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Montag, 1. Januar 2018

Der italienische Barock in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg - Teil 3: Die Arbeiten des Prospero Brenno

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg


Der italienische Barock in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg



© Gabriele von Trauchburg



Teil 3: Die Arbeiten des Prospero Brenno


Über den 1638 geborenen  Prospero Brenno gibt es bis zum Alter von 34 Jahren keinerlei schriftliche Nachrichten. Das bedeutet, dass man keine Informationen über seine Ausbildung und seine ersten Aufträge besitzt. Auch für die Zeit danach findet man nur wenige schriftliche Unterlagen. Vielfach ist man deshalb darauf angewiesen, durch Stilvergleich die Werke Brennos zu identifizieren.

Würzburg, Rathaus - 1672
Erstmals in Akten nachweisbar wurde Prospero Brenno im Jahre 1672, als er in Würzburg den großen Saal im sogenannten ‘Roten Bau’ des Rathauses stuckierte. Dieser Saal wurde während des 2. Weltkriegs zerstört. Nur wenige alte Fotos sind erhalten geblieben und geben erste Hinweise auf seine künstlerische Handschrift. Mehrfach zeigen sie auffallend große Engel.

München, Theatinerkirche - 1673-1675
Im Jahr darauf findet man Prospero Brenno und seinen jüngeren Bruder Giovanni Battista II. sowie etwa 10 weitere Italiener auf der Baustelle der Münchner Theatinerkirche. Dort arbeitete Brenno ein Jahr lang unter der Leitung des aus Nürnberg gekommenen Carlo Moretti Brentano. Im Folgejahr 1674 ist Brentano wieder in Nürnberg, wo er die Decke im Fembohaus (Stadtmuseum) anfertigte.
Obwohl 1674 auch noch die Bauleitung von Agostino Barelli an Enrico Zucalli übergegangen war, arbeitete Prospero Brenno weiterhin in der Theatinerkirche. Er erhielt 7 Gulden pro Woche !!! als Arbeitslohn.
Der Stilvergleich mit seinen späteren Werken legt nahe, dass Brenno eine herausragende Position bei der Gestaltung der Theatinerkirche eingenommen hatte, es wird sogar angenommen, dass Brenno die Leitung der Stuckateure inne gehabt hatte, was aufgrund der Lohnhöhe durchaus gerechtfertigt wäre.

Theatinerkirche München - © GvT


München, Residenz - 1675
Kurz vor dem Abschluss der Stuckarbeiten in der Theatinerkirche wurde Brenno laut einer Anekdote 1675 von der Theatinerbaustelle abgeworben, um die Gestaltung der neuen Räume der Kurfürstin Henriette Adelaide vorzunehmen. Von ihren Zimmern ist heute nur noch der Deckenstuck im vierten Sommerzimmer erhalten geblieben. 

Salzburg, Annenkapelle in der Franziskanerkirche - 1679-80
Der nächste bekannte Auftrag führte Prospero Brenno in die Franziskanerkirche nach Salzburg. Dort wurde der Chor der gotischen Hallenkirche barockisiert. Hier stattete Brenno 1680 die Annakapelle aus. 
Gegenwärtig gilt aufgrund der Signatur 1680 PBSF ein 'Paolo Brenno (aus) Salorino fecit' als der Urheber der Stuckaturen in dieser Kapelle. Zwei Gründe sprechen jedoch gegen diese Interpretation des Künstlernamens:
  1. Wirft man einen Blick auf die im vorigen Kapitel beschriebenen biographischen Daten der Familie Brenno, so zeigt sich, dass der einzige bekannte Paolo Brenno der 1673 geborene Sohn von Prospero war. Dieser hätte dann im zarten Alter von 7 Jahren die Kapelle gestaltet - was doch wohl definitiv unwahrscheinlich ist.  
  2. zeigt ein Stilvergleich mit den nachfolgenden Werken von Prospero Brenno, dass sie in Teilen der Komposition wie der Ausführung mit der Gestaltung der Annakapelle übereinstimmen.
Erzbischof Max Gandolf Kuenberg stiftete 1679 die Annakapelle in der Franziskanerkirche. Im Gegensatz zu den benachbarten, überwiegend in Weiß gehaltenen Stuckaturen wählte der Stifter schwere, von dunkler Bronze überhöhte Stuckarbeiten. Die Kapelle besitzt einen Stuckaltar mit Engelkaryatiden - wie in Hohenrechberg.

Annenkapelle in der Franziskanerkirche in Salzburg - © GvT


Niederbayern, Saldenburg - um 1682
Die ab 1368 errichtete Burg Saldenburg gelangte 1677 in den Besitz der Grafenfamilie Preysing, die wie die Grafenfamilie Rechberg zum engsten Zirkel am kurfüstlichen Hofe in München zählte.
Durch einen Blitzschlag wurde der Wohnturm teilweise zerstörte und im Anschluss im Barockstil wiederhergestellt. Im Speisesaal und in der Burgkapelle sind die von Prospero Brenno angefertigten Stuckaturen zu sehen.   
In dieser Zeit arbeitete Prospero höchstwahrscheinlich auch in der Steinfelskirche in Landau/Isar.

Tegernsee, Klosterkirche St. Quirinus - ab 1678
Die Barockisierung der Tegernseer Klosterkirche St. Quirinus erfolgte ab 1678 nach den Plänen von Enrico Zuccalli. In die ursprünglich gotische Kirche wurde ein Querhaus eingezogen, wodurch auch eine Vierung entstand. Anschließend an die Bauarbeiten entstand bis um 1690 die reiche Stuckierung.
Die üppige, ganz in Weiß gehaltene Stuckdekoration mit Fruchtgehängen und Engelsfiguren stammt von italienischen Stuckateuren, deren Namen nicht überliefert sind. Bisher wurden die Stuckaturen in St. Quirinus Niccolò Perti zugeschrieben - wohl weil sie denen in der Theatinerkirche in München und in der Klosterkirche Benediktbeuern ähneln und Perti dort ebenfalls gearbeitet hatte.
Der Stilvergleich von Tegernsee, Benediktbeuren und Hohenrechberg legt jedoch die Vermutung nahe, dass hier Prospero Brenno in herausragender Position tätig war. In diesem Fall hätte also das bereits in der Münchner Theatinerkirche bewährte Duo Zucalli - Brenno ein zweites Mal zusammen gearbeitet.

