Montag, 1. Januar 2018

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 7: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Die Engelkariathiden

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 7: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Die Engelkariathiden


Die Methode des Vergleichs fundiert auf einer ausreichenden Menge an Vergleichsmaterial. Dieses Verfahren wurde in Bezug auf Prospero Brenno und sein Schaffen bisher nicht angewandt, weil zu wenig gesichertes Material zur Verfügung stand. Mancher Vergleich scheiterte daran, dass entweder die Namen der Künstler nicht bekannt sind - wie bei der ehemaligen Klosterkirche Tegernsee - oder aber die Künstlerinitialen auf unterschiedliche Weise gedeutet wurden - wie im Falle der Annenkapelle in der Franziskanerkirche von Salzburg.
Gerade die Stuckaturen in dieser Salzburger Kapelle bieten sich jedoch aufgrund zweier Elemente auf einzigartige Weise zum Vergleich mit Hohenrechberg an.
  • In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass der Altar der Kirche aus Stuck gearbeitet ist - genauso wie in Hohenrechberg. 
  • Zudem wird das Altarbild von zwei auffallenden Engeln begleitet. Sie sind ihrer Funktion nach Kariathiden - genauso wie in Hohenrechberg.
Altar der Annenkapelle in der Salzburger Franziskanerkirche von PB, 1680 - © GvT



Hochaltar der Wallfahrtskirche Hohenrechberg von Prospero Brenno, 1689 - © GvT

Diese erste Gegenüberstellung der beiden Altäre von Salzburg und Hohenrechberg zeigt bereits die großen stilistischen Übereinstimmung bei den Kariathidenengeln.
 

Prospero Brenno, Engelkariathide, linke
Seite - Hohenrechberg 1689 - © GvT

PB, Engelkariathide, rechte Seite - Salzburg 1680 - © GvT
  


Prospero Brenno, Engelkariathide, rechte Seite - © GvT
PB, Engelkariathide, linke Seite - © GvT

Die direkte Gegenüberstellung der Engelkariathiden in der Salzburger Franziskanerkirche und in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Kleidung aller Engel ist nahezu die gleiche. Sie tragen alle dieselben Stiefel mit ihren blumenförmigen Vorderknöpfen. Alle Engel tragen einen Unterrock, über dem ein mit Riemen besetzter Gürtel liegt. Der Körper ist durch einen Panzer geschützt. Die Salzburger Engel erhielten noch zusätzlich einen weiten Mantel. Alle vier Engel besitzen eine üppige Lockenpracht. Selbst die Form ihrer Flügel stimmt beim jeweiligen Engelpaar überein. 
Doch trotz aller bisher entdeckten Übereinstimmungen lassen sich die vier Engel in zwei Gruppen einteilen: der linke Hohenrechberger Engel und der rechte Salzburger Engel - sowie der rechte Hohenrechberger Engel und der linke Salzburger Engel. Deutlich geht dies aus der Haltung ihrer Arme hervor. Sie sind nicht exakt identisch geformt, aber in Form und Duktus doch sehr nah beieinander. 
Bei den beiden Hohenrechberger Engelkariathiden kennt man den Künstler. Die Heiligenrechnung der Wallfahrtskirche Hohenrechberg von 1688 enthält den Vertragsabschluss für die Altäre, anzufertigen durch Prospero Brenno. 
In Salzburg hingegen kennt man nur die Initialen des Künstlers: PB. Bisher wurde diese Signatur mit Paolo Brenno übersetzt. Gegen diese Hypothese spricht die Tatsache, dass es laut den bisherigen genealogischen Studien keinen ausgebildeten Stuckateur namens Paolo Brenno um 1680 gab.  Zudem lassen die hier festgestellten Übereinstimmungen bei der Gestaltung der Engelkariathiden eigentlich nur noch den einen Schluss zu, dass in Hohenrechberg und Salzburg derselben Künstler - Prospero Brenno - am Werk gewesen ist.  




Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 8: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Vermittler

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 8: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Vermittler

Betritt man die Hohenrechberger Wallfahrtskirche, so fallen dem Betrachter schnell die zahllosen kleinen, sich überall tummelnden Putti, die lebensgroßen an der Decke schwebenden Engel, die musizienden Engel auf dem Hochaltar und die überlebensgroßen begleitenden Engel an den Seitenaltären auf. Es sind insgesamt 150 an der Zahl.   

Engel als dekorative Elemente sind häufig im Barock anzutreffen. In Hohenrechberg sind sie in allen Größen vertreten. Dennoch müssen die großen Engel des Prospero Brenno eine besondere Aussagekraft besitzen, wenn sie sogar - wie in Kloster Wettenhausen geschehen - als Beleg für die Arbeiten des Künstlers herangezogen werden.
Betrachtet man die großen Engel intensiv, dann stellt man fest, dass sie überwiegend die Funktion als Vermittler von Glaubensinhalten ausüben. Ihre Aufgabe können sie dadurch erfüllen, dass sie mit ihrer Körperhaltung, ihrer Gestik und ihren Blicken den Betrachter auf die gewünschten Punkte aufmerksam werden lassen.

Gianlorenzo Berninis Ideen - umgesetzt bei Prospero Brenno

Bernini hatte zu Beginn der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein neues Konzept für die Gestaltung von Altären entwickelt. Für ihn waren die Altarbilder nicht mehr nur einfaches Abbild der Glaubensinhalte, sondern sie präsentierten den Gläubigen ein religiöses Ereignis. Die für die entsprechende Darstellung zur Verfügung stehenden, durchaus klassischen Mittel waren vielfältig: unterschiedliche Materialien, die Bewegtheit von involvierten Figuren und die Erzeugung eines räumlichen Erlebnisses (s. Teil 10 - Theatrum Sacrum).
Bernini hatte zusätzlich die Idee entwickelt, Engel als Vermittler von Glaubensinhalten einzusetzen, indem er sie - unterstützt durch Mimik und Gestik - die Altarbilder präsentieren ließ. Diese künstlerische Neuentwicklung findet man besonders deutlich im linken Querhausaltar in Santa Maria del Popolo in Rom, wo der linke Engel von Berninis Mitarbeiter Antonio Raggi, der ebenfalls aus dem Tessin stammte, ausgeführt wurde.

Santa Maria del Popolo - linker Querhausaltar. Heilige Familie - linker Engel von Antonio Raggi, dem langjährigen Werkstattmitglied von Gianlorenzo Bernini, um 1660 - © Peter 1936F

Ein wahres Meisterwerk ist der von Gianlorenzo Bernini entworfene Hochaltar in Sant'Andrea al Quirinale. Wieder führte sein langjähriger Mitarbeiter Antonia Raggi die großen Engel aus.

Sant'Andrea al Quirinale, Hochaltar, 1662-1665 - © sailko
Stellt man diesen beiden Meisterwerken die Hohenrechberger Seitenaltäre gegenüber, so lassen sich doch auffallende Parallelen in der Gestaltung mit dem Altar im linken Querhaus von Santa Maria del Popolo festhalten.


