statue des General Gaudenz erwähnt.

Die Bernhardus-Bruderschaft 
Bei der Bernhardus-Kirche hatte sich auch eine Bruderschaft etabliert. Sie warb mit Bruderschaftszeichen, Bruderschaftsbildern und Bruderschaftszetteln für sich. Sie zelebrierte ihre Gemeinschaft an 4 Festtagen im Jahr - St. Johannes, St. Jakob, St. Bartholomä und St. Matthäus. Oftmals sahen Bruderschaften einen ihrer Hauptzwecke darin, sich auch um die wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen zu kümmern. Mit den Einnahmen aus der Bruderschaftskasse gewährten die Mitglieder Bedürftigen kleine Kredite zu einem festgelegten Prozentsatz. Auf diese Weise trugen Bruderschaften dazu bei, notwendige Investitionen zu ermöglichen oder kurze Durststrecken zu überbrücken. Als Kreditnehmer wurden sowohl Männer als auch Frauen berücksichtigt. 

Quellen und Literatur
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus, insbesondere der Bericht über die Weihe der neuen Wallfahrtkirche auf dem Bernhardus



Samstag, 3. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 5: Die Grundsteinlegung und die Bauarbeiten

© Gabriele von Trauchburg


Die Grundsteinlegung

Am 6. Mai 1730 wurde die Grundsteinlegung für die neue Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus vorgenommen. Diesem Ereignis wohnten der Bauherr Gaudenz v. Rechberg und seine Gemahlin Frau Maria Adelheim Gräfin von Rechberg, geb. Törring-Seefeld bei. Auch der Kurbayerische Baumeister Gunetzrhainer sowie der Kurbayerische Geometer Franz Anton Bauer waren zu diesem Fest auf den Bernhardus gereist.
In den Grundstein wurde eine Kapsel mit Reliquien, Schatzgeld und ein Bauplan der neuen Kirche eingemauert. Im Verlauf des Festes wurde ein Hochamt gefeiert, anschließend feuerten Geschütze Salut.
Als Beleg für diese Feierlichkeiten wurde ein Bericht angefertigt, den die anwesenden wichtigen Gäste unterzeichneten: es waren dies der Geislinger Dekan Johann Christoph Eichert, die Pfarrer Wilhelm Isidor von Stein (Weißenstein), Johann Jakob Vogelhund (Böhmenkirch), Johann Baptist Egon Ostertag (Treffelhausen), Joseph Anton Schmid (Reichenbach u. Rechberg) und Johann Baptist Seizer (Donzdorf); außerdem finden sich die Unterschriften von  Frühmessern, Kaplänen und weißensteinischen Beamten.

Die Grundsteinlegung blieb nicht das einzige Fest. Jeder sichtbare Baufortschritt, beispielsweise das Richtfest, sowie der Bernhardus-Tag wurden gebührend gefeiert, wie die erhaltenen Spesenrechnungen belegen.

Der Innenausbau der Kirche und die dort beschäftigten Handwerker

Der Innenausbau der Kirche begann im Frühjahr 1731. Sämtliche Einzelheiten des Baus und seiner Ausstattung lassen sich anhand der der schriftlichen Angebote samt den überlieferten Rechnungen erfassen.

Der Meister des Hochaltares: Nicht mehr eindeutig feststellbar ist, wer den Entwurf für den Altar anfertigte. Die Namen der ausführenden Handwerker sind hingegen überliefert. Die Schreinerarbeiten erledigte Johann Georg Schopp aus der Fuggerherrschaft Kirchberg/Iller. Für die Anfertigung des Altares veranschlagte Schopp einen Zeitraum von insgesamt 18 Wochen, in denen er und seine beiden Gesellen dieses Werk vollbringen wollten. Im Jahre 1732 erhielt er seine Bezahlung in Höhe von 170 Gulden.

Entwurf für den Hochaltar in der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus - © GvT

Man war mit seiner Arbeit offensichtlich zufrieden, denn er erhielt zusätzlich den Auftrag zur Anfertigung der beiden Nebenaltäre. Für diese wurden Schopp und seine Mitarbeiter mit weiteren 200 Gulden belohnt.

