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Dienstag, 15. Januar 2019

Der Donzdorfer Kapellenweg - Teil 6.2: Unterweckerstell - Stifter und frühe Besitzer der Kapelle

© Gabriele von Trauchburg


Adelige Eigenkirche?

Kirchen und Kapellen gehen bis zum Ende der Frühen Neuzeit in der Regel auf Stiftungen von adeligen Laien zurück. Die Stiftung beinhaltete den Bau des Gebäudes und dessen ökonomische Ausstattung. Oftmals verpflichtete sich der Stifter auch noch zur Übernahme weiterer grundlegender Bauarbeiten. Damit diese Stiftungen den Lauf der Zeit überstehen konnten, wurden sie in der Regel mit Grund und Boden ausgestattet. Die daraus erwirtschafteten Abgaben sollten zum Unterhalt von Gebäuden und Geistlichen dienen. Im Gegenzug behielten sich die Stifter das Recht auf das Kirchenpatronat vor. 
Laut der Verkaufsurkunde von 1379 befand sich die Kapelle von Unterweckerstell damals im Besitz einer Gräfin von Helfenstein. Es liegt also die Vermutung nahe, dass die Kapelle eine adelige Stiftung ist. Doch von wem?

Die Herren von Scharfenberg

Die Tatsache, dass es in der Kapelle von Unterweckerstell ein romanisches Fenster und ein in die 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts datiertes Kreuzrippengewölbe gibt, weist auf die Erbauung der Kapelle in der Stauferzeit hin. Somit käme Heinrich von Scharfenberg, der 1214 als Zeuge in einer Urkunde von Kaiser Friedrich II., noch einmal 1221 gemeinsam mit seinem Verwandten Berthold in einer Urkunde des Speyerer Bischofs Konrad und zuletzt 1230 in einer in Speyer ausgestellten Urkunde des Stauferkönigs Heinrich VII. auftritt, als Stifter durchaus in Frage.
Nach 1230 lassen sich weder Heinrich von Scharfenberg noch sein Verwandter Berthold in weiteren Urkunden feststellen. Möglicherweise waren die Scharfenberg mit der Absetzung von König Heinrich VII. durch seinen Vater Kaiser Friedrich II. aus ihren Diensten entlassen worden und hatten sich auf ihre Burg zurückgezogen. Weil es keine weiteren Nachrichten von ihnen gibt, könnte aber auch die Familie um die Mitte des 13. Jahrhunderts ausgestorben sein.

Die Grafen von Helfenstein

Ihre Nachfolger waren offensichtlich die Grafen von Helfenstein, denn die Burg und der zugehörige Besitz - darunter die Unterweckersteller Kapelle - befindet sich Ende des 13. Jahrhunderts in ihrem Besitz, wie man aus den Umständen eines Streits zwischen den Adelsfamilien Rechberg und Helfenstein schließen kann (Label: Scharfenschloss ). Die Grafen von Helfenstein kämen also auch als Stifter der Kapelle in Betracht.
Bei der Teilung im Hause Helfenstein in die Linien Wiesensteig und Blaubeuren, gelangte die Herrschaft Scharfenberg an die Blaubeurer Linie des Ulrich VII. Als dieser 1375 verstarb, übernahm dessen Witwe Anna, geborene Gräfin von Oettingen, die herrschaftlichen Geschäfte. Aus diesem Grund tritt sie in der Verkaufsurkunde vom 11. Juli 1379 als Verkäuferin der Herrschaft Scharfenberg mit der Kapelle auf. Sie veräußerte Scharpfenberg - die Vestin L(e)ut und Gut mit Buw (Bau) der darzu gehöret - vnd Eschenbach diu gut L(e)ut und Gut mit aller Zugehörde waz wir do haben, und Wekerstal, diu gut L(e)ut u. Gut mit allen Zugehörden u. mit der Capelle doselbens zu Wekerstal um 3000 weniger 80 Gulden ungerischen (= ungarischen) und beheimisch (= böhmisch) gut Gelts an Gold an Gebhard von Rechberg-Illereichen.
Der Verkauf von Scharfenberg, einem strategisch wichtigen Punkt auf dem Weg zum damaligen Hauptsitz der Helfenstein-Blaubeuren in Heidenheim, durch Anna von Helfenstein-Blaubeuren markiert den Rückzug dieses Familienzweiges vom Albtrauf.