Hohenrechberg, rechter Seitenaltar, 1689 - © GvT

© GvT
In Hohenrechberg waren die Platzverhältnisse bei der Gestaltung der Seitenaltäre aufgrund der architektonischen Verhältnisse stark beschränkt, dennoch gelang es Prospero Brenno das von Bernini entworfene und von Antonio Raggi ausgearbeitete Vorbild des Rahmenhaltenden Engel von Santa Maria del Popolo hier umzusetzen.
Beide Engel blicken direkt zum Betrachter hin und versuchen seine Blicke zu fesseln. 
© Peter 1936F


Das Prinzip, den Betrachter mit Hilfe der Augen auf einen zentralen Punkt hinzuleiten, ist auf eindrucksvolle Weise am linken Seitenaltar umgesetzt worden.

Hochrechberg, linker Seitenaltar, Zustand 2017 - © GvT

Deutlich kann man dem Blick der beiden Engel, die den Bildrahmen halten, folgen. Doch nur der rechte Engel blickt ins Zentrum des Gemäldes, der linke Engel scheint ins Leere zu blicken. Wenn man jedoch die Entwicklung des Altars berücksichtigt, dann erhält man ein völlig anderes Ergebnis.

© GvT

Aus den Heiligenrechnungen der Wallfahrtskirche Hohenrechberg geht hervor, dass der Schwäbisch Gmünder Maler Johann Georg Heberle sämtliche Gemälde für die neue Kirche anfertigen sollte. Seine Aufgabe war es, auf den Deckengemälden und auf den Altarblättern der Seitenaltäre Szenen aus dem Marienleben darzustellen. 
Die Gemälde von Heberle sind heute nicht mehr erhalten, wohl aber kennt man die Themen der Deckengemälde aus den Heiligenrechnungen - Mariä Empfängnis, Mariä Heimsuchung, die Geburt Christi. Auf dem Hochaltar steht das Gnadenbild, das Maria mit dem kleinen Jesus auf dem Schoß zeigt. Im Gemäldekanon fehlen also noch die beiden wichtigen Szenen von der Grablegung sowie der Himmelfahrt Mariens und ihrer Krönung zur Himmelskönigin.  
Wie die beiden letzten Szenen wohl ausgesehen haben, zeigt eine in das Jahr 1686 datierte Sepiazeichnung im Schwäbisch Gmünder Museum 'Prediger'. Sie stammt von Johann Georg Heberle. Sie passt sowohl von den Proportionen wie auch von der Thematik her exakt zur Neugestaltung von Hohenrechberg, wie die obige Fotomontage zeigt. 


© GvT

Dargestellt ist die Himmelfahrt Mariens nach dem Vorbild von Peter Paul Rubens. Die rot markierten Blickwinkel der beiden Engel, die den Bildrahmen halten, stimmt mit den beiden Bildschwerpunkten überein: der linke Engel schaut in den leeren Sarkophag, der rechte Engel verfolgt die Krönung Mariens im Himmel.

Vor allem in der Gestaltung des linken Seitenaltars in der Wallfahrtskirche von Hohenrechberg sind die Ideen von Gianlorenzo Bernini zur Gestaltung von Altären verwirklicht. Die entsprechenden Vorbilder sind in Rom zu finden und datieren in die 1660er Jahre. Diese Beobachtung lässt nun die Vermutung aufkommen, dass Prospero Brenno sich in den 1660er Jahren in Rom aufhielt und möglicherweise eine gewisse Zeit lang in der Werkstatt von Bernini arbeitete.
Diese Beobachtung mag auch die Grundlage dafür sein, dass der scheinbar bedeutungslose 'Wanderarbeiter' Prospero Brenno als leitender Stuckateur auf der Baustelle der Theatinerkirche in München arbeiten konnte.

Francesco Brenno und die Rahmenhaltenden Engel   

Ein weiteres Mitglied aus der Stuckateur- und Bildhauerfamilie Brenno nutzte ebenfalls Rahmenhaltende Engel, um die Zuschauer auf das dargestellte Heilsgeschehen aufmerksam zu machen. Für die Kajetanerkirche fertigte Francesco Brenno 1686 einen Entwurf, der mit dem Vertrag vom 20. November 1686 bestätigt wurde. 

© Mattana
 
Francesco Brennos Gestaltung der großen Engel am Hochaltar in der Salzburger Kajetanerkirche erinnert besonders an Berninis Hochaltar in Sant'Andrea al Quirinale. Auch der hier benutzte große Vorhang gehört zum Stilrepertoire von Bernini.


Quellen und Literatur

- GRFAD, Heiligenrechnungen von Hohenrechberg
- Felix Ackermann, Die Altäre des Gianlorenzo Bernini - das barocke Altarensemble im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, Petersberg 2007
- Gabriele von Trauchburg, Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schönen Maria auf dem Hohenrechberg, Donzdorf 2016
- Gabriele von Trauchburg, Die Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Gemeinsamt für Gott, hier im Blog
- Ramharter, Johannes, "Weil der Altar altershalben unförmblich und paufellig ...": Rechtsfragen zur Ausstattung von Sakralbauten im Salzburger Raum, Wien u.a. 1996 - https://books.google.de/books?id=9GxXntJ0JBEC&pg=PA127&lpg=PA127&dq=Salzburg+Kajetanerkirche+Brenno&source=bl&ots=oQWtnsX262&sig=Z23oAshEQmYJhlMpTZxOEI7cqBs&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi_8Litx97XAhVNKuwKHYNzBtgQ6AEIUjAK#v=onepage&q=Salzburg%20Kajetanerkirche%20Brenno&f=false










Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 9: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Träger oder Halter

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 9: Prospero Brenno und seine stilistische Handschrift - Engel als Träger oder Halter

Engel besitzen bei Prospero Brenno unterschiedliche Funktionen. In Teil 7 haben wir sie als Kariathiden und in Teil 8 als Vermittler des Heilsgeschehens kennengelernt. Aus diesem Grunde treten sie häufig auch als Träger von Bildrahmen auf und lenken somit die Augen ihrer Betrachter auf den gewünschten Schwerpunkt. Mit Hilfe dieser Gestaltungsweise geht Prospero Brenno noch einen Schritt weiter und setzt das Gestaltungsprinzip Berninis nicht nur im Altarraum, sondern im gesamten Kirchenrein als stilistisches Mittel ein.  


Engel als Träger von Bildrahmen


© GvT
Im Deckengewölbe des Hauptraumes und des Chores in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg schweben rings um die drei großen Bildkartuschen jeweils vier große Engel. Ihre Aufgabe ist es, scheinbar die Kartuschen so zu halten, dass der Betrachter der (ehemaligen) Bilder sich in aller Ruhe dem Bildinhalt widmen konnte.
Die von Brenno gestalteten Engel besitzen alle charakteristische Gesichtszüge, eine üppige Lockenpracht und leichte, flatternde Gewänder. Sie weisen starke Ähnlichkeiten mit denen über den Seitenkapellen in der Franziskanerkirche von Salzburg und denen in der Klosterkirche Benediktbeuern auf.