Die farbliche Fassung: Den Auftrag zur farblichen Ausgestaltung des Hochaltares erhielt der Altar durch Johann Jakob Kummer aus Eybach. Und damit begegnet uns wieder ein bereits bekannter Künstler, denn Kummer war bereits an der Dekoration der Weißensteiner Kirche beteiligt gewesen.
Seinen Kostenvoranschlag für den Choraltar stellte er im April 1731 vor. Die darin geschilderten Posten samt einer Entwurfszeichnung vom Altar lassen Rückschlüsse auf dessen Aussehen zu. Der Altar war aus Holz hergestellt. Dieses Holz wurde nun derartig farbig gefasst, dass es wie der schönste Marmor aussah und glänzte. Zusätzlich war er noch reichlich mit Gold verziert. - Und wieder erinnern wir uns an die Weißensteiner Kirche. Für die Arbeitszeit veranschlagte Meister Kummer insgesamt 12 Wochen, in denen er und seine beiden Gesellen ihre Arbeit erfolgreich abschließen wollten.
Zusätzlich übernahm Kummer die Vergoldung des Knopfes auf dem Turm. Außerdem gestaltete er den Tabernakel und die Nebenaltäre und die Antipendien. Jakob Kummer erhielt allein für die farbliche Fassung des Altares die beachtliche Summe von 266 Gulden.

Zur Innenausstattung wurde außerdem ein Degginger Bildhauer seit 1731 herangezogen. Erst in der Rechnung des folgenden Jahres erfährt man seinen Namen. Es handelte sich dabei um Jakob Schweizer, der für seine nicht näher aufgeschlüsselten Arbeiten insgesamt 36 Gulden erhielt. Jakob Schweizer ist derjenige Bildhauer, der ein paar Jahre später den Weißensteiner Altar anfertigte.

Die Kirchenstühle und den hölzernen Kirchenboden stellte der Schreiner Adam Schmölz her. Weitere Angaben zu ihm sind bisher nicht aufzufinden.

Am Ende hatte der Bau der neuen Kirche auf dem St. Bernhard die beachtliche Summe von 7836 Gulden verschlungen.


Quellen und Literatur

GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus
Gabriele von Trauchburg, Lauterstein - Kirchenführer, Lauterstein 2015

Donnerstag, 1. März 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus 

Teil 4: Der Architekt der Wallfahrtskirche und sein Baumeister


© Gabriele von Trauchburg





In Teil 3 dieser Reihe habe ich bereits darauf hingewiesen, dass der Initiator und Bauherr, Graf Gaudenz von Rechberg, zu seinen Lebzeiten ein in München hoch angesehener Mann gewesen war, der zur Elite am kurfürstlichen Hofe zählte. Von einer derartigen Persönlichkeit wurde erwartet, dass sie entsprechend ihrem hochrangigen gesellschaftlichen Status einen anerkannten Künstler mit Arbeiten beauftragten. Und Graf Gaudenz hatte diesen in Johann Baptist Gunetzrhainer gefunden.

Der Münchner Baumeister Johann Baptist Gunetzrhaimer

Der Name Gunetzrhainer ist in unserer Region völlig unbekannt - in Oberbayern hingegen beginnen die Augen von Kunstexperten zu leuchten, wenn sie ihn hören. Aus diesem Grunde möchte ich ihn hier kurz vorstellen.
Der 1692 geborene Johann Baptist Gunetzrhainer war Sohn des Münchner Stadtmaurermeisters Martin Gunetzrhainer und älterer Bruder des Baumeisters Ignaz Anton Gunetzrhainer. Seine Ausbildung schloss er 1709 am Jesuitengymnasium in München ab. Unter dem Star-Architekten seiner Zeit, Joseph Effner, war Johann Baptist Gunetzrhainer zunächst als „Bauingenieur“ tätig, insbesondere in den Schlössern Forstenried und Nymphenburg, außerdem arbeitete er an der kurfürstlichen Schwaige Schleißheim mit. Anschließend war er unter anderem in Augsburg, Mering, München, Deggendorf, Schärding, Tegernsee, Achleiten, am Kollegiatsstift Mattighofen - eben dem Ort im heutigen österreichischen Innviertel, den Gaudenz von Rechberg im Dienste der bayerischen Kurfürsten verwaltete, dann in Landshut, Regensburg, Waakirchen und Ruhpolding tätig. 1745 wurde Johann Baptist Gunetzrhainer zum Nachfolger Joseph Effners zum 1. Oberhofbaumeister in München ernannt.
Das baugestalterische Werk von Johann Baptist Gunetzrhainer wurde insbesondere von Giovanni Antonio Viscardi, dem seinerzeit führenden Architekten u.a. von Altötting, beeinflusst. Die Gunetzrhainer, allen voran Johann Baptist, prägten eine eigene bayerische Note in der europäischen Barockbaukunst, gekennzeichnet durch eine gewisse Leichtigkeit und Verspieltheit, was sie vom schweren Stil der italienischen und französischen Baumeister unterscheidet.
Aus dieser kurzen Lebensbeschreibung lässt sich etwas ganz deutlich ablesen. In der Forschung ist die Tatsache, dass Johann Baptist Gunetzrhainer die Pläne für die Kapelle auf dem Bernhardus entwarf, vollkommen unbekannt. Im Lautersteiner Kirchenführer von 1992 wurde zwar auf diese Fakten hingewiesen, aber die allgemeine Forschung hat diesen Hinweis bisher nicht weiter zur Kenntnis genommen.