Benediktbeuern, Klosterkirche und Klostergebäude - 1683-1686
Zwischen 1683 und 1686 wird Prospero Brenno als Stuckateur der neuen Stiftskirche von Benediktbeuern genannt. Hier arbeitete er wieder mit Niccolò Perti zusammen. Weil P. Leo Weber die Werke von Prospero Brenno nicht einzuschätzen vermochte, schreibt er Niccolò Perti die in seinen Augen qualitätsvolleren Arbeiten zu ohne einen konkreten Stilvergleich vorgenommen zu haben.

Klosterkirche Benediktbeuern - © GvT


Hohenrechberg, Wallfahrtskirche - 1688-1689
Wohl im Herbst 1687 kam Prospero Brenno nach Donzdorf (Lkr. Göppingen), der Residenz des Franz Albert von Rechberg. Gemeinsam mit ihm als Auftraggeber entwickelte Brenno die Innenausstattung für die im Bau befindliche neue Wallfahrtkirche auf dem Hohenrechberg (Schwäbisch Gmünd, Lkr. Ostalb).
Im Folgejahr gipsten Brenno und seine Mitarbeiter zuerst die gesamte Kirche aus, schufen die Pilaster mit den herauskragenden Kapitellen und Gesimsen, die Decke mit ihren zahlreichen Engeln und den üppig gestalteten Chor, ehe sie 1689 die Altäre aus Stuck und zuletzt die Kanzel errichteten.

Wallfahrtskirche Hohenrechberg - © GvT


Weggental, Wallfahrtskirche 
Wie in Hohenrechberg war auch bei der Wallfahrtskirche Weggental (Rottenburg a. Neckar) der Vorarlberger Baumeister Valerian Brenner tätig. Brenno und Brenner besaßen wohl eine ähnliche Arbeitsverbindung wie zuvor Brenno und Zucalli.
In der Wallfahrtskirche zur schmerzhaften Muttergottes im Weggental schuf Brenno gemeinsam mit seinen beiden Söhne Paolo und Giulio Francesco die Kapitelle und den Chor, wie der Stilvergleich eindeutig erkennen lässt.


Wallfahrtskirche Weggental, Rottenburg am Neckar - © GvT


Birenbach, Wallfahrtskirche - um 1689
Zwischen 1690 und 1698 wurde die Wallfahrtskirche Birenbach errichtet. Weil Baupläne und Archivalien aus der Bauzeit fehlen, ist man hier besonders auf den stilistischen Vergleich angewiesen. Als Baumeister gilt wie in Hohenrechberg Valerian Brenner. Und die Pilaster und Kapitelle weisen deutlich auf Prospero Brenno hin. Offenbar bewährte sich in der Wallfahrtskirche in Birenbach ein drittes Mal das Gespann Valerian Brenner und Prospero Brenno.

Wallfahrtskirche Birenbach (Lkr. Göppingen) - © GvT

Wettenhausen, Augustinerchorherrenstift - 1694
Ein viertes Mal lässt sich die Zusammenarbeit von Valerian Brenner und Prospero Brenno beim Augustinerchorherrenstift Wettenhausen nachweisen. Beim Bau der Kirche ab 1670 war Brenner vermutlich der Palier der herausragenden Vorarlberger Baumeisters Michael Thumb.
Im Jahre 1694 arbeitet Prospero Brenno an der Stuckausstattung des Augustinerchorherrenstifts Wettenhausen im Trupp von Hans Jörg Brix. Brenno werden unter anderem die überlebensgrossen, vollplastisch gearbeiteten Engel im sogenannten Kaisersaal des Konventsgebäudes zugeschrieben. Aber es gibt auch Details in der Kirche im Bereich der Decke und des Orgelsprospektes, die zur stilistischen Handschrift von Brenno passen.

Decke im Kaisersaal des Augustinerchorherrenstifts Wettenhausen - © GvT


Giovanni Prospero Brenno stirbt am 18. Januar 1696 im Alter von 60 Jahren in Salorino. Sein Sohn Paolo Gerolamo überlebt ihn gerade einmal um zwei Jahre.


Quellen und Literatur

Heunoske, Werner, Tessiner Stuckatoren im Umkreis des Münchner Hofes: die Brüder Prospero und Giovanni Battista II. Brenno, in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 61/2, 2004, S. 117-142
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Brenni_Prospero.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Salorino - Stichwort: Persönlichkeiten
https://www.uibk.ac.at/aia/brenno_paolo.html
http://www.kirchen-fuehrer.info/franziskanerkirche-salzburg/fuehrung-durch-die-kirche/kapellenkranz.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanerkirche_(Salzburg)
https://www.erzbistum-muenchen.de/Pfarrei/PV-Tegernsee-Egern-Kreuth/cont/75205
Gabriele von Trauchburg, Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg (Kirchenführer ), Rechberg 2016

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 6: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Exotische Früchte in aufwändigen Gebinden

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 6: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Exotische Früchte in aufwändigen Gebinden


Beim Durchforsten der Literatur zu Prospero Brenno wird immer wieder deutlich, dass man bisher nicht in der Lage war, die Arbeiten von Prospero Brenno eindeutig zu identifizieren. Dies beginnt in der Theatinerkirche in München und setzt sich in der Klosterkirche Benediktbeuern fort. In beiden Fällen wird Brenno als untergeordneter Mitarbeiter betrachtet - in München als Mitarbeiter von Carlo Moretti Brentano und in Benediktbeuern von Niccolò Perti. Was war also jeweils Brennos Anteil bei der Gestaltung der beiden Kirchen?
Ausgangspunkt bei der Lösung dieser Fragestellung kann allein die Wallfahrtskirche Hohenrechberg sein, denn hier arbeitete Prospero Brenno entweder allein oder in engstem Zirkel mit seinen Söhnen und/oder Brüdern. Dies bedeutet, dass man hier die stilistische Handschrift von Prospero Brenno zu identifizieren vermag. Mit dem in dieser Kirche vorhandenen künstlerischen Repertoire sollte es möglich sein, seine Rolle sowohl in München und Benediktbeuern weiter zu erhellen. Zudem gibt es Orte, an denen bislang die Stuckatoren unbekannt sind - wie in der Klosterkirche von Tegernsee, die Arbeit jedoch sehr stark an Brenno erinnert. Möglicherweise helfen die hier neu zusammengetragenen Erkenntnisse weiter.