© GvT

© GvT




Engel als Träger von Wappen 

Hohenrechberg 1688 - © GvT

Betrachtet man innerhalb des bisher bekannte Werkes von Prospero Brenno die Gruppe der Engel als Träger von Wappen, so ist deutlich zu erkennen, dass er in dieser Gruppe mehrere Varianten - meist abhängig vom Platz -  entwickelt hatte.
In der Wallfahrtskirche Hohenrechberg gestaltete er zwei Putti mit vollständigen Körpern, kurzen Flügeln, kleinen rundlichen Gesichtchen und üppigem kurzen Lockenhaar.





Theatinerkirche München, 1673-1675 -   © GvT
Die Abhängigkeit der Gestaltung vom Platzangebot wird besonders am Hochaltar der Theatinerkirche in München sichtbar. Hier fand nur ein Putto mit vollständigem Körper zwischen dem Allianzwappen des bayerischen Kurfürstenpaares Platz. Der Kopf des Putto ist geneigt, denn auf seinem Rücken ruht der für ihn offenbar schwer zu tragende Kurfürstenhut. Der Putto übernimmt hier die Rolle eines Kariathiden. Unterhalb des Allianzwappens und zu beiden Seiten des Altarbildes kann man versteckt zwei weitere Engelchen entdecken, die jeweils einen Arm so angewickelt halten, als ob sie die Wappenkartusche stützen.
 

Theatinerkirche München 1673-1675 - © GvT

In der Münchner Theatinerkirche findet sich im Fries des Langhauses eine Darstellung, in der zwei Engel den bayerischen Kurfürstenhut halten. Wie in Hohenrechberg besitzen diese Münchner Engelchen einen vollständigen Körper, kurze Flügel und volles kurzes Lockenhaar







Annenkapelle in der Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT
In den Seitenkapellen der Salzburger Franziskanerkirche hat der Stuckateur PB an mehreren Stellen Engel gestaltet, die die Wappen der Kapellenstifter oder eine Kartusche halten oder tragen.
Wieder findet man Engel mit vollständigen Körpern, kurzen Flügelchen und vollem, kurzem Lockenhaar. Zudem halten beiden Engel auch noch die Brenno-typische Fruchtgirlande.
Seitenkapelle in der Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT
In einer weiteren Seitenkapelle dieser Kirche findet man wiederum zwei Putti ein Wappen halt
end. Diese beiden besitzen jedoch keine kurzen Flügelchen, ansonsten weisen sie alle Gestaltungsmerkmale der kleinen Brenno-Engel auf.  

Klosterkirche Benediktbeuern, 1687 - © GvT



In der großen Klosterkirche von Benediktbeuern wird das Wappen des Bauherrnvon zwei großen Engeln gehalten. Sie besitzen große Flügel, wehende Gewänder und kurze, üppige Locken










Neben den Furchtgirlanden und -bouquets sind es vor allem die Engel, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, die Werke von Prospero Brenno zu identifizieren. Sie besitzen in erster Linie eine charakteristische Gesichtsform und Haarpracht.  

Engel als Halter von Girlanden


Engel über dem Fenster im Querarm, Hohenrechberg 1688 - © GvT
Im dekorativen Werk von Prospero Brenno findet sich ein mehrfach wiederkehrendes Element: Ein kleiner Engel, der in jeder Hand eine Fruchtgirlande hält. Diesen Putto findet man in sitzender Weise auf der Spitze eines Fensterbogens (in Hohenrechberg), auf der Spitze eines Altares (in der Theatinerkirche München und in der Klosterkirche Weyarn) und über einem Altarbild (Franziskanerkirche Salzburg).  



Theatinerkirche München, Spitze des Hochaltares, 1673-1675 - © GvT

















Engel in der Spitze des Seitenaltares, Franziskanerkirche Salzburg, 1680 - © GvT



















Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 10: Das Theatrum Sacrum

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg


Teil 10: Das Theatrum Sacrum



Die neue Idee des Gianlorenzo Bernini

Der berühmte römische Bildhauer und Architekt Gianlorenzo Bernini formte in den 1650er und 1660er Jahren die Idee, die bis dahin zweidimensionale Darstellung des Heilsgeschehen dadurch lebendiger zu machen, dass er eine dritte Dimension einführte. Zu diesem Zweck begann er den Altar in den Chorraum hereinzurücken und die gesamte Umgebung des Altares in die Darstellung des Heilsgeschehens mit einzubeziehen. Die Grundlagen des Theatrum Sacrum waren gelegt. Erster Höhepunkte dieser neuen Gestaltungsideen ist die Kirche Sant'Andrea al Quirinale in Rom.

Berninis Ideen und ihre Umsetzung durch Prospero Brenno

Prospero Brenno kannte ganz offensichtlich Berninis neue Ideen zur Gestaltung von Altären. Doch in Hohenrechberg besaß er erstmals die Gelegenheit, diese auch anzuwenden. Betrachtet man den Altarraum beim Betreten der Kirche, dann gewinnt man den Eindruck, dass er vom Boden bis zum Engel, der den großen Vorhang hält, aus einem zusammenhängenden Stück gearbeitet ist. Sogar die drei über dem Altar an der Decke schwebenden, die Szenerie beobachtenden Engel bilden zusätzlich den erweiterten Altarraum.  

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Gianlorenzo Bernini ist bei seinen Altarprojekten immer davon ausgegangen, dass es einen idealen Standort gibt, von dem aus das dargestellte Heilsgeschehen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. Verändert der Betrachter seine Position innerhalb des Kirchenraumes, entdeckt er neue Aspekte des dargestellten Geschehens.
Um diesen Effekt zu erzielen, arrangierte Gianlorenzo Bernini den Chorraum auf völlig neue Weise. Zunächst rückte er den Altar deutlich in den Chorraum herein. Diesem Gestaltungsprinzip folgte auch Prospero Brenno in Hohenrechberg.

© GvT
Ein Blick hinter den Altar zeigt deutlich den Abstand zwischen der Kirchenmauer und dem Altar. Der Altar wird durch zwei, von der Mauer ausgehenden Balken gestützt.

© GvT

© GvT
Auf der Kirchenmauer selbst ist der große, heute in rot gefärbte Vorhang aufgearbeitet, der den Blick in den Himmel mit Gottvater und der Taube als Symbol für den Heiligen Geist öffnet.
Die vier musizierenden Engel auf dem Altar bilden das optischen Bindeglied zwischen dem auf der Wand aufgetragenen Blick in den Himmel und dem eigentlichen Altar mit dem Gnadenbild der Schönen Maria vom Hohenrechberg.
Der Eindruck eines Theatrum Sacrums wird noch durch die beiden
Logen des Oratoriums an der rechten Seite verstärkt. 