Aufriss der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus, um 1730 - © GvT

Die Unterlagen im Gräflich Rechbergschen Familienarchiv belegen eindeutig, dass sich der Münchner Toparchitekt seiner Zeit mehrfach auf dem Bernhardusberg aufhielt, um sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Gunetzrhainer erhielt für den gelieferten Entwurf am 11. Oktober 1729 eine Entlohnung von 60 Gulden.  

Der Baumeister Christian Wiedemann

Der Baumeister, der die Planungen von Gunetzrhainer ausführen sollte, ist für die Weißensteiner inzwischen kein Unbekannter mehr. Es handelte sich um den in Elchingen wohnenden Christian Wiedemann, der die Weißensteiner Kirche barockisierte und die Degginger Wallfahrtskirche Ave Maria erbaute. Wiedemann gehörte also erneut in das Team der ausführenden Handwerker und Kunsthandwerker. Von 1729 bis 1733 ist er auf dem Bernhardus beschäftigt - eine ebenfalls bisher unbekannte Tatsache. Auf seine Anregung hin wurde ein fähiger Münchner Architekt - Johann Baptist Gunetzrhainer - gesucht, der v.a. die klimatischen Bedingungen beim Bau berücksichtigen sollte.
Wiedemann ließ sich seine Arbeit mit 300 Gulden entlohnen. Er war nicht allein auf den Berg gekommen. Auch sein Sohn war in die Arbeiten mit integriert. An 59 Tagen wohnten sie beim Gastwirt auf dem Bernhardus.

Am Baubeginn 

Am 17. Dezember 1729 waren alle Fragen zum Bauplatz gelöst. Baumeister Wiedemann war zusammen mit Weißensteiner Beamten auf den Bernhardus gekommen, um vor Ort Lösungen zu erarbeiten. Zunächst bestimmte man einen Bauplatz, der vor den schlimmsten Unwettern geschützt war. Dann wurden die Proportionen und die Form des künftigen Bauwerkes ausgehend vom vorliegenden Riss festgelegt. 
Die Baustelle wurde systematisch eingerichtet. Zunächst wurde das Gelände ausgesteckt: Die Kirche sollte eine Länge von 96 Pariser Schuh, eine lichte Höhe von 36 Pariser Schuh und eine Turmhöhe von 85 Pariser Schuh bekommen. Der gewöhnliche Schuh besitzt seine Länge zwischen 28 und 32 Zentimeter, der Pariser Schuh betrug 32,48394 Zentimeter. Diese Angabe erlaubt es, die Maße umzurechnen. Somit kommt man auf folgende Ausmaße der geplanten Wallfahrtskirche: Länge - 31 Meter, leider keine ersten Angaben zur Breite, Höhe - 10 Meter und Turmhöhe - 27,6 Meter.  
Anschließend wurden eine Hülbe gegraben, Lehm ab- und ein Kalkofen zuerst ausgegraben und dann errichtet. Das zum Bau notwendige Baumaterial wurde ab 1729 aus der näheren Umgebung auf den Bernhardusberg gebracht. Sämtliche umliegenden Bauern wurden in diese Arbeiten mit einbezogen und dafür entlohnt.
  • Die Steine wurden in Weißenstein und Treffelhausen gebrochen und dann zur Baustelle gebracht. Dort verarbeitete sie der Gmünder Steinmetz Johannes Fux. 
  • Der benötigte Sand kam von der Bargauer Steige. 
  • Die Latten und Bretter lieferte ein Mann namens Hilsenbeck aus Steinenbühl (b. Adelmannsfelden). 
  • Die Ziegel kamen aus Bartholomä, Großeislingen, Staufeneck und Unterwaldstetten. 
  • Wasser und Kalk wurden mit Karren zur Baustelle gebracht. 