Mediterrane Flora auf 707 Metern über dem Meeresspiegel

Wenn man die Wallfahrtskirche zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg erstmals betritt, dann fallen zuerst die vielen Engel in unterschiedlichen Größen ins Auge. Erst nach und nach entdeckt man eine Fülle von mediterranen Pflanzen und Früchten. Sämtliche der im Langhaus der Wallfahrtskirche und an der besonders üppig ausgestatteten Kanzel zu entdeckenden Früchte sind für uns moderne Betrachter eine Selbstverständlichkeit. Wir finden sie beinahe täglich im Gemüseregal bei Fachhändlern und in Supermärkten. Für die ersten Betrachter nach Abschluss der Bauarbeiten 1689 müssen diese exotischen Früchte hingegen der Inbegriff vom Garten Eden gewesen sein. Überall konnte man sie finden, an den Kapitellen, über den Fenstern und besonders üppig, sozusagen in Reichweite am Kanzelkorb. Brenno hat die Früchte in unterschiedlichen Formen zusammengefügt.

Die Fruchtgirlande


Die Hohenrechberger Kanzel von 1689 - © GvT 


Zentrale Fruchtgirlande an der Hohenrechberger Kanzel  - © GvT

Die mittlere der prächtigen Fruchtgirlanden an der Hohenrechberger Kanzel ist kompakt gestaltet. Doch - was für Obstsorten sind das? Auf drei Ebenen sind scheinbar die unterschiedlichsten Früchte und Rosenblüten ineinander verflochten. Die unterste Ebene zeigt - von links nach rechts - eine aufgeschnittene Passionsfrucht, einen geöffneten Granatapfel und vier nebeneinander in ihrer Schale angeordneten Maronen. In der mittleren Ebene erkennt man einen Pfirsich, eine Rosenblüte, eine große Traube, eine weitere Rose und eine goldene Quitte oder Zitrone. Auf der obersten Ebene findet man zwei Äpfel, eine Artischocke, zwei Rosenblüten - getrennt durch ein Blatt, eine weitere Artischocke und einen Pfirsich. Gehalten wird die Fruchtgirlande von zwei zusammengebundenen Akanthusblatt-Büscheln.

Das Fruchtgebinde

Auf jedem der beiden Fenster in den Querarmen sitzt ein Putto. Der hält in seinen beiden Händen je ein Fruchtgebinde, das auf der Fensterrundung zu liegen kommt.

 © GvT

Wie schon bei der Girlande werden die Gebinde durch ein Bündel von Akanthusblättern gehalten. Auf der einen Seite strömen Trauben, Äpfel, Pfirsiche, Birnen, eine Sonnenblume und mehrere Rosenblüten aus den Gebinden.

© GvT


Auf der anderen Seite erkennt man außer den gerade genannten Früchten noch Maronen und einen Granatapfel. 

Einzelne Früchte als Bestandteil der Kompositkapitelle 

Zu den außergewöhnlichsten Details der Wallfahrtskirche Hohenrechberg gehören ihre Kapitelle. 
Kapitell mit Melone - © GvT
Kapitell mit Esskastanien - © GvT

 









Die Kapitelle besitzen einen gleichförmigen Aufbau. Aus jeder Ecken eines Kapitells wächst ein üppiges Akanthusblatt hervor. Im Raum dazwischen liegt eine Rosette aus kleinen Akanthusblättern, auf der eine Frucht liegt. Die Frucht wird von einem kleinen Putto mit ausgebreiteten Flügelchen bewacht.
Zahlreiche Früchte werden auf den Blattrosetten eines Kapitells präsentiert: die beiden Fotos zeigen eine Melone (links) und Maronen (rechts). Weiter entdeckt man Äpfel, Pfirsiche, einen Granatapfel, einen Wirsing (oder Welschkraut) und eine Sonnenblume.

 
  Bündel an Kapitellen mit einem Bund Spargel, einer Apfelquitte, einer Feige und einer Artischocke - © GvT

Das Bündel aus Pilastern mit Kapitellen im nordöstlichen Bereich der Vierung ist eines der beeindruckendsten Details in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg. Die kleinen Putti präsentieren hier ihren Betrachtern weitere mediterrane Köstlichkeiten - einen Bund Grünspargel, einen Apfel oder eine Apfelquitte, eine dunkelhäutige Feige und eine Artischocke

Das Früchterepertoire in Hohenrechberg

Sämtliche der in Hohenrechberg präsentierten Früchte wachsen im Mittelmeerraum oder im Tessin, der Heimat von Prospero Brenno
  • Zitrone
  • Granatapfel
  • Melone
  • Pfirsich
  • Birne
  • Quitte
  • Trauben
  • Maronen und 
  • Äpfel
Das gleiche gilt für die abgebildeten Gemüsesorten.
  • Artischocke, 
  • ein Bund Grünspargel und 
  • Wirsing oder Welschkraut.
Früchte und Gemüsesorten sollen dem Betrachter die Fülle von Gottesgaben aufzeigen. Diese Darstellungen entstanden in Hohenrechberg 1688, d.h. drei Jahre nach einer verheerenden Hungersnot. 

Die exotischen Früchte als Kennzeichen für Prospero Brennos Schaffen

Die in Hohenrechberg abgebildeten, naturnah gestalteten Früchte, Blüten und Gemüsesorten als Einzelstücke oder in Form von Girlanden oder Gebinden lassen sich als Beleg für die Arbeiten von Prospero Brenno verwenden. Früchte, Blumen und Gemüsesorten sind immer wiederkehrende Elemente in seinem Werk, wie nachfolgend anhand seines Schaffens in chronologischer Abfolge aufgezeigt wird.
  © GvT










München (1673-1675): Es finden sich unzählige Fruchtgirlanden und -gebinde im gesamten Gotteshaus der Theatinerkirche - vor allem an prominenter Stelle: als Abschluss des Hauptaltars im Chorgewölbe. Deutlich lassen sich Äpfel, Melonen, Maronen, Granatapfel und Pfirsiche in den Fruchtgirlanden und -gebinden erkennen. Sie sind in ähnlich naturnaher Gestaltung ausgeführt wie viele Jahre später in Hohenrechberg (1688-89). Beachtenswert sind zudem die Formen der Fruchtgebinde - länglich schmal oder kurz und kompakt.




© GvT









Salzburg (1679-1680):  Die Annenkapelle in der Franziskanerkirche von Salzburg wird bisher einem Paolo Brenno zugeschrieben, doch die stilistischen Merkmale sind diejenigen des Prospero Brenno - üppige Fruchtgirlanden mit Äpfeln, Trauben, Melonen, Wirsing Spargel ... - zudem dekoriert mit Sonnenblumen und Rosen.