Die Herren und Grafen von Rechberg

Ab dem Kauf der Herrschaft Scharfenberg im Jahre 1379 bis 1732 blieb die Burg mit dem gesamten Zubehör - und damit auch der Kapelle St. Georg - im Besitz der Herren und Grafen von Rechberg. In einem kurzen Zeitraum zwischen 1732 und 1745 befand sich die Herrschaft u.a. im Besitz des Herzogtums Württemberg, kam dann jedoch durch Kauf an das Haus Rechberg zurück (Label: Scharfenschloss). Unklar ist, wann die Kapelle St. Georg in die Pfarrei Donzdorf eingegliedert wurde, möglicherweise gehörte sie schon immer dorthin.    
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts, am 7. Oktober 1407 stiftete Gebhard von Rechberg-Illereichen die Erneuerung der St. Georgsmesse in Unterweckerstell.

Quellen und Literatur

GRFAD - Urkunden
Heribert Hummel, Donzdorf - Die Kirchen der Stadt Donzdorf (Kirchenführer), Weißenhorn 1995
https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenkirche
https://apudgiselingen.blogspot.com/search/label/Ulrich%20V.%20von%20Helfenstein
https://www.die-helfensteiner.de/index.php/altvorderen/die-grafen.html

Montag, 14. Januar 2019

Der Donzdorfer Kapellenweg - Teil 6.1: Unterweckerstell - Kapelle am Talende

© Gabriele von Trauchburg


Die Anfänge der Kapelle St. Georg in Unterweckerstell

Wie so oft ist die ursprüngliche Stiftungsurkunde oder ein entsprechender Weihestein nicht überliefert. Eine exakte Aussage zur Entstehung der Kapelle ist damit nicht mehr möglich. Doch auch wenn es im vorliegenden Fall der Kapelle von Unterweckerstell keine schriftliche Quelle gibt, so hilft in diesem Fall die Architekturgeschichte des Gebäudes weiter.

Kapelle St. Georg in Donzdorf-Unterweckerstell - © GvT

Romanisches Fenster und Kreuzrippengewölbe

Die Kapelle besitzt bis heute ein romanisches Rundbogenfenster auf der Ostseite im Chor. Dieses Fenster ist trotz verschiedener Umbaumaßnahmen im Laufe der Jahrhunderte bis heute erhalten geblieben.

Romanisches Rundbogenfenster auf der Ostseite der Kapelle St. Georg - © GvT

Das Innere des Chors wird von einem mächtigen Kreuzgewölbe getragen. Dieses wird in die 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert.

Der Chor von St. Georg mit seinem Kreuzrippengewölbe und dem romanischen Fenster - © GvT
Romanisches Fenster und das Kreuzrippengewölbe aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts ersetzen also die schriftliche Überlieferung in Bezug auf die Entstehungszeit der Kapelle. Außerdem kann man aus dieser frühen Baugeschichte den Rückschluss ziehen, dass die Kapelle offensichtlich von Anfang an in Steinbauweise errichtet worden war.

Der Kapellenpatron

Seit dem Jahre 1407 weiß man definitiv, dass in der Kapelle von Unterweckerstell eine St. Georgsmesse gefeiert wird. Deshalb darf man auch vermuten, dass der Heilige Georg von Beginn an der Kapellenpatron gewesen ist. Wer war überhaupt dieser Heilige und lassen sich die Gründe für diese Wahl nachvollziehen?

Die Legende
Der Heilige Georg war wohl ein Märtyrer, der in der Zeit der Diokletianischen Christenverfolgung in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts zu Tode kam. Die Legende von seinem Kampf gegen einen Drachen ist in der Legenda aurea von Jacobus de Voragine enthalten. Außerhalb der Stadt Silena (heute Shahhat) in Libyen hauste ein Drache, der mit seinem Gifthauch die Stadt verpestete. Täglich mussten ihm die Einwohner Opfertiere bringen, damit er friedlich gestimmt war. Als es keine Tiere mehr gab, forderte der Drache Menschenopfer. Irgendwann fiel das Los auf die Königstochter. Nach herzzerreisendem Abschied ging die junge Frau hinaus zum See. Da tauchte Georg auf. Als der Drache erschien, um sein Opfer zu holen, schwang Georg mit seiner Lanze das Zeichen des Kreuzes und durchbohrte dann die Bestie. Der Drache stürzte zu Boden.
Dann veranlasste Georg die Königtochter, ihren Gürtel um den Drachen zu legen und ihn in die Stadt zu ziehen. Dort wollten zuerst alle fliehen, doch Georg versprach den Bewohnern, dass er den Drachen töten würde, wenn sich alle zum Christentum bekehren würden. Georg erschlug den Drachen und vier Paar Ochsen schleppten anschließend das gewaltige Gewicht des Drachens aus der Stadt. Daraufhin ließen sich der König und das gesamte Volk taufen.