Die kunsthistorische Bedeutung des Hohenrechberger Theatrum Sacrum

Der 1689 gestaltete Chorraum mit Hochaltar und Oratorium bildet ein Unikum im Werk von Prospero Brenno.
Die Gestaltung des Chorraumes in der Münchner Theatinerkirche (1673-1675) folgt noch den traditionellen Vorstellungen. Die Annakapelle in der Franziskanerkirche Salzburg (1680) bot nicht genügend Raum, um die neuen Ideen von Gianlorenzo Bernini umzusetzen. Eine Anwendung der innovativen Vorstellungen Berninis findet sich auch nicht in der Klosterkirche Benediktbeuern (1687) oder in der Klosterkirche Weggental (1688). Als Grund hierfür sind wohl eher die Wünsche der jeweiligen Bauherren zu vermuten.
Prospero Brenno hatte also nur beim der Hohenrechberger Altar die neuartigen Ideen anwenden können. Da es vor 1688-89 keinen anderen Vertreter des italienischen Barocks und Verfechter von Gianlorenzo Berninis Ideen in der Umgebung von Hohenrechberg gab, blieb das hier erstmals umgesetzte Theatrum Sacrum einzigartig. Es ist damit das ältestes seiner Art wohl in ganz Süddeutschland.
Wie früh das Hohenrechberger Theatrum Sacrum entstand, lässt sich daran erkennen, dass die heute bekanntesten Heiligentheater erst 30 bis 50 Jahre später entstanden. Zu den bekanntesten zählt der Hochaltar des Klosters Weltenburg von den Gebrüdern Asam.

Chor und Hochaltar der Klosterkirche Weltenburg, 1723-24 - © GvT

Die Rezeption von Brennos Altargestaltung

Brennos Gestaltung des Hohenrechberger Hochaltares wirkte sich in der Folgezeit Wirkung auf die Gestaltung von Altären in der unmittelbaren Nachbarschaft aus.

Winzingen
Die Winzinger Kirche St. Sebastian und Rochus war 1619 - also gerade zu Beginn des 30jährigen Krieges - von dem Graubündner Baumeister Anton Serro erbaut worden. Im Jahre 1694 - also 5 Jahre nach Abschluss der Arbeiten in Hohenrechberg - wurde sie umgestaltet.
Die künstlerische Verbindung zur nur wenige Kilometer entfernten Wallfahrtskirche Hohenrechberg findet sich bis heute in einigen Details.

 
Engel als Schmuck eines Kapitels - inspiriert von den Engeln der Kapitelle von Hohenrechberg  - © GvT

Kanzel mit Engelchen und einer aus Akanthusblättern herausragenden Traube, 1917 - © GvT

Die künstlerische Beeinflussung bei der Umgestaltung der Winzinger Kirche durch den italienischen Barock von Hohenrechberg tritt am Hauptaltar zutage.

Rest des ehemaligen Hochaltars, 1694 - © GvT
Bei der Neugestaltung des Winzinger Hochaltares wurde die Idee vom sich öffnenden Vorhang, der den Blick auf die wichtigsten Details der Heilsgeschichte frei gibt, aufgegriffen. Im Zentrum der Darstellung steht heute ein Gemälde, das erst in späterer Zeit seinen Platz hier fand.

Lauterstein-Weißenstein
Aus den Heiligenrechnungen der Wallfahrtskirche Hohenrechberg kann man entnehmen, dass bei der Grundsteinlegung 1686 der junge Gaudenz von Rechberg-Weißenstein anwesend gewesen war. Er konnte also persönlich die Entwicklung der Kirche miterleben. Zudem war er ein enger Vertrauter des bayerischen Kurfürsten Maximilian Emanuel, der in denjenigen Zimmern in der Münchner Residenz lebte, die Prospero Brenno ausgestattet hatte. Es verwundert daher nicht, dass Gaudenz von Rechberg die Werke Prennos als Inspirationsquelle für den Weißensteiner Hochaltar nutzen ließ. 

Hochaltar in der Stadtpfarrkirche Weißenstein - © GvT
Wie in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg bestehlt die Komposition des Weißensteiner Hochaltares aus zwei Ebenen - dem Hochaltar unter Einbeziehung des Deckengewölbes.

© GvT

Wie schon in Hohenrechberg und in Winzingen erhält der Gläubige durch einen geöffneten Vorhang einen Blick in den Himmel, aus dem sich der Heilige Geist ergießt.


Quellen und Literatur

- Felix Ackermann, Die Altäre des Gianlorenzo Bernini - das barocke Altarensemble im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, Petersberg 2007
- Gabriele von Trauchburg, Lauterstein - Weißenstein, Nenningen (Kirchenführer), Lauterstein 2015
- Heribert Hummel, Die Kirchen der Stadt Donzdorf (mit Winzingen), Weißenhorn 1995


Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg - Teil 11: Die Kanzel

Die Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der italienische Barock in der Wallfahrtskapelle Hohenrechberg

© Gabriele von Trauchburg 


Teil 11: Die Kanzel

Doppelte Kunst - Stuckateur und Bildhauer
Wir haben Prospero Brenno bisher als einen vielseitigen Stuckateur kennengelernt. Wir haben die Arbeitsweise in diesem Beruf im 17. Jahrhundert kennengelernt und dabei erfahren, dass ein Stuckateur auch über eine bildhauerische Ausbildung verfügen musste, wollte er eigenständig arbeiten (s. Teil 5).
Prospero Brenno hatte 1688 den Vertrag zur Errichtung der Altäre und der Kanzel erhalten. Aus diesem Grund ging man bisher davon aus, dass Prospero Brenno auch die aus Holz gearbeitete Kanzel angefertigt hatte. Ein Detail passt nicht in die bisherige Argumentation: Die Signatur am Kanzelfuß:

▴Signatur an der Kanzel der Wallfahrtskirche von Hohenrechberg - I▴ F▴ B ▴S ▴F ▴A 16▴89 - © GvT
   
Diese Signatur lautet: I▴F▴B▴S▴F▴A 16▴89. Bisher dachte man wohl, dass der zweite Buchstabe der Signatur ein 'P' sein musste und vielleicht ein Stück ausgebrochen ist. Doch beim genauen Hinsehen erkennt man eindeutig, dass sowohl der 2. Buchstabe wie auch der 5. Buchstabe der Signatur zweifellos dieselben sind und ein 'F' darstellen. Somit heißt die neue Signatur in aufgelöster Form: I(ulio?) Francesco Brenno Salorino Fecit Anno 1689.

Wer war Francesco Brenno? 

Die Familiengenealogie der Brenno ist verwirrend und deshalb nur schwer als Argumentationshilfe zu benutzen. Dennoch sollen hier die beiden Träger des Namens Franceso Brenno vorgestellt werden.