Tegernsee (ab 1678):
Die ehemalige Kloster-und nunmehrige Pfarrkirche St. Quirinus wurde ab 1678 nach Plänen von Enrico Zucalli errichtet. Zucalli und Prospero Brenno kannten sich bereits aus München, denn jener hatte 1673 die Baustelle der Münchner Theatinerkirche übernommen, und ab diesem Zeitpunkt mit Prospero Brenno bis zu seinem Wechsel auf die Baustelle der Münchner Residenz 1675 zusammengearbeitet.
Die gesamten Stuckaturen in der ehemaligen Klosterkirche Tegernsee weisen deutliche Parallelen zu den bereits bekannten Arbeiten von Prospero Brenno auf. Überall erkennt man Fruchtgebinde im Bereich der Kuppel und im Deckenraum des Langhauses.
In der Forschung sind die ausführenden Künstler nicht bekannt. Doch aufgrund seiner spezifischen stilistischen Handschrift kommt Prospero Brenno hier als Stuckateur durchaus in Frage.

Benediktbeuern (1683-1686)
Zwischen 1683 und 1686 ist Prospero Brenno als Stuckateur - gemeinsam mit Niccolò Perti - in der Klosterkirche Benediktbeuern nachgewiesen. Offensichtlich kehrte Brenno ein zweites Mal dorthin zurück, als er 1689 dort das Refektorium mit Stuckaturen ausstattete.


Ausschnitt aus der Decke der Klosterkirche Benediktbeuern - © GvT
Schon beim ersten Blick ins Langhaus der Kirche entdeckte man - wie in Tegernsee - unzählige Fruchtgebinde, die das Deckengewölbe ausfüllen. Die Früchte sind detailliert dargestellt und fein ausgearbeitet. Deutlich erkennt man auf dem Foto im mittleren Gebinde den Bund Spargel, daneben eine Artischocke und eine Melone. In den beiden größeren Gebinden entlang der Kreuzgrate erkennt man noch Maronen, Granatäpfel, Äpfel und Trauben sowie Sonnenblumen und Rosen.
Bisher gilt in der Forschung die Meinung, dass die besonders gelungenen Stuckaturen Niccolo Pertì zuzuschreiben sind, während Prospero Brenno die minderwertigen anfertigte. Bisher wurde jedoch keine Grundlage für diese Forschungsmeinung ausgearbeitet. Die Zuschreibung an Pertì erfolgte wohl, weil sein Name bekannter als der von Brenno ist.  



  © GvT
Weggental (1688)

Wie in Hohenrechberg war auch bei der Wallfahrtskirche Weggental der Vorarlberger Valerian Brenner als Baumeister tätig. Prospero Brenno stattete gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Paolo und Giulio Francesco das Langhaus mit seinen wandständigen Pfeilern, Kapitellen und Gesimsen aus. Die Kapitelle sind ähnlich wie diejenigen in Hohenrechberg gestaltet. Der Unterschied besteht darin, dass aufgrund der Größe der Kapitelle der Engel nicht nur eine, sondern mehrere, zu einer kleinen Girlande zusammengefasste Früchte präsentiert.
Offensichtlich besaßen Prospero Brenno und Valerian Brenner nach Hohenrechberg nun auch in Weggental eine ähnliche Arbeitsverbindung wie zuvor Brenno und Zucalli in München und möglicherweise auch in Tegernsee. Bisher konnte noch nicht abschließend geklärt werden, ob nicht auch der Chorraum von Prospero Brenno und seinen Söhnen gestaltet wurde. Der 'Blick in den Himmel' im Chorgewölbe - eine weitere, nahezu gleichzeitige Interpretation dieses Themas nach Hohenrechberg - und einzelne Putti legen diese Vermutung durchaus nahe.

Birenbach (1689)
Wie in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg war Valerian Brenner auch der Baumeister in der benachbarten Wallfahrtskirche Birenbach. Ein drittes Mal arbeitete also der Baumeister mit dem Stuckateur und Bildhauer Prospero Brenno zusammen.
Von der ursprünglichen Stuckausstattung ist heute nichts mehr erhalten. Die nun in der Kirche vorhandenen Stuckelemente sind denen von Hohenrechberg nachempfunden.
Einen Hinweis darauf, dass die Kirche einst von Prospero Brenno ausgestattet wurde, findet sich heute an anderer Stelle - nämlich an der Kanzel - und wird später noch thematisiert.

Klosterkirche Weyarn (1687-1693)
Die Baugeschichte des ehemaligen Augustinerchorherrenstifts konzentriert sich auf den Baumeister und die lange nach der Errichtung entstandenen Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann und die Skulpturen von Franz Ignaz Günther.
Keine weitere Erwähnung finden die Hoch- und die Seitenaltäre. Betrachtet man sie genauer, so entdeckt man für Prospero und Francesco Brenno stilistisch typische Elemente wie Fruchtgirlanden am Hochaltar, Fruchtgebinde an den Seitenaltären, zudem noch für Francesco typische Elemente wie Vasen und Füllhörner mit Früchten. 

Bedeutung der Früchte im Werk von Prospero Brenno in ihrer chronologischen Entwicklung 

Die Symbolik der von Prospero Brenno angefertigten Fruchtgirlanden und -gebinde in den einzelnen Orten muss wohl unterschiedlich interpretiert werden.
Im Würzburger Rathaus besaß die Ausstattung repräsentativen Charakter. Sie zeigte das Selbstbewusstsein der Ratsherren vor allem gegenüber dem Würzburger Bischof.
In der Münchner Theatinerkirche diente die gesamte Austattung nur einem Zweck: Die Stiftung des kurbayerischen Herrscherpaares Ferdinand Maria und Henriette Adelaide sollte Ausdruck ihrer Dankbarkeit für die Geburt eines gesunden Thronfolgers und dem Lob Gottes dienen. Der Baumeister sollte zudem die Ideale des Theatinerordens in München in Form gießen.
Die Beschäftigung Brennos in der Residenz in München diente der fürstlichen Repräsentation aber auch der Lebensfreude und der kulturellen Ausdrucksweise der vom 30jährigen Krieg nicht in schwere Mitleidenschaft gezogenen italienischen Kultur.

Dem Lob Gottes dienten die Ausgestaltungen der Kirchen von Salzburg, Tegernsee und Benediktbeuern. In die Gestaltung von Hohenrechberg flossen zwei Überlegungen mit ein. Zum einen die Stiftung für die glückliche Rückkehr aus dem Krieg gegen die Türken auf dem Balkan, verbunden mit der Dankbarkeit, dass Mitteleuropa der Islamisierung entgangen war. Zum anderen entstand die Kirche kurz nach einer verheerenden Hungersnot zwischen 1680 und 1685. Die Darstellung der vielen exotischen Früche in Verbindung mit dem Blick in den Himmel musste den Betrachtern Trost und Motivation für ihren schweren Alltag sein. 