Quellen und Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_Gunetzrhainer
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/s-z/Wiedemann_Christian.html - allerdings ohne Nennung seiner Tätigkeit bei Ave Maria (Deggingen) und der Stadtpfarrkirche Weißenstein.
GRFAD - einschlägige Archivalien zum Bau der Wallfahrtskirche auf dem Bernhardus


Mittwoch, 28. Februar 2018

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus - Teil 3: Aufbau und Organisation einer Wallfahrt 


© Gabriele von Trauchburg


Man fragt sich unwillkürlich, weshalb der damalige Inhaber der Herrschaft Weißenstein, Graf Gaudenz von Rechberg, sich so sehr für die am Bernhardus geschehenen Wunder interessierte, dass er die Bereitschaft und das Engagement für die Errichtung einer Wallfahrt entwickelte. 

Die Herrschaft Weißenstein und die Anfänge der Wallfahrt

Machen wir jetzt einen Zeitsprung in das Jahr 1720. Der Spanische Erbfolgekrieg war seit fünf Jahren beendet. Die Bayern hatten zwar keine nennenswerten territoriale Verluste erlitten, doch die lange Kriegsführung hatte ihre wirtschaftlichen Spuren hinterlassen.
Warum erwähne ich Bayern - ganz einfach: die Mitglieder der Familie Rechberg gehörten als Hofbeamte in den höchsten Rängen zur Elite am Münchner Hof. Und hier tritt besonders Graf Gaudenz von Rechberg-Weißenstein (1664-1735) hervor. Gemäß den Familiengesetzen hatte er als Senior der Familie 1719 die rechbergischen Herrschaften Weißenstein und Kellmünz geerbt.
Graf Gaudenz von Rechberg-Weißenstein (1664-1735) war ein beeindruckender Herrschaftsinhaber gewesen. Am Ende seines Lebens konnte er auf eine steile Karriere zurückblicken. Er hatte seine Laufbahn als kurkölnischer und bayerischer Kammerherr begonnen, wurde dann in Bayern Geheimer Rath, Obersthofmarschall, Hofkriegsratspräsident (= Verteidigungsminister), General-Feldmarschall-Leutenant (= höchster ausführender Militärbefehlshaber), Kommandant sämtlicher kurbayerischen Truppen, Kommandant der Hauptstadt München und Pfleger (= Verwaltungschef) der Hofmarken Weilheim, Mattighofen und Wöhrt (b. Erding).
Verheiratet war er mit der 4 Jahre jüngeren Gräfin Maria Adelheid Ludovica (1668-1748). Sie stammte aus der hochadeligen, einflussreichen und begüterten Familie der Grafen von Toerring-Seefeld. Sie war die Tante der beiden wichtigsten bayerischen Minister in der Zeit des Kurfürsten Maximilian Emanuel. Das Paar hatte 9 Kinder.

Das Interesse des Grafen Gaudenz von Rechberg an den Wundern 

Sie haben gerade eben gelesen, welch beachtliche berufliche Karriere Graf Gaudenz am bayerischen Hof in München machen konnte. Auf die meisten seiner Zeitgenossen musste er wie ein beneidenswerter Mann wirken.
Und dennoch hatte ihn das Schicksal schwer getroffen. Er war der Vater von 9 Kindern. Sieben von ihnen starben im Zeitraum zwischen 1692 und 1708 jeweils im Alter zwischen 2 Monaten und 10 Jahren. Sein ältester Sohn starb 1715 vermutlich an einer Typhus- oder Cholerainfektion während seiner Kavalierstour in Paris. Seine jüngste Tochter starb 1721 im Alter von 21 Jahren im Kindbett. Alle Todesfälle hatten eines gemeinsam: Die  Kunst der Ärzte war damals noch nicht soweit entwickelt, dass sie hätte helfen können. Hilfe aus dem Glauben war die einzige Hoffnung - und der Heilige Bernhard bot nun genau diese Hilfe in der eigenen Herrschaft.