Giulio Francesco Brenno (24.10.1667 - 22.5.1694)
Der in Salorino (Tessin, Ch) geborene Giulio Francesco Brenno war der Sohn von Prospero Brenno. Nach dem Tod seines Vaters arbeitet er bei seinem Onkel Giovanni Battista II. Brenno im Kloster Ebrach, wo er 1693 seine erste eigene Entlohnung erhielt. In diesem Kloster stuckierte er die Prälatenkapelle im nördlichen Abteiflügel und für die Decke des Lektorats, gleichzeitig werden ihm weitere Stuckaturarbeiten im «Neuen Bau» und der Johannesaltar in der Stiftskirche übertragen. Ein Jahr später verstarb er aufgrund einer langwierigen Krankheit. Es ist durchaus möglich, dass Giulio Francesco im Alter von 21 Jahren gemeinsam mit seinem Vater von 1688 bis 1689 in Hohenrechberg tätig war.

Francesco Brenno (1644 - 1696)
Der ebenfalls in Salorina geborene Francesco Brenno war der Sohn eines nicht weiter bekannten Giovanni Battista I. Brenno dargestellt. Francesco arbeitete 1678-80 an der Ausstattung der Domstiftskirche Herrenchiemsee, war vielleicht 1680 bei der Barockisierung des Chores der Franziskanerkirche Salzburg beteiligt, im Schloss Hohenaschau stuckierte Francesco unter der Bauleitung von Enrico Zucalli bis 1682. Anschließend arbeitete um 1685 in Moosdorf. Danach arbeitete Frencesco gemeinsam mit seinem Bruder Carlo Antonio in Salzburg, zuerst an der Kajetanerkirche und unter der Bauleitung von Giovanni Gaspare Zucalli an der St. Erhard-Kirche.
Der Wechsel auf dem Stuhl des Erzbischofs von Salzburg von Maximilian Gandoph Graf von Kuenburg hin zu Johann Ernst von Thun hatte tiefgreifende Auswirkungen auf Francesco Brenno: Thun entließ die italienischen Baumeister und Künstler, um deren künstlerische Vorherrschaft zu brechen. Die Brüder Francesco und Carlo Antonio prozessierten zwar gegen die Aufkündigung ihres Vertrages und konnten schließlich nach 1689 wenigstens noch St. Erhard zum Abschluss bringen, doch ihre Zeit in Salzburg war im Grunde genommen noch 1687 beendet. Der 44jährige Francesco Brenno hätte also genügend Zeit zur Verfügung gestanden, seine Arbeit in Hohenrechberg fortzusetzen.
Meiner Meinung nach kommt eher der 44jährige Francesco als Künstler der Hohenrechberger Kanzel in Frage, denn er verfügte über deutlich mehr bildnerische Erfahrung sein sein 21jähriger Neffe. Möglicherweise kommt Francesco Brenno auch als Künstler der beiden Beichtstühle in Frage, denn deren Bildhauer wird in den Heiligenrechnungen nicht genannt.

Der Aufbau der Kanzel


Der Aufbau der Kanzel steckt voller Symbolik. Es ist spannend, diese Schritt für Schritt aufzudecken.

  © GvT



Der Kanzelboden 
Der Boden ist als die Hälfte einer Perlmuschel geformt. Diese Muschel - die auch an der Spitze der Sitzwangen wiederkehrt - ist ein Mariensymbol. Der Muschelboden wird durch vier aus Lilienblüten bestehende Bänder untergliedert. Die Lilienblüten sind ein weiteres Mariensymbol.
Zwischen den Lilienbändern hängen große, üppige, feingliedrig ausgearbeitete Fruchtgirlanden (vgl. Teil 6).

© GvT

 Die Kanzelbrüstung

 © GvT

Von der Kanzel wird das Wort Gottes verkündet. Kein Wunder, dass man dort die vier Autoren des Evangelien findet (von links nach rechts):
  1. Lukas mit dem Stier 
  2. Matthäus mit dem Menschen
  3. Markus mit dem Löwen
  4. Johannes mit dem Adler 
Jeder der vier Evangelisten trägt fein herausgearbeitete Gesichtszüge. Die Evangelisten sitzen auf dem Muschelrand, lehnen mit dem Rücken an der Kanzelbrüstung und sind im Schreiben vertieft.

Der sinnierende Evangelist Johannes, 1689 - © GvT


Die Hohenrechberger Kanzel als Vorbild für die Kanzel in Deggingen  

Offensichtlich beeindruckte die Hohenrechberger Kanzel die Zeitgenossen in der näheren Umgebung. Dies zeigt sich besonders in der Gestaltung der Kanzel von Heilig-Kreuz in Deggingen.


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Wie in Hohenrechberg wird der Boden der Kanzel von einer Muschelhälfte gebildet. Ebenso wird die Muschelhälfte durch Lilienbänder gegliedert. In den Räumen zwischen den Lilienbändern sind wie in Hohenrechberg üppige Fruchtgebinde angebracht.

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Wie in Hohenrechberg sind es Figuren, die auf dem Muschelrand sitzen. Anders als in Hohenrechberg handelt es sich hier jedoch nicht um die vier Evangelisten, sondern um die vier Kirchenväter. Anhand ihrer Attribute erkennt man:
  1. Papst Gregor den Großen
  2. den Heiligen Augustinus - Bischof von Hippo in Nordafrika
  3. den Heiligen Ambrosius - Bischof von Mailand und 
  4. den Heiligen Hieronymus

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Der Schalldeckel in Deggingen verdient besondere Aufmerksamkeit. Er ist eine eigenständige Gestaltung, die die Elemente aus dem Kanzelkorb - Fruchtgirlanden, Akanthusblätter und kleine Putti - noch einmal aufnimmt und neu kombiniert.

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Die Rezeption der Hohenrechberger Kanzel in Heilig-Kreuz in Deggingen geht auf die bestehenden herrschaftlichen Verbindungen zurück. Gleich nach dem Verkauf der Herrschaft Wiesenstein an das Kurfürstentum Bayern in den 1660er Jahren, zu der damals auch Deggingen gehörte, belehnte der bayerische Kurfürst die Familie Rechberg mit der Ausübung der Herrschaftsgewalt. Dieses Herrschaftsverhältnis dauerte bis zur Säkularisierung 1806 an.   