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 7: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Die Engelkariathiden

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 7: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Die Engelkariathiden


Die Methode des Vergleichs fundiert auf einer ausreichenden Menge an Vergleichsmaterial. Dieses Verfahren wurde in Bezug auf Prospero Brenno und sein Schaffen bisher nicht angewandt, weil zu wenig gesichertes Material zur Verfügung stand. Mancher Vergleich scheiterte daran, dass entweder die Namen der Künstler nicht bekannt sind - wie bei der ehemaligen Klosterkirche Tegernsee - oder aber die Künstlerinitialen auf unterschiedliche Weise gedeutet wurden - wie im Falle der Annenkapelle in der Franziskanerkirche von Salzburg.
Gerade die Stuckaturen in dieser Salzburger Kapelle bieten sich jedoch aufgrund zweier Elemente auf einzigartige Weise zum Vergleich mit Hohenrechberg an.
  • In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass der Altar der Kirche aus Stuck gearbeitet ist - genauso wie in Hohenrechberg. 
  • Zudem wird das Altarbild von zwei auffallenden Engeln begleitet. Sie sind ihrer Funktion nach Kariathiden - genauso wie in Hohenrechberg.
Altar der Annenkapelle in der Salzburger Franziskanerkirche von PB, 1680 - © GvT



Hochaltar der Wallfahrtskirche Hohenrechberg von Prospero Brenno, 1689 - © GvT

Diese erste Gegenüberstellung der beiden Altäre von Salzburg und Hohenrechberg zeigt bereits die großen stilistischen Übereinstimmung bei den Kariathidenengeln.
 

Prospero Brenno, Engelkariathide, linke
Seite - Hohenrechberg 1689 - © GvT

PB, Engelkariathide, rechte Seite - Salzburg 1680 - © GvT
  


Prospero Brenno, Engelkariathide, rechte Seite - © GvT
PB, Engelkariathide, linke Seite - © GvT

Die direkte Gegenüberstellung der Engelkariathiden in der Salzburger Franziskanerkirche und in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Kleidung aller Engel ist nahezu die gleiche. Sie tragen alle dieselben Stiefel mit ihren blumenförmigen Vorderknöpfen. Alle Engel tragen einen Unterrock, über dem ein mit Riemen besetzter Gürtel liegt. Der Körper ist durch einen Panzer geschützt. Die Salzburger Engel erhielten noch zusätzlich einen weiten Mantel. Alle vier Engel besitzen eine üppige Lockenpracht. Selbst die Form ihrer Flügel stimmt beim jeweiligen Engelpaar überein. 
Doch trotz aller bisher entdeckten Übereinstimmungen lassen sich die vier Engel in zwei Gruppen einteilen: der linke Hohenrechberger Engel und der rechte Salzburger Engel - sowie der rechte Hohenrechberger Engel und der linke Salzburger Engel. Deutlich geht dies aus der Haltung ihrer Arme hervor. Sie sind nicht exakt identisch geformt, aber in Form und Duktus doch sehr nah beieinander. 
Bei den beiden Hohenrechberger Engelkariathiden kennt man den Künstler. Die Heiligenrechnung der Wallfahrtskirche Hohenrechberg von 1688 enthält den Vertragsabschluss für die Altäre, anzufertigen durch Prospero Brenno. 
In Salzburg hingegen kennt man nur die Initialen des Künstlers: PB. Bisher wurde diese Signatur mit Paolo Brenno übersetzt. Gegen diese Hypothese spricht die Tatsache, dass es laut den bisherigen genealogischen Studien keinen ausgebildeten Stuckateur namens Paolo Brenno um 1680 gab.  Zudem lassen die hier festgestellten Übereinstimmungen bei der Gestaltung der Engelkariathiden eigentlich nur noch den einen Schluss zu, dass in Hohenrechberg und Salzburg derselben Künstler - Prospero Brenno - am Werk gewesen ist.  




Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 8: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Vermittler

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 8: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Vermittler

Betritt man die Hohenrechberger Wallfahrtskirche, so fallen dem Betrachter schnell die zahllosen kleinen, sich überall tummelnden Putti, die lebensgroßen an der Decke schwebenden Engel, die musizienden Engel auf dem Hochaltar und die überlebensgroßen begleitenden Engel an den Seitenaltären auf. Es sind insgesamt 150 an der Zahl.   

Engel als dekorative Elemente sind häufig im Barock anzutreffen. In Hohenrechberg sind sie in allen Größen vertreten. Dennoch müssen die großen Engel des Prospero Brenno eine besondere Aussagekraft besitzen, wenn sie sogar - wie in Kloster Wettenhausen geschehen - als Beleg für die Arbeiten des Künstlers herangezogen werden.
Betrachtet man die großen Engel intensiv, dann stellt man fest, dass sie überwiegend die Funktion als Vermittler von Glaubensinhalten ausüben. Ihre Aufgabe können sie dadurch erfüllen, dass sie mit ihrer Körperhaltung, ihrer Gestik und ihren Blicken den Betrachter auf die gewünschten Punkte aufmerksam werden lassen.

Gianlorenzo Berninis Ideen - umgesetzt bei Prospero Brenno

Bernini hatte zu Beginn der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein neues Konzept für die Gestaltung von Altären entwickelt. Für ihn waren die Altarbilder nicht mehr nur einfaches Abbild der Glaubensinhalte, sondern sie präsentierten den Gläubigen ein religiöses Ereignis. Die für die entsprechende Darstellung zur Verfügung stehenden, durchaus klassischen Mittel waren vielfältig: unterschiedliche Materialien, die Bewegtheit von involvierten Figuren und die Erzeugung eines räumlichen Erlebnisses (s. Teil 10 - Theatrum Sacrum).
Bernini hatte zusätzlich die Idee entwickelt, Engel als Vermittler von Glaubensinhalten einzusetzen, indem er sie - unterstützt durch Mimik und Gestik - die Altarbilder präsentieren ließ. Diese künstlerische Neuentwicklung findet man besonders deutlich im linken Querhausaltar in Santa Maria del Popolo in Rom, wo der linke Engel von Berninis Mitarbeiter Antonio Raggi, der ebenfalls aus dem Tessin stammte, ausgeführt wurde.

Santa Maria del Popolo - linker Querhausaltar. Heilige Familie - linker Engel von Antonio Raggi, dem langjährigen Werkstattmitglied von Gianlorenzo Bernini, um 1660 - © Peter 1936F

Ein wahres Meisterwerk ist der von Gianlorenzo Bernini entworfene Hochaltar in Sant'Andrea al Quirinale. Wieder führte sein langjähriger Mitarbeiter Antonia Raggi die großen Engel aus.