Wie organisiert man eine Wallfahrt - die Infrastruktur, der Einzugsbereich

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich Graf Gaudenz nach dem Bekanntwerden der Wundertätigkeit an der Kapelle auf dem Spitzkopf an das Bistum Konstanz mit der Bitte um die Genehmigung für das Abhalten von Gottesdiensten bei der Kapelle wandte.
Das Jahre 1727 gilt als der Beginn der Bernhardus-Wallfahrt. Die Genehmigung für Gottesdienste wurde am 24. Juli 1728 erteilt. Ab diesem Zeitpunkt konnten nun mit Zustimmung des Konstanzer Weihbischofs Sirgenstein Heilige Messen in der Kapelle an einem tragbaren Altar gefeiert werden. Doch damit gab sich der Herrschaftsinhaber noch nicht zufrieden. Graf Gaudenz konnte beobachten, wie immer mehr Menschen auf den Bernhardus zu den Gottesdiensten kamen - sogar im Winter!! - und von immer neuen Wundern berichtet wurde. So beschloss der Graf, eine Wallfahrtskirche auf dem Spitzkopf zu errichten. Doch dafür mussten zuerst mehrere Voraussetzungen gegeben sein. 

1. Die notwendigen Nachweise für die Wundertätigkeit
Die Diözese Konstanz verlangte schriftliche und bestätigte Nachweise für die auf dem Spitzkopf geschehenen Wunder. Diese waren mehreren Personen aus der katholischen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd widerfahren. Diese sollten nun im Zuge des Genehmigungsverfahrens befragt und die schriftlichen Ergebnisse nach Konstanz übermittelt werden.
Von vier Personen sind die Wunder im Detail überliefert. Ein junger Mann aus Schwäbisch Gmünd litt an einer schmerzhaften Entzündung in seinen stark angeschwollenen Genitalien. Bewusst pilgerte er auf den Bernhardus, um zu beten. Als dabei seine Schmerzen unerträglich geworden waren, konnte er nicht mehr widerstehen und kratzte sich an der Entzündung. Die Haut platzte auf, der Eiter floss ab und die Hautlappen konnten später Ärzten entfernt werden. Alle Zeitgenossen führten die Heilung der Entzündung auf die Hilfe des Heiligen Bernhard zurück. 
Ein weiterer Geheilter war ein Soldat, der zuvor in Ungarn gekämpft hatte. Die Verletzung, die er sich zugezogen hatte, stammte allerdings nicht aus einem heldenhaften Kampf, sondern er hat sie sich beim Stehlen von Kirschen zugezogen. Er war auf einen Baum geklettert, hatte einen besonders ertragreichen Ast mit dem Säbel abgeschlagen und beim Herunterklettern fiel dieser Mann vom Baum. Doch hatte er sich bei dieser Aktion nicht etwa einen Knochenbruch zugezogen, nein - er verlor seine Stimme. Er war fortan nicht mehr in der Lage zu sprechen. Er wurde aus dem Dienst entlassen und nach Hause geschickt. Über seine in der Region lebende Schwester hörte der Soldat von den Wundern auf dem Bernhardus, pilgerte hierher, betete und war fortan wieder in der Lage zu sprechen.
Der wohl prominenteste Geheilte war der Prälat des Klosters Kaisheim. Er musste starke Schmerzen in seinem Bein ertragen und stand Todesängste aus. In seiner Not gelobte er eine Wallfahrt zum Bernhardus für den Fall seiner Genesung. Und es ging dem Prälaten schlagartig besser. Die Schmerzen verschwanden fast vollständig. Als man sein krankes Bein mit einem Bildnis, das zuvor mit der Bernhardus-Figur in Berührung gekommen war, berührte, verschwanden die Schmerzen vollständig. Anfang April 1729 löste der Prälat sein Gelübde ein, kam auf den Bernhardus und machte eine großzügige Spende im Umfang von rund 250 Gulden.
Die genannten Fälle genügten zunächst jedoch noch nicht für die Begründung einer Wallfahrt. Aus diesem Grunde sollten weitere geheilte Personen befragt werden. Sie wohnten ebenfalls in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Man wandte sich an den Magistrat der Stadt, doch der machte dem Vorhaben zunächst einen Strich durch die Rechnung. Seine Mitglieder wollten die Angelegenheit einfach aussitzen, gehörte man doch nicht zur Diözese Konstanz (Bernhardusberg), sondern zu Augsburg.
Als am Ende des Jahre 1729 noch immer keine schriftlich fixierten Nachweise vorlagen, wandte sich Graf Gaudenz zu Beginn des Jahres 1730 an den Augsburger Generalvikar Freiherr von Vöhlin mit der Bitte um Amtshilfe . Dieser beauftragte eigens einen Geistlichen, der die Befragung vornahm und bis Mitte Januar 1730 abschloss. Nun lag der bischöflichen Genehmigung nichts mehr im Wege.