Quellen und Literatur

http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Brenni_Giulio_Francesco.html
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Brenni_Francesco.html
https://www.uibk.ac.at/aia/brenno_francesco.html
Ulrich Hägele, Weit über die Grenzen hinaus bekannt - Die Stuckateur- und Bildhauerfamilie Schweizer, in: Deggingen und Reichenbach im Täle - ein Heimatbuch, Deggingen 2011, S. 241-261

Der italienische Barock in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg - Teil 12: Die kunsthistorische Bedeutung der Wallfahrtskirche Hohenrechberg

DIE WALLFAHRTSKIRCHE HOHENRECHBERG


Der italienische Barock in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg


© Dr. Gabriele von Trauchburg, Januar 2018

Teil 12: Die kunsthistorische Bedeutung der Wallfahrtskirche Hohenrechberg


Bis dato ist Prospero Brenno nur einigen wenigen Kunstkennern ein Begriff. Man kennt seinen Herkunftsort und seine Familienverhältnisse. Doch schon bei der Identifizierung seiner Werke, deren Qualität und deren Umfang gehen die Meinungen doch erheblich auseinander, wie die einzelnen Kapitel dieser Untersuchung gezeigt haben. Deshalb greife ich noch einmal einzelne Punkte auf und stelle ihnen die neuen Erkenntnisse gegenüber:

Prospero Brenno - kein Wanderarbeiter, sondern ein Unternehmer

Auf einer Website, die sich mit dem süddeutschen Barock beschäftigt, wurde Brenno tatsächlich als Wanderarbeiter bezeichnet. Diese Aussage soll wohl suggerieren, dass er 1. an mehreren Orten sein Handwerk ausübte und 2. allein unterwegs war.
Wie im Laufe der Untersuchung deutlich wurde, ist die Bezeichnung 'Wanderarbeiter' im Zusammenhang mit Prospero Brenno irreführend. Schon bei seinem ersten Auftreten in Würzburg 1670 arbeitete er gemeinsam mit seinem Bruder an der Stuckierung eines Saales im dortigen Rathaus. Einem einfachen Wanderarbeiter hätte man diese prestigeträchtige Arbeit sicherlich nicht anvertraut. Was waren also die besonderen Vorzüge Brennos gegenüber den einheimischen Künstlern?

Sein nächster Wirkungsort war München - zuerst die Theatinerkirche und anschließend die kurbayerische Residenz (1673-75). Im ersten Jahr ihrer Ausgestaltung arbeitete er unter dem in Nürnberg tätigen Carlo Moretti Brentano. Dieser kehrte aber noch, als die Arbeiten in der Kirche voranschritten, nach Nürnberg zurück, um dort seine Arbeiten fortzusetzen, während Brenno weiterhin in München arbeitete. Vergleicht man die stilistische Handschrift der beiden Künstler, so kann man deutliche Unterschiede feststellen. Der von Brenno geschaffene Stuck ist leichter und stilistisch vielfältiger. Man gewinnt den Eindruck, dass Moretti gemeinsam mit Brenno die Gestaltung entworfen hatte, die Ausführung aber in erster Linie bei Brenno lag.
Die Qualität von Brennos Arbeit - sowohl im Entwurf, wie auch in der Ausführung - müssen dann die Grundlage für seine Abwerbung bei den Theatinern gewesen sein. Die Kurfürstin persönlich wollte ihn für die Ausgestaltung ihrer neuen Räume in der Residenz.

Für das Jahr 1688 ist Prospero Brenno für die Ausstattung der beiden Wallfahrtskirchen Weggental b. Rottenburg a. Neckar und für Hohenrechberg belegt. Ein einfacher Wanderarbeiter ist jedoch nicht in der Lage, gleichzeitig an zwei Orten zu arbeiten. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass er in beiden Fällen als Unternehmer auftrat, für beide Kirchen die Entwürfe lieferte, jedoch genügend potentielle  Mitarbeiter - seine Brüder, Söhne und Neffen - besaß, die die jeweiligen Arbeiten ausführten.

Prospero Brenno und der Salzburger Stuckateur PB

Beim  Anblick der ersten Fotos von der Annenkapelle in der Franziskanerkirche in Salzburg war ich wie vom Donner gerührt. Der Altar von 1680 wies die gleichen Engelkariathiden wie der Hochaltar der Wallfahrtskirche Hohenrechberg von 1689 auf. Die Signatur in Salzburg wird mit PB angegeben und mit Paolo Brenno übersetzt. In Hohenrechberg gibt es keine Signatur von Prospero Brenno.
Dennoch darf man davon ausgehen, dass hier ein und dieselbe Person am Werke war. Zum einen spricht die stilistische Übereinstimmung in Salzburg und Hohenrechberg dafür (s. Teil 7), und zum anderen haben die bisherigen genealogischen Untersuchungen nur einen einzigen Paolo Brenno nachweisen können - den Sohn von Prospero, der 1680 gerade einmal 7 Jahre alt gewesen war (s. Teil 2).   

Prospero Brenno und Gianlorenzo Bernini  

Über die Ausbildung und die frühen Arbeiten von Prospero Brenno ist nichts überliefert. Man weiß nur, dass er 1670 im Alter von 32 Jahren erstmals in Deutschland tätig ist. Zwei Jahre später gehört er zu den führenden Handwerkern beim Bau der Münchner Theatinerkirche, von wo er im Auftrag der bayerischen Kurfürstin Henriette Adelaide abgeworben wird, damit er ihre neuen Räume in der Münchner Residenz gestaltet. 1680 begegnet PB - bisher als Paolo Brenno übersetzt - in der Franziskanerkirche in Salzburg, wo er im Auftrag des Erzbischofs eine Kapelle ausarbeitet und signiert. 1685-1687 begegnet man Prospero Brenno in Benediktbeuern bei der Ausgestaltung der dortigen Klosterkirche und später noch einmal bei der Gestaltung der Kapitelräume. 1688 und 1689 arbeitete Brenno auf dem Hohenrechberg und in Weggental. Es blieb bisher ein Rätsel, wie es Prospero Brenno gelang, die prestigeträchtigen Aufträge zuerst in Würzburg und dann in München und Salzburg zu erhalten.
Eine Erklärung hierfür liefert die erstmals vorgenommene Untersuchung zu Brennos Stil. Ausgangspunkt war die Frage, woher er seine Inspirationen bezogen hatte und wie er sie im Laufe der Zeit umsetzte. Möglich war dies aufgrund der Tatsache, dass Prospero Brenno in Hohenrechberg als alleiniger Handwerker auftrat. Auf diese Weise konnte seine stilistische Handschrift herausgearbeitet werden.
Und diese erbrachte erstaunliches zutage: Sowohl der Hauptaltar wie auch die beiden Seitenaltäre von Hohenrechberg wurden nach Gestaltungsprinzipien von Gianlorenzo Bernini gearbeitet. Zudem weisen die von Brenno in seine Entwürfe eingearbeiteten Engel deutliche Parallelen zu den von Bernini entworfenen und von seinem Werkstattmitarbeiter Antonio Raggi ausgeführten Engeln in Santa Maria del Popolo und Sant'Andrea al Quirinale auf. Gestaltungsprinzipien und Ausführung wurden in den 1660er Jahren entwickelt - also nicht lange bevor Prospero Brenno erstmals nach Deutschland kam und in Würzburg seinen ersten Auftrag erledigte (s. Teil 8).
Diese Beobachtungen rechtfertigen nun das Aufstellen der These, dass Prospero Brenno wohl über einen längeren Zeitraum hinweg in Rom gewesen war und mit großer Wahrscheinlichkeit in der Werkstatt des führenden Architekten und Bildhauers Gianlorenzo Bermini gearbeitet hatte.