Heiliger Georg, Kapelle St. Georg Unterweckerstell, Glasmalerei von 1861 - © GvT


Der Kult um den Heiligen Georg

Die Legende des Heiligen Georg thematisiert ebenso wie diejenige der Heiligen Katharina von Alexandria das Thema von der christlichen Auferstehungshoffnung. Der Kult um Georg kam mit lateinischen Übersetzungen im 5. Jahrhundert in den Westen. An der Wende zum oder am Beginn des 11. Jahrhunderts fügte ein unbekannter Schreiber die althochdeutsche Dichtung des Georgsliedes in eine Handschrift des ersten namentlich bekannten althochdeutschen Dichters, Otfrid von Weißenburg (ca. 800 - nach 870), ein. Das Lied berichtet in 10 Strophen mit 57 Versen von der Bekehrung, der Verurteilung, dem Martyrium und den Wundern des kappadokischen Erzmärtyrers und Soldatenheiligen Georg.

Durch den Mainzer Erzbischof und Reichenauer Abt Hatto III. (891–913) gelangten Georgsreliquien nach Schwaben, u. a. das „Georgshaupt“ zur Georgskirche in Reichenau-Oberzell (896). Daraufhin entwickelte sich in der Folgezeit vom Bodenseekloster ausgehend in Schwaben und darüber hinaus eine intensive Georgsverehrung, die von der Reichenau bis zum Kloster St. Georgen im Schwarzwald (1084/1085) reicht.
Eine Entstehung des 'Georgsliedes' in Schwaben bzw. auf der Reichenau scheint aufgrund alemannischer und fränkischer Dialektmerkmale im Text nicht ausgeschlossen.
Die Taten des tapferen Helden Georg sprachen die Menschen im 12. Jahrhundert, dem Zeitalter der Kreuzzüge, in besonderem Maße an. Hinzu kommt, dass laut der Legenda Aurea der Heilige Georg den Kreuzrittern in weißer Rüstung vor Jerusalem erschienen war. Gott selbst hatte ihn zur Erde zurückgeschickt, um die christlichen Kämpfer zu unterstützen, die Sarazenen zu erschlagen und Jerusalem zu erobern. Diese Darstellung entwickelte sich zur Grundlage der Georgsritter-Bruderschaften.
Der bayerische Herzog Otto von Wittelsbach ließ um 1245 ein Epos als Ritterroman schreiben durch Reinbot, Kaiser Maximilian I. erklärte ihn zu seinem Haus- und Sippenheiligen.

Heiliger Georg in weißer Rüstung, ehem. Seitenflügel eines Altares, um 1500 - © GvT
Im 14. Jahrhundert wurden von der katholischen Kirche die ‘14 Nothelfer’ geschaffen. Sie sollten den Menschen bei sämtlichen Belangen ihres beschwerlichen Alltags während des Bürgerkrieges zwischen Kaiser Ludwig dem Bayern und dem Papst und später während der Pestepidemien Beistand leisten, wenn keine geregelten Gottesdienste möglich waren.
Der Heilige Georg, der bis dahin in erster Linie von Adeligen und Soldaten verehrt wurde, wurde ebenfalls in die Reihe der 14 Nothelfer aufgenommen und erlangte auf diese Weise eine große Popularität. Sein Gedenktag ist der 23. April, der sich zu einem wichtigen Tag im bäuerlichen Kalender entwickelte. Ab diesem Tag wurde das Betreten der Wiesen untersagt, Dienstboten konnten ihre Herrschaft wechseln, Abgaben und Zinsen für Krediten wurden zur Zahlung fällig, Pferde wurden an diesem Tag gesegnet, weshalb bis heute am Georgstag Pferdeumritte stattfinden. 