Sant'Andrea al Quirinale, Hochaltar, 1662-1665 - © sailko
Stellt man diesen beiden Meisterwerken die Hohenrechberger Seitenaltäre gegenüber, so lassen sich doch auffallende Parallelen in der Gestaltung mit dem Altar im linken Querhaus von Santa Maria del Popolo festhalten.


Hohenrechberg, rechter Seitenaltar, 1689 - © GvT

© GvT
In Hohenrechberg waren die Platzverhältnisse bei der Gestaltung der Seitenaltäre aufgrund der architektonischen Verhältnisse stark beschränkt, dennoch gelang es Prospero Brenno das von Bernini entworfene und von Antonio Raggi ausgearbeitete Vorbild des Rahmenhaltenden Engel von Santa Maria del Popolo hier umzusetzen.
Beide Engel blicken direkt zum Betrachter hin und versuchen seine Blicke zu fesseln. 
© Peter 1936F


Das Prinzip, den Betrachter mit Hilfe der Augen auf einen zentralen Punkt hinzuleiten, ist auf eindrucksvolle Weise am linken Seitenaltar umgesetzt worden.

Hochrechberg, linker Seitenaltar, Zustand 2017 - © GvT

Deutlich kann man dem Blick der beiden Engel, die den Bildrahmen halten, folgen. Doch nur der rechte Engel blickt ins Zentrum des Gemäldes, der linke Engel scheint ins Leere zu blicken. Wenn man jedoch die Entwicklung des Altars berücksichtigt, dann erhält man ein völlig anderes Ergebnis.

© GvT

Aus den Heiligenrechnungen der Wallfahrtskirche Hohenrechberg geht hervor, dass der Schwäbisch Gmünder Maler Johann Georg Heberle sämtliche Gemälde für die neue Kirche anfertigen sollte. Seine Aufgabe war es, auf den Deckengemälden und auf den Altarblättern der Seitenaltäre Szenen aus dem Marienleben darzustellen. 
Die Gemälde von Heberle sind heute nicht mehr erhalten, wohl aber kennt man die Themen der Deckengemälde aus den Heiligenrechnungen - Mariä Empfängnis, Mariä Heimsuchung, die Geburt Christi. Auf dem Hochaltar steht das Gnadenbild, das Maria mit dem kleinen Jesus auf dem Schoß zeigt. Im Gemäldekanon fehlen also noch die beiden wichtigen Szenen von der Grablegung sowie der Himmelfahrt Mariens und ihrer Krönung zur Himmelskönigin.  
Wie die beiden letzten Szenen wohl ausgesehen haben, zeigt eine in das Jahr 1686 datierte Sepiazeichnung im Schwäbisch Gmünder Museum 'Prediger'. Sie stammt von Johann Georg Heberle. Sie passt sowohl von den Proportionen wie auch von der Thematik her exakt zur Neugestaltung von Hohenrechberg, wie die obige Fotomontage zeigt. 


© GvT

Dargestellt ist die Himmelfahrt Mariens nach dem Vorbild von Peter Paul Rubens. Die rot markierten Blickwinkel der beiden Engel, die den Bildrahmen halten, stimmt mit den beiden Bildschwerpunkten überein: der linke Engel schaut in den leeren Sarkophag, der rechte Engel verfolgt die Krönung Mariens im Himmel.

Vor allem in der Gestaltung des linken Seitenaltars in der Wallfahrtskirche von Hohenrechberg sind die Ideen von Gianlorenzo Bernini zur Gestaltung von Altären verwirklicht. Die entsprechenden Vorbilder sind in Rom zu finden und datieren in die 1660er Jahre. Diese Beobachtung lässt nun die Vermutung aufkommen, dass Prospero Brenno sich in den 1660er Jahren in Rom aufhielt und möglicherweise eine gewisse Zeit lang in der Werkstatt von Bernini arbeitete.
Diese Beobachtung mag auch die Grundlage dafür sein, dass der scheinbar bedeutungslose 'Wanderarbeiter' Prospero Brenno als leitender Stuckateur auf der Baustelle der Theatinerkirche in München arbeiten konnte.

Francesco Brenno und die Rahmenhaltenden Engel   

Ein weiteres Mitglied aus der Stuckateur- und Bildhauerfamilie Brenno nutzte ebenfalls Rahmenhaltende Engel, um die Zuschauer auf das dargestellte Heilsgeschehen aufmerksam zu machen. Für die Kajetanerkirche fertigte Francesco Brenno 1686 einen Entwurf, der mit dem Vertrag vom 20. November 1686 bestätigt wurde. 

© Mattana
 
Francesco Brennos Gestaltung der großen Engel am Hochaltar in der Salzburger Kajetanerkirche erinnert besonders an Berninis Hochaltar in Sant'Andrea al Quirinale. Auch der hier benutzte große Vorhang gehört zum Stilrepertoire von Bernini.


Quellen und Literatur

- GRFAD, Heiligenrechnungen von Hohenrechberg
- Felix Ackermann, Die Altäre des Gianlorenzo Bernini - das barocke Altarensemble im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, Petersberg 2007
- Gabriele von Trauchburg, Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg, Donzdorf 2016
- Gabriele von Trauchburg, Die Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Gemeinsamt für Gott, hier im Blog
- Ramharter, Johannes, "Weil der Altar altershalben unförmblich und paufellig ...": Rechtsfragen zur Ausstattung von Sakralbauten im Salzburger Raum, Wien u.a. 1996 - https://books.google.de/books?id=9GxXntJ0JBEC&pg=PA127&lpg=PA127&dq=Salzburg+Kajetanerkirche+Brenno&source=bl&ots=oQWtnsX262&sig=Z23oAshEQmYJhlMpTZxOEI7cqBs&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi_8Litx97XAhVNKuwKHYNzBtgQ6AEIUjAK#v=onepage&q=Salzburg%20Kajetanerkirche%20Brenno&f=false










Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 9: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Träger oder Halter

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 9: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Träger oder Halter

Engel besitzen bei Prospero Brenno unterschiedliche Funktionen. In Teil 7 haben wir sie als Kariathiden und in Teil 8 als Vermittler des Heilsgeschehens kennengelernt. Aus diesem Grunde treten sie häufig auch als Träger von Bildrahmen auf und lenken somit die Augen ihrer Betrachter auf den gewünschten Schwerpunkt. Mit Hilfe dieser Gestaltungsweise geht Prospero Brenno noch einen Schritt weiter und setzt das Gestaltungsprinzip Berninis nicht nur im Altarraum, sondern im gesamten Kirchenrein als stilistisches Mittel ein.  