Prospero Brenno und die kunsthistorische Bedeutung der Wallfahrtskirche Hohenrechberg 

In der Wallfahrtskirche Hohenrechberg konnte Prospero Brenno erstmals vollständig die Ideen von Gianlorenzo Bernini umsetzen. Zuerst entwarf er für die Wallfahrtskirche ein Gesamtkonzept das Innere. Sämtliche Elemente wurden aufeinander abgestimmt: Decken und Wände, Altäre, Sitzbänke und Beichtstühle. Alle Details entstanden im italienischen Barock. Der Hohenrechberger Barock ist einzigartig: er ist der älteste erhaltene Barock in weitem Umkreis und zudem direkt von Rom ausgehend geprägt.
Brenno gestaltete mit dem Hochaltar in Hohenrechberg das wohl älteste Theatrum Sacrum in Süddeutschland. Es entstand 30-40 Jahre vor den großen Heiligentheatern beispielsweise in der Klosterkirche Weltenburg (s. Teil 10).
Dadurch dass Prospero Brenno federführend bei der Ausstattung in Hohenrechberg arbeitete, entstand hier sein Hauptwerk, das gleichzeitig den Höhepunkt seinen eigenständigen Werkes darstellt.


Prospero Brenno und seine künstlerische Ausstrahlung auf die Region um Hohenrechberg 

Im Teil 10 - Das Theatrum Sacrum - ist es bereits angeklungen, dass die Arbeit von Prospero Brenno sich auf weitere Kirchengebäude in der Region auswirkte - so auf die Wallfahrtskirche Birenbach, die Pfarrkirche Winzingen und auf die Stadtpfarrkirche Lauterstein-Weißenstein.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Schwerpunkt, der allein aufgrund der stilistischen Übereinstimmungen Prospero Brenno und seinen Familienmitgliedern zugeschrieben werden muss: Der prachtvolle barocke Orgelprospekt der Heilig-Kreuz-Kirche in Schwäbisch Gmünd samt seinem alten Kirchengestühle. Offenbar brachte Brenno nicht nur nach Hohenrechberg, sondern auch nach Gmünd den italienischen Barock in seiner ganzen Fülle.

Orgelprospekt in der Heilig-Kreuz-Kirche Schwäbisch Gmünd, um 1688 - © GvT
 
 
 

Sonntag, 8. Oktober 2017

Weltkunst am Fuße der Alb - Die Nenninger Pietà des Franz Ignaz Günther

© Gabriele von Trauchburg, Oktober 2017

In der Pietà-Kapelle von Lauterstein-Nenningen befindet sich seit dem 8. Dezember 1774 ein international bedeutendes Kunstwerk - die Nenninger Pietà von Franz Ignaz Günther. Ihre berührende Geschichte und ihre weitreichende Bedeutung als Grenzpunkt einer ganzen Kunstepoche stehen im Mittelpunkt dieses Posts.

Vorgeschichte - Entstehung nach großer Hungersnot    

Zwischen 1769 und 1772 ereignete sich eine Naturkatastrophe - vermutlich auf Island brach ein Vulkan aus. Die Nachwirkungen dieses Ausbruchs - eine große Menge an vulkanischer Asche gelangte in die Atmosphäre und verursachte einen sogenannten vulkanischen Winter. In der Folge drangen kaum noch Sonnenstrahlen auf die Erdoberfläche vor. Die Durchschnittstemperatur sank beträchtlich; in ganz Mitteleuropa verzeichnete man Schneefälle bis in den Monat Juni; gleichzeitig band die verschmutzte Luft große Mengen an Wasser, was zu vermehrten Niederschlägen führte.
Die Menschen damals waren von ihren eigenen Ernten abhängig, doch Kälte und Niederschlag sorgten für Ernteausfälle. Das führte dann zu einer über ganz Europa verbreiteten Hungersnot. Die Zahl der Todesfälle stieg 1771 stark an, blieb auch noch 1772 auf hohem Niveau und erreichte erst 1773 wieder durchschnittliche Werte. In jenem Jahr wurde die erste durchschnittliche Ernte wieder eingefahren und die gesamte wirtschaftliche Situation verbesserte sich allmählich.

Die Kapelle und ihre Bedeutung

Nachdem die Hungersnot überstanden war, beschlossen die Nenninger Dorfherrschaft und Kirchengemeinde, die alte Kapelle von 1582 abzureißen und durch eine neue zu ersetzen. Diese Kapelle lag außerhalb des Ortes in direkter Nähe zum Wasserfall der Lauter am Weg zu den Feldern und zu den Wiesen. Möglicherweise war sie durch Überschwemmungen beschädigt worden.
Sie war der schmerzhaften Jungfrau Maria und den Heiligen Florian und Wendelin gewidmet gewesen. Die beiden Heiligen Florian und Wendelin sind für die ländliche Bevölkerung von großer Bedeutung, wie weiter unten noch erklärt wird. 

Die Kapelle - ein Gemeinschaftswerk von Dorfherr und Dorfbewohnern

Die Kapelle ist ein großartiges Gemeinschaftswerk von Dorfherr und Dorfbewohnern. Den Grundstein zur neuen Kapelle legte 1774 der damalige Dekan von Geislingen und Donzdorfer Pfarrer A. G. Schroz. Den Entwurf für den Bau lieferte der damals hochangesehene Baumeister Johann Michael Keller aus Schwäbisch Gmünd. Die notwendigen Baumaterialien - Holz, Dachziegel und Kalk - spendete der Nenninger Dorfherr Maximilian Emanuel von Rechberg. Die Steine stammten wohl noch von der alten Kapelle. Die Bauarbeiten übernahmen die Dorfbewohner, teils im Hand- und Spanndienst, teils als persönliche Spende. Schon am 12. Juni 1774 weihten der Donzdorfer Pfarrer und Dekan Schroz sowie der Nenninger Pfarrer Kübler die Kapelle.

Die Pietà-Kapelle von 1774 am Ortsausgang von Lauterstein-Nenningen - © GvT

Die Patrozinien und ihre Bedeutung

Allein die Verehrung der beiden Heiligen Florian und Wendelin weist deutlich darauf hin, vor welchen Schicksalsschlägen die Bewohner Nenningens sich am meisten fürchteten und wofür sie beteten.
Der Heilige Florian, allen bekannt als Beschützer vor Feuer, steht den Menschen auch bei Unwetter, unfruchtbarem Boden und Trockenheit bei - Phänomene, die man am Rande der Schwäbischen Alb sehr wohl kennt.
Der Heilige Wendelin ergänzt auf ideale Weise die Wirkung von Florian. Wendelin ist der Patron der Hirten, Bauern und Schäfer, zudem des Viehs. Er hilft gegen Viehseuchen und sorgt für gutes Wetter und gute Ernte. 