2. Der Fundations- oder Stiftungsbrief
Der Stiftungsbrief für die Wallfahrt auf dem Bernhardus ist in lateinischer Sprache verfasst. Darin sind Graf Gaudenz und seine Frau Adelheid als Stifter der Wallfahrt auf den Bernhardus genannt.
Sie begnügten sich nicht nur, als Stifter genannt zu werden, sondern finanzierten zum überwiegenden Teil das neue Kirchengebäude sowie einen Benefiziaten, der dort den Pilgern zur Verfügung stand.  

3. Die Finanzierung des Kirchenbaus 
Die Wunder vom Bernhardus hatten sich schnell in der Region herumgesprochen. Dehalb strömten die Menschen von allen Seiten auf den Berg, in der Hoffnung auf ein Wunder auch für sich. Sie opferten hohe Summen, die allesamt für den Kirchbau verwendet werden sollten - und die Einnahmen flossen in beachtlicher Höhe.
In den Jahren 1729 bis 1733 kamen insgesamt ca. 1500 Gulden an Spenden zusammen. Den Rest - ca. 6500 Gulden übernahmen Graf Gaudenz und Gräfin Maria Adelheid aus eigenen Mitteln.


Quellen und Literatur 

GRFAD - einschlägige Archivalien zur Wallfahrt auf den Bernhardus

 

Mittwoch, 28. Juni 2017

Die barocke Wallfahrt auf dem Bernhardus - Teil 2: Der Heilige Bernhard vollbringt Wunder


© Gabriele von Trauchburg, Juni 2017

               
Im Jahre 1727 tat sich merkwürdiges bei der kleinen Kapelle auf dem Spitzkopf. Gleich mehrere Personen berichteten von der Erscheinung des Heiligen Bernhard von Clairvaux und an sich selbst wahrgenommenen Wundern.
Bernhard von Clairvaux (* um 1090 - 20. August 1153) war ein Abt, Mystiker und einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens. Er war für dessen Ausbreitung über ganz Europa verantwortlich.
Er gilt als Patron der Bienen, Imker und Wachszieher. Er hilft bei Besessenheit durch Dämonen, bei Kinderkrankheiten und Tierseuchen. Zudem steht er den Menschen bei Gewitter, Unwetter und in ihrer Todesstunde bei.

Heiliger Bernhard mit den Marterwerkzeugen, zwischen 1600 und 1650 - © GvT

Der Glaube an Heilung durch den Heiligen Bernhard führte Menschen aus der Umgebung zur kleinen Kapelle auf dem Spitzkopf. Im Verlauf ihrer Wallfahrt erlebten mehrere Pilger eine spontane Heilung. Rasch verbreitet sich die Nachricht von diesen Wundern. Dabei drang sie auch zum Herrschaftsinhaber, Graf Gaudenz von Rechberg-Weißenstein vor. Dieser begann, bei der kleinen Kapelle mit dem systematischen Aufbau einer Wallfahrt - der Bernhardus-Wallfahrt. An deren Ursprung erinnert bis heute eine Tafel in der Kapelle mit folgender Inschrift:  

Dies ist der Ort, wo der Heilige Vater Bernhardus nach seinem Verbot zu Clarenthal (Clairvaux) anno Domini 1727 sich wiederum das erste Mal hat wundersam gezeigt und ihm zu Ehren dass folgende Jahr 1728 den 20. August die Erste Heilige Messe solemniter (d.h. feierlich, förmlich) gefeiert worden.  

Diese Tafel befindet sich heute an der Seitenwand der Kapelle aus dem 19. Jahrhundert


Quellen und Literatur

GRFAD, einschlägige Archivalien zur Bernhardus-Wallfahrt
Gabriele von Trauchburg, Lauterstein - Kirchenführer für Nenningen und Weißenstein, Lauterstein 2015  



Geschichte(n) von Gingen/Fils - Teil 1.3: Die erste bekannte Gingener Dorfherrschaft: Königin Kunigunde

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