Engel als Träger von Bildrahmen


© GvT
Im Deckengewölbe des Hauptraumes und des Chores in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg schweben rings um die drei großen Bildkartuschen jeweils vier große Engel. Ihre Aufgabe ist es, scheinbar die Kartuschen so zu halten, dass der Betrachter der (ehemaligen) Bilder sich in aller Ruhe dem Bildinhalt widmen konnte.
Die von Brenno gestalteten Engel besitzen alle charakteristische Gesichtszüge, eine üppige Lockenpracht und leichte, flatternde Gewänder. Sie weisen starke Ähnlichkeiten mit denen über den Seitenkapellen in der Franziskanerkirche von Salzburg und denen in der Klosterkirche Benediktbeuern auf.


© GvT

© GvT




Engel als Träger von Wappen 

Hohenrechberg 1688 - © GvT

Betrachtet man innerhalb des bisher bekannte Werkes von Prospero Brenno die Gruppe der Engel als Träger von Wappen, so ist deutlich zu erkennen, dass er in dieser Gruppe mehrere Varianten - meist abhängig vom Platz -  entwickelt hatte.
In der Wallfahrtskirche Hohenrechberg gestaltete er zwei Putti mit vollständigen Körpern, kurzen Flügeln, kleinen rundlichen Gesichtchen und üppigem kurzen Lockenhaar.





Theatinerkirche München, 1673-1675 -   © GvT
Die Abhängigkeit der Gestaltung vom Platzangebot wird besonders am Hochaltar der Theatinerkirche in München sichtbar. Hier fand nur ein Putto mit vollständigem Körper zwischen dem Allianzwappen des bayerischen Kurfürstenpaares Platz. Der Kopf des Putto ist geneigt, denn auf seinem Rücken ruht der für ihn offenbar schwer zu tragende Kurfürstenhut. Der Putto übernimmt hier die Rolle eines Kariathiden. Unterhalb des Allianzwappens und zu beiden Seiten des Altarbildes kann man versteckt zwei weitere Engelchen entdecken, die jeweils einen Arm so angewickelt halten, als ob sie die Wappenkartusche stützen.
 

Theatinerkirche München 1673-1675 - © GvT

In der Münchner Theatinerkirche findet sich im Fries des Langhauses eine Darstellung, in der zwei Engel den bayerischen Kurfürstenhut halten. Wie in Hohenrechberg besitzen diese Münchner Engelchen einen vollständigen Körper, kurze Flügel und volles kurzes Lockenhaar







Annenkapelle in der Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT
In den Seitenkapellen der Salzburger Franziskanerkirche hat der Stuckateur PB an mehreren Stellen Engel gestaltet, die die Wappen der Kapellenstifter oder eine Kartusche halten oder tragen.
Wieder findet man Engel mit vollständigen Körpern, kurzen Flügelchen und vollem, kurzem Lockenhaar. Zudem halten beiden Engel auch noch die Brenno-typische Fruchtgirlande.
Seitenkapelle in der Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT
In einer weiteren Seitenkapelle dieser Kirche findet man wiederum zwei Putti ein Wappen halt
end. Diese beiden besitzen jedoch keine kurzen Flügelchen, ansonsten weisen sie alle Gestaltungsmerkmale der kleinen Brenno-Engel auf.  

Klosterkirche Benediktbeuern, 1687 - © GvT



In der großen Klosterkirche von Benediktbeuern wird das Wappen des Bauherrnvon zwei großen Engeln gehalten. Sie besitzen große Flügel, wehende Gewänder und kurze, üppige Locken










Neben den Furchtgirlanden und -bouquets sind es vor allem die Engel, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, die Werke von Prospero Brenno zu identifizieren. Sie besitzen in erster Linie eine charakteristische Gesichtsform und Haarpracht.  

Engel als Halter von Girlanden


Engel über dem Fenster im Querarm, Hohenrechberg 1688 - © GvT
Im dekorativen Werk von Prospero Brenno findet sich ein mehrfach wiederkehrendes Element: Ein kleiner Engel, der in jeder Hand eine Fruchtgirlande hält. Diesen Putto findet man in sitzender Weise auf der Spitze eines Fensterbogens (in Hohenrechberg), auf der Spitze eines Altares (in der Theatinerkirche München und in der Klosterkirche Weyarn) und über einem Altarbild (Franziskanerkirche Salzburg).  



Theatinerkirche München, Spitze des Hochaltares, 1673-1675 - © GvT

















Engel in der Spitze des Seitenaltares, Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT



















Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 11: Die Kanzel

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 11: Die Kanzel

Doppelte Kunst - Stuckateur und Bildhauer
Wir haben Prospero Brenno bisher als einen vielseitigen Stuckateur kennengelernt. Wir haben die Arbeitsweise in diesem Beruf im 17. Jahrhundert kennengelernt und dabei erfahren, dass ein Stuckateur auch über eine bildhauerische Ausbildung verfügen musste, wollte er eigenständig arbeiten (s. Teil 5).
Prospero Brenno hatte 1688 den Vertrag zur Errichtung der Altäre und der Kanzel erhalten. Aus diesem Grund ging man bisher davon aus, dass Prospero Brenno auch die aus Holz gearbeitete Kanzel angefertigt hatte. Ein Detail passt nicht in die bisherige Argumentation: Die Signatur am Kanzelfuß:

▴Signatur an der Kanzel der Wallfahrtskirche von Hohenrechberg - I▴ F▴ B ▴S ▴F ▴A 16▴89 - © GvT
   
Diese Signatur lautet: I▴F▴B▴S▴F▴A 16▴89. Bisher dachte man wohl, dass der zweite Buchstabe der Signatur ein 'P' sein musste und vielleicht ein Stück ausgebrochen ist. Doch beim genauen Hinsehen erkennt man eindeutig, dass sowohl der 2. Buchstabe wie auch der 5. Buchstabe der Signatur zweifellos dieselben sind und ein 'F' darstellen. Somit heißt die neue Signatur in aufgelöster Form: I(ulio?) Francesco Brenno Salorino Fecit Anno 1689.

Wer war Francesco Brenno? 

Die Familiengenealogie der Brenno ist verwirrend und deshalb nur schwer als Argumentationshilfe zu benutzen. Dennoch sollen hier die beiden Träger des Namens Franceso Brenno vorgestellt werden.