Lage der Kapelle

Die Kapelle St. Georg liegt in Unterweckerstell am Ende des Simonsbachtales bei Donzdorf. Der Weiler ist hufeisenförmig vom Albtrauf umgeben. Auf einem der vorgelagerten Berge liegt die Ruine der Burg Scharfenberg, umgangssprachlich auch Scharfenschloss genannt (Label: Scharfenberg ).
Turmspitze von St. Georg, Burgruine Scharfenberg auf dem Berg im Hintergrund - © GvT

Die Kapelle gehört zum kleinen Weiler Unterweckerstell. Von hier aus führte der mittelalterliche Weg hinauf auf die Alb nach Oberweckerstell, der in alten Karten als alte Donzdorfer Steige bezeichnet wurde. Dieser Albaufstieg wurde vor allem von Gefährten, die aus den Reichsstädten Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd kamen, zur Weiterfahrt nach in die Reichsstadt Ulm genutzt.


Alte Donzdorfer Steige bei Unterweckerstell - © GvT

Quellen und Literatur

- Heimatbuch Donzdorf, hrsg. v. Stadt Donzdorf, Donzdorf 1976
- Württembergisches Urkundenbuch, Band III., Nr. 562, Seite 11-12 (auch online): Urkunde des Königs Friedrich II. vom 23. Oktober 1214, ausgestellt in Speyer
- https://www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Georg_der_Maertyrer.htm
- https://de.wikipedia.org/wiki/Georgslied


Sonntag, 6. Januar 2019

Der Donzdorfer Kapellenweg - Teil 5: Scharfenberg - Schöpfungskapelle

© Gabriele von Trauchburg





Ursprünglich war der Scharfenhof das Versorgungszentrum der auf der Bergkuppe gelegenen Burg Scharfenberg (vgl. den Post Geschichte(n) der Stadt Donzdorf - Teil 1: Das Scharfenschloss).

Die Burg besaß eine Burgkapelle, die im hinteren Hauptgebäude untergebracht gewesen war. Das dortige Altarblatt/-Bild zeigte die Kreuzabnahme Christi und war im 19. Jahrhundert noch vorhanden. Die Kapelle hatte einen eigenen Kaplan, der in Donzdorf wohnte

Die gegenwärtigen Besitzer des Scharfenhofes, Dr. Eberhard Rau und seine Frau Doris Roschmann, bauten zwischen 2002 und 2003 die Kapelle neben der Straße zur Kuchalb aus Dankbarkeit zu Gott für diesen schönen Landstrich und aus Freude über die gesegnete Natur. Sie widmeten deshalb die Kapelle der in der Genesis beschriebenen Schöpfung.

Am 28. September 2003 erfolgte ihre ökumenische Einsegnung durch die damaligen Pfarrer Gruber und Pfarrer Waldmann im Rahmen eines Feldgottesdienstes. Die Schöpfungskapelle ist damit die jüngste Kapelle entlang des Kapellenwegs im Lautertal.


Die Freude an der Natur kommt besonders in den beiden bunten, kunstvoll gestalteten Glasfenstern zum Ausdruck. Die detailreichen Darstellungen von ganz kleinen und großen Tieren im Wasser, auf der Erde und in der Luft regen zum Innehalten und bewusstem Betrachten zuerst im Abbild und dann in der Natur an.



Quellen und Literatur
Gottschalck, Ritterburgen Bd. 5, S. 117, Digitalisat
Anton Gruber u.a., Glaubenszeichen rund um Donzdorf, o.D.

Dienstag, 2. Januar 2018

Geschichte(n) der Stadt Donzdorf - Teil 1: Das Scharfenschloss

© Dr. Gabriele von Trauchburg


Eigentlich ist es seltsam, dass Donzdorf erst ziemlich spät - nämlich 1275 - das erste Mal schriftlich erwähnt wird. Die Erklärung für diese Phänomen ist jedoch ziemlich einfach: es hängt damit zusammen, dass der Ort ursprünglich kein Herrschaftssitz gewesen ist. Der Herrschaftssitz war die Höhenburg Scharfenberg, auch Scharfenschloss, genannt. Aus diesem Grund wird jetzt das Augenmerk auf diese mittelalterliche Burg gelegt.