Der Weg der Pieta nach Lauterstein-Nenningen  

Nach dem Neubau benötigte die Kapelle eine eigene Ausstattung. Dazu verhalf der tiefgläubige Dorf- und Patronatsherr Maximilian Emanuel von Rechberg. Seine Vorfahren und er selbst hatten hochrangige Stellen am kurfürstlichen Hof in München inne. Es gehörte unter anderem zu ihren Aufgaben, über sämtliche Facetten künstlerischer Entwicklungen und über die angesagtesten Künstler stets bestens informiert zu sein.
Die Entscheidung von Maximilian Emanuel von Rechberg, den Auftrag an den Münchner Hofbildhauer Franz Ignaz Günther zu vergeben, verwundert daher nicht. Zudem lag Günthers Werkstatt nur gute 200 Meter vom Rechberg-Palais entfernt.

Der Bildhauer erhielt 125 Gulden für seine Arbeit, die der Auftraggeber nicht aus den laufenden Betriebskosten seiner Herrschaften, sondern aus seinem Privatvermögen beglich. Am 8. Dezember 1774 kam der Transport mit der Figurengruppe im Dorf an.

Die Nenninger Pietà von Franz Ignaz Günther, 1774 - © GvT

Der Künstler

Franz Ignaz Günther  (1725-1775) sammelte seine ersten kunsthandwerklichen Erfahrungen in der väterlichen Schreinerei im Markt Altmannstein (Lkr. Eichstätt). Dieser Ort war der Fürstin Portia, einer Tante von Maximilian Emanuels Ehefrau Walburga, im Jahre 1731 vom damaligen Kurfürsten Karl Albrecht geschenkt worden. Als sich die herausragenden Talente des 19jährigen jungen Mannes zeigten, vermittelte sie oder ihr Mann, Fürst Portia, die Kontakte zum in jener Zeit führenden Münchner Bildhauer, Johann Baptist Straub.
Ab 1744 lernte Günther bei Straub. Anschließend begab er sich ab 1750 auf Wandschaft – zunächst nach Salzburg, dann nach Olmütz (Mähren, 1752) und schließlich zur weiteren theoretischen Ausbildung in die Bildhauerklasse der Akademie in Wien (1753), die er mit 'Premium' abschloss. Nach München kehrte er im Jahre 1754 zurück, ließ sich vom Zunftzwang befreien und gründete seine eigene Werkstatt.
Ab dieser Zeit war er hauptsächlich für kirchliche Auftraggeber tätig, schmückte mit seinen lebensgroßen Figuren aber auch die Münchner Adelspalais aus. Durch die familiären Verbindungen des Maximilian Emanuel von Rechberg mit den bayerischen Adelsfamilien Törring, Preysing und LaRosée muss er schon früh auf den noch sehr jungen Franz Ignaz Günther aufmerksam geworden sein. Zudem kannten die Rechberg die Künstlerfamilie Straub, die aus der bayerischen Exklave Wiesensteig - von der Familie Rechberg zwischen 1667 und 1803 verwaltet - stammte.

Die Nenninger Pietà als Höhe- und Endpunkt des Rokoko

Schriftliche Unterlagen zur Entstehung des Kunstwerks von Seiten des Auftraggebers oder des Bildhauers gibt es keine mehr. Es gab aber sicherlich intensive Gespräche zwischen beiden Männern, in deren Verlauf der Künstler dem Mäzen zwei Modelle der Pietà präsentierte. Diese werden heute im Bayerischen Nationalmuseum in München und im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart gezeigt.
Die Nenninger Pietà besitzt eine außergewöhnliche Ausdrucksstärke. Sie entstand durch die exakten anatomischen Details, die Günther herauszuarbeiten verstand und durch die bewußt gestaltete Farbgebung.
Das Gesicht der Maria zeigt deren unendlichen Schmerz beim Verlust ihres Sohnes. Bei der Gestaltung der Muttergottes konnte der Künstler wohl auch den Tod der eigenen, während der Hungersnot verstorbenen sieben Kinder verarbeiten. 
Die vielschichtige Gestaltung Christi lässt sich erst in Verbindung mit der von Günther vorgegebenen Farbgebung entschlüsseln. Im Gegensatz zum roséfarbenen und damit Lebendigkeit signalisierenden Gesicht der Muttergottes ist der Leib Christi in eine bläulich-weiße Farbe gehüllt, die den kurz zuvor eingetretenen Tod Christis markiert.

© GvT

Was Günther mit dem Hilfsmittel Farbe gelang - die Darstellung vom Hinübergleiten vom Leben in den Tod - das setzte er auch in der Gestaltung des Körpers um. Christus gleitet aus dem Schoß seiner Mutter zum Boden hinab. Nur noch das Knie der Muttergottes, auf dem noch die Achselhöhle von Christus ruht, hält den Körper davon ab, vollständig auf die Erde zu gleiten. Auch das frei schwebende Bein Christi verstärkt diesen Eindruck.
Bei genauer Betrachtung erkennt man deutlich, dass im Körper von Christus ein Moment der Bewegung festgehalten ist. Christus entgleitet sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne seiner Mutter. Mit seiner Darstellung überwand Franz Ignaz Günther die bis dahin statische Darstellung von Skulpturen zugunsten von scheinbar erstarrten Bewegungen seiner Figuren.

Was Maximilian Emanuel von Rechberg damals, als er den Auftrag an Franz Ignaz Günther erteilte, noch nicht ahnen konnte, war die Tatsache, daß er die dritte und letzte Pietà-Darstellung des renommierten Künstlers erwarb. Ein halbes Jahr nach ihrer Fertigstellung starb der Künstler.
Unter Spezialisten gilt dieses Werk als das eindrucksvollste und damit bedeutungsvollste von Günther und seinen Zeitgenossen überhaupt. Mit Günthers Tod endet die Epoche des süddeutschen Rokokos und die Nenninger Pieta wird zum Höhe- und Endpunkt einer ganzen Kunstepoche.

Früher auf großen Ausstellungen - heute nur noch vor Ort

Wegen ihrer außerordentlichen Ausdrucksstärke fasziniert die Figurengruppe ihre Betrachter bis heute. Um diese Wirkung einem breiten Publikum erfahrbar zu machen, wurde sie im Laufe der Zeit bei großen nationalen und internationalen Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt:
  • 1951 auf der großen Ausstellung ’Franz Ignaz Günther’ in München
  • 1951 im Landesmuseum in Stuttgart
  • 1954 in der National-Gallery in London
  • 1954 im Louvre in Paris
  • 1958 auf der Weltausstellung im päpstlichen Pavillon in Brüssel 
  • 1981 bei der Ausstellung ‘Barock in Baden-Württemberg’ im Schloß Bruchsal und 
  • von Okt. 2004 - Mai 2005 bei der Ausstellung ‘Große Kunst im Kleinformat’ im Landesmuseum Stuttgart (Altes Schloss).
Eine Anfrage für eine Ausstellung in New York im Jahre 1960 wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Doch aufgrund jüngster denkmalpflegerischer Begutachtung darf dieses Kunstwerk nicht mehr von seinem Platz bewegt werden. Nur wer nach Lauterstein-Nenningen kommt, kann diese Weltkunst am Fuße der Alb aus direkter Nähe betrachten.


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