Giulio Francesco Brenno (24.10.1667 - 22.5.1694)
Der in Salorino (Tessin, Ch) geborene Giulio Francesco Brenno war der Sohn von Prospero Brenno. Nach dem Tod seines Vaters arbeitet er bei seinem Onkel Giovanni Battista II. Brenno im Kloster Ebrach, wo er 1693 seine erste eigene Entlohnung erhielt. In diesem Kloster stuckierte er die Prälatenkapelle im nördlichen Abteiflügel und für die Decke des Lektorats, gleichzeitig werden ihm weitere Stuckaturarbeiten im «Neuen Bau» und der Johannesaltar in der Stiftskirche übertragen. Ein Jahr später verstarb er aufgrund einer langwierigen Krankheit. Es ist durchaus möglich, dass Giulio Francesco im Alter von 21 Jahren gemeinsam mit seinem Vater von 1688 bis 1689 in Hohenrechberg tätig war.

Francesco Brenno (1644 - 1696)
Der ebenfalls in Salorina geborene Francesco Brenno war der Sohn eines nicht weiter bekannten Giovanni Battista I. Brenno dargestellt. Francesco arbeitete 1678-80 an der Ausstattung der Domstiftskirche Herrenchiemsee, war vielleicht 1680 bei der Barockisierung des Chores der Franziskanerkirche Salzburg beteiligt, im Schloss Hohenaschau stuckierte Francesco unter der Bauleitung von Enrico Zucalli bis 1682. Anschließend arbeitete um 1685 in Moosdorf. Danach arbeitete Frencesco gemeinsam mit seinem Bruder Carlo Antonio in Salzburg, zuerst an der Kajetanerkirche und unter der Bauleitung von Giovanni Gaspare Zucalli an der St. Erhard-Kirche.
Der Wechsel auf dem Stuhl des Erzbischofs von Salzburg von Maximilian Gandoph Graf von Kuenburg hin zu Johann Ernst von Thun hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Francesco Brenno: Thun entließ die italienischen Baumeister und Künstler, um deren künstlerische Vorherrschaft zu brechen. Die Brüder Francesco und Carlo Antonio prozessierten zwar gegen die Aufkündigung ihres Vertrages und konnten schließlich nach 1689 wenigstens noch St. Erhard zum Abschluss bringen, doch ihre Zeit in Salzburg war im Grunde genommen noch 1687 beendet. Der 44jährige Francesco Brenno hätte also genügend Zeit zur Verfügung gestanden, seine Arbeit in Hohenrechberg fortzusetzen.
Meiner Meinung nach kommt eher der 44jährige Francesco als Künstler der Hohenrechberger Kanzel in Frage, denn er verfügte über deutlich mehr bildnerische Erfahrung sein sein 21jähriger Neffe. Möglicherweise kommt Francesco Brenno auch als Künstler der beiden Beichtstühle in Frage, denn deren Bildhauer wird in den Heiligenrechnungen nicht genannt.

Der Aufbau der Kanzel


Der Aufbau der Kanzel steckt voller Symbolik. Es ist spannend, diese Schritt für Schritt aufzudecken.

  © GvT



Der Kanzelboden 
Der Boden ist als die Hälfte einer Perlmuschel geformt. Diese Muschel - die auch an der Spitze der Sitzwangen wiederkehrt - ist ein Mariensymbol. Der Muschelboden wird durch vier aus Lilienblüten bestehende Bänder untergliedert. Die Lilienblüten sind ein weiteres Mariensymbol.
Zwischen den Lilienbändern hängen große, üppige, feingliedrig ausgearbeitete Fruchtgirlanden (vgl. Teil 6).

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 Die Kanzelbrüstung

 © GvT

Von der Kanzel wird das Wort Gottes verkündet. Kein Wunder, dass man dort die vier Autoren des Evangelien findet (von links nach rechts):
  1. Lukas mit dem Stier 
  2. Matthäus mit dem Menschen
  3. Markus mit dem Löwen
  4. Johannes mit dem Adler 
Jeder der vier Evangelisten trägt fein herausgearbeitete Gesichtszüge. Die Evangelisten sitzen auf dem Muschelrand, lehnen mit dem Rücken an der Kanzelbrüstung und sind im Schreiben vertieft.

Der sinnierende Evangelist Johannes, 1689 - © GvT


Die Hohenrechberger Kanzel als Vorbild für die Kanzel in Deggingen  

Offensichtlich beeindruckte die Hohenrechberger Kanzel die Zeitgenossen in der näheren Umgebung. Dies zeigt sich besonders in der Gestaltung der Kanzel von Heilig-Kreuz in Deggingen.


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Wie in Hohenrechberg wird der Boden der Kanzel von einer Muschelhälfte gebildet. Ebenso wird die Muschelhälfte durch Lilienbänder gegliedert. In den Räumen zwischen den Lilienbändern sind wie in Hohenrechberg üppige Fruchtgebinde angebracht.

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Wie in Hohenrechberg sind es Figuren, die auf dem Muschelrand sitzen. Anders als in Hohenrechberg handelt es sich hier jedoch nicht um die vier Evangelisten, sondern um die vier Kirchenväter. Anhand ihrer Attribute erkennt man:
  1. Papst Gregor den Großen
  2. den Heiligen Augustinus - Bischof von Hippo in Nordafrika
  3. den Heiligen Ambrosius - Bischof von Mailand und 
  4. den Heiligen Hieronymus

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Der Schalldeckel in Deggingen verdient besondere Aufmerksamkeit. Er ist eine eigenständige Gestaltung, die die Elemente aus dem Kanzelkorb - Fruchtgirlanden, Akanthusblätter und kleine Putti - noch einmal aufnimmt und neu kombiniert.

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Die Rezeption der Hohenrechberger Kanzel in Heilig-Kreuz in Deggingen geht auf die bestehenden herrschaftlichen Verbindungen zurück. Gleich nach dem Verkauf der Herrschaft Wiesenstein an das Kurfürstentum Bayern in den 1660er Jahren, zu der damals auch Deggingen gehörte, belehnte der bayerische Kurfürst die Familie Rechberg mit der Ausübung der Herrschaftsgewalt. Dieses Herrschaftsverhältnis dauerte bis zur Säkularisierung 1806 an.   

Quellen und Literatur

http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Brenni_Giulio_Francesco.html
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Brenni_Francesco.html
https://www.uibk.ac.at/aia/brenno_francesco.html
Ulrich Hägele, Weit über die Grenzen hinaus bekannt - Die Stuckateur- und Bildhauerfamilie Schweizer, in: Deggingen und Reichenbach im Täle - ein Heimatbuch, Deggingen 2011, S. 241-261

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