Strategische Lage

Der Kegel, auf dem die Ruine des Scharfenschlosses steht, ist von allen Seiten weithin sichtbar. Die Ruinen der mittelalterlichen Burg verschwinden heute hinter dem auf dem Kegel wachsenden Wald.
Die Lage der mittelalterlichen Burg weist alle typischen Eigenschaften eines derartigen Gebäudekomplexes auf.

Am Fuß der Ruine Scharfenschloss - © GvT
Die Ruine Scharfenschloss thront oberhalb von Donzdorf in 617 Metern Höhe auf einer vom Albtrauf unabhängigen Bergkuppel. Auf diese Weise war die alte, durch einen Mauerring geschützte Burg nahezu uneinnehmbar.
Der älteste Teil der Anlage ist der ehemalige Palas, der Wohnturm. Er ist in seinem Stumpf heute noch erhalten. Später kamen zwei große, mehrstöckige Gebäude hinzu, deren Grundrisse sich den Gegebenheiten auf dem Berg anpassten. Teilweise bestehen Teile des Palas und eines der großen Gebäude aus staufischen Buckelquadern.

Mauer der Ruine Scharfenschloss mit staufischen Buckelquadern (links) - © GvT
 Von der Burg besitzt man einen weiten Blick über den westlich gelegenen Albtrauf sowie das mittlere und untere Filstal. Durch das Filstal verlief eine Königs- oder Reichsstraße, die ständig unter besonderer Beobachtung stand.

Blick vom Scharfenschloss nach Westen entlang des Albtraufs - © GvT
In Süßen teilte sich diese Straße. Der eine Teil führte weiter über das Filstal nach Geislingen, dann nach Ulm und weiter Richtung Süden. Auf diesem Teil zogen die deutschen Könige und viele Kaufleute mit ihren vollbeladenen Wagen.  Der andere Teil der Straße führte ins Lautertal und von dort zum wohl niedrigsten Albaufstieg in Weißenstein.
Blick von der alten Donzdorfer Steige über den Kirchturm von St. Georg in Unterweckerstell zur Ruine Scharfenschloss - © GvT
Doch auch in Donzdorf gab es eine Steige. Von Donzdorf führte der Weg weiter nach Unterweckerstell und von dort hinauf auf die Albhochfläche. Dieser Weg lag direkt unterhalb der Burg Scharfenberg, der Ort und seine Steige gehörte zum Besitz der Burg. Diese Steige diente vor allem der Verbindung von Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd über Geislingen nach Ulm. 
Aufgrund der Kontrolle dieser drei wichtigen Albaufstiege kam der Burg Scharfenberg eine wichtige strategische Bedeutung zu.

Die Herren von Scharfenberg 


Der Name Scharfenberg taucht erstmals 1156 in einer Urkunde des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa für das Kloster Maulbronn auf. Darin werden die beiden Herren Otto und Friedrich von Scharphinberch genannt. Einer ihrer Nachfahren war Gottfried von Scharfenberg, der 1194 mehrere seiner Leute an das Stauferkloster Lorch übergab, und der Zeuge für Kaiser Friedrich II, Heinrich von Scharfenberg 1214.
Diese beiden Urkunden legen nahe, dass die Burg Scharfenberg mit ihren heute noch sichtbaren staufischen Buckelquadern in der Zeit des großen Herrschergeschlechts angelegt wurde, und deren Inhaber zum Gefolge der Staufer gehörten.

Die Grafen von Helfenstein und die Herren von Rechberg

Zwischen 1194 und 1307 gibt es keine Nachrichten über die Burg und ihre Inhaber. In der Zeit des Niedergangs der Staufer 1268 und den anschließenden politischen Unruhen im Reich muss die Burg - aus welchen Gründen auch immer - zuerst in die Hand der Grafen von Helfenstein gelangt sein.
Doch deren wirtschaftliche Schwierigkeiten am Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts sorgten dafür, dass die strategisch wichtige Burg 1307 an Albrecht von Rechberg-Staufeneck, genannt der Landvogt und Vogt von Achalm und Hohenstaufen, übergeben werden musste. Der Landvogt war ein hoher Beamter, der im Auftrag des Königs dessen Besitz in einer festgelegten Region verwaltete. 
Im Jahre 1309 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Albrecht von Rechberg und dem Grafen Ulrich von Helfenstein. In dessen Verlauf überfielen der Graf und seine Anhänger den königlichen Landvogt Albrecht, nahmen ihn gefangen, entwendeten ihm seine Pfandbriefe und zerstörten sie. König Heinrich VII. ließ ihm neue Pfandbriefexemplare 1312 in Pisa ausfertigen.
Bisher ist nicht eindeutig zu ermitteln, worum es bei dem Streit zwischen Albrecht von Rechberg und Ulrich von Helfenstein ging. Aber die Zerstörung der Pfandbriefe in der Hand von Albrecht von Rechberg lässt darauf schließen, dass Rechberg ein finanziell gut gestellter Adeliger und der Helfensteiner bei ihm verschuldet war. Es ist durchaus möglich, dass Albrecht von Rechberg mit Hilfe seines Pfandbriefes versuchte, dauerhaft die Burg Scharfenberg an sich zu bringen.  
Am Ende der Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern erscheint die Burg auf dem Scharfenberg wieder in helfensteinischer Hand. Doch 1379 verloren die Helfensteiner die Burg letztendlich für immer. Gebhard von Rechberg-Illeraichen kaufte die Burg den nun finanziell nahezu ruinierten Grafen von Helfenstein in jenem Jahr ab.

Die Burg Scharfenberg und die Rechberg

Ab 1379 verblieb die Burg, der zugehörige, am Fuß des Bergkegels gelegene Scharfenhof sowie der halbe Teil der Herrschaft Donzdorf ununterbrochen bis 1732 im Besitz der Herren von Rechberg-Illeraichen. Es bildete sich sogar eine eigene Linie Seitenlinie Rechberg-Scharfenberg aus, die allerdings bereits 1549 im Mannesstamm erlosch. Somit wurde Margarethe von Rechberg-Scharfenberg die Erbin dieser Seitenlinie. Sie war jedoch schon seit 1536 mit Hans von Rechberg-Illeraichen aus dem Hauptzweig der Familie verheiratet, sodass der Besitz dieser Seitenlinie mit dem des Hauptzweiges der Familie wieder zusammengeführt wurde.

Giebelmauer des nördlichen Gebäudes mit Renaissance-Elementen - © GvT

Überreste des nördlichen Gebäudes - © GvT

Dieses Ehepaar Hans und Margarethe von Rechberg-Illeraichen erbaute das Renaissanceschloss in Donzdorf und verließ die mittelalterliche Höhenburg. Der Schwerpunkt der Herrschaft verlagerte sich nun ins Tal nach Donzdorf. Auf der Burg lebte fortan nur noch ein Verwalter mit seiner Familie.
Im 18. Jahrhundert wechselte die Burg dreimal den Besitzer. Durch Erbschaft gelangte sie an die Familie von Reichenstein und Baumgarten. Diese verkaufte 1735 Herrschaft und Burg an Württemberg. 1745 kaufte die andere Linie - Rechberg-Weißenstein - den württembergischen Anteil der Herrschaft Donzdorf und damit auch Burg Scharfenberg zurück (Vgl. Donzdorfer Kapellenweg - Teil 3: Barbarakapelle).
Inzwischen war der Verfall der Burg weit fortgeschritten. Da trotz intensiver Suche keine sinnvolle Nutzung für die Burg im 19. Jahrhundert gefunden werden konnte, wurde sie dem Zerfall preisgegeben. Zuletzt wechselte die Burgruine 1971 den Besitzer.


Quellen und Literatur

- GRFAD - einschlägige Archivalien und Chronik des Pfarrers Joseph Rink
- Württembergisches Urkundenbuch Bd. II, S. 299, Nr. 485 - https://www.wubonline.de/?mp=1&md[visiblemask]=0
- Trauchburg, Gabriele von, Die Rechbergischen Adelssitze als Spiegel familiären Aufstiegs, in: Adelssitze - Adelsherrschaft - Adelsrepräsentation in Altbayern, Franken und Schwaben, Neuburg a.d. Donau 2012, S. 85-133
- https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Scharfenberg_(Donzdorf